PlomWiki: Zur Start-Seite Suche Letzte Änderungen (Feed) Letzte Kommentare (Feed)
Impressum Datenschutz-Erklärung

Versions-Geschichte: "TheIdeaOfHistory"

Ansicht Bearbeiten Anzeige-Titel setzen Versions-Geschichte Seiten-Passwort setzen AutoLink-Anzeige ein-/ausschalten
2011-03-22 02:39:53 (rückgängig machen): GlobalReplace: list formatting (Admin):
5,218c5,218
- * [*"Editor's Preface"*]:
-   * Der Herausgeber redet ziemlich freimütig davon, was er aus dieser posthumen Veröffentlichung alles nach eigenem Urteil heraus weggelassen hat.
-   * Ideenbiografie Collingwoods, ein in der Schilderung des Herausgebers undurchschaubares Hin und Her in den Verhältnissen von Philosophie, Skeptizismus und Geschichte.
-   * Das Befinden über ein vergangenes "richtig" oder "falsch" ist kein Gegenstand der Geschichte. Wir zählen nur die Lösungen, nicht die Nichtlösungen, denn nur aus den Lösungen kann man ein Problem herleiten. (Schon deshalb wird Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben?)
- * [*"Introduction"*]:
-   * [*"The Philosophy of History"*]:
-     * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide / ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
-     * Die Philosophie der Geschichte ist folglich das Nachdenken über die Möglichkeit des historischen Wissens, das Nachdenken über das Verhältnis von Vergangenheits-"Wissen" zur Vergangenheit.
-     * In einer Epoche ist immer das philosophische Thema groß, das als Problem empfunden wurde. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt Geschichte als Problem hervor, das einen kritischen Ansatz benötigt. Erst seitdem also gibt es eine Philosophie der Geschichte.
-     * "The past, consisting of particular events in space and time, which are no longer happening, cannot be apprehended by mathematical thinking, because mathematical thinking apprehends objects that have no special location in space and time, and it is just that lack of peculiar spatio-temporal location that makes them knowable. [...] Nor by scientific thinking, because the truths which science discovers are known to be true by being found through observation and experiment exemplified in what we actually perceive, whereas the past has vanished and our ideas about it can never be verified as we verify our scientific hypotheses." (p. 5) Mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen über die Vergangenheit sind deshalb nicht möglich.
-   * [*"History's nature, object, method and value"*]:
-     * Historiker kann man sich nicht aufgrund von Schulbildung nennen; was in den Schulbüchern steht, ist immer nur die Dogmatisierung von längst überholten Wissensständen und -methoden, eingepaukt mit der Illusion der Gewissheit; also das Gegenteil der Geschichtswissenschaft.
-     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie kein überprüfbares Wissen über die Vergangenheit erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie eben das versucht: eine anerkannte Unwissenheit durch kritische Suche zu erhellen.
-     * Gegenstand der Geschichte sind menschliche Handlungen der Vergangenheit.
-     * Methode der Geschichte ist die rationale Beweisführung, die Interpretation von Dokumenten / "evidence".
-     * Ziel der Geschichte ist das Selbstverständnis des Menschen.
-   * [*"The problem of Parts I-IV"*]:
-     * Der eben behauptete Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern, die die Geschicke der Menschen lenkten. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
- * [*"Part I: Grego-Roman Historiography"*]:
-   * [*"Theocratic history and myth"*]:
-     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest noch quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der Zeit, die wir unsere Vierte Dimension nennen.
-     * Diese Geschichten sind stets Aussage und Wahrheitsanspruch, nie erfragtes, erarbeitetes Wissen.
-     * Diese beiden Geschichtsformen dominieren den Mittelmeerraum, bis dann die Alten Griechen.
-     * Bis zu den Hebräern sind Götter Schutzherren einzelner Stämme, Städte, Kulturen. Ab den israelischen Propheten universalisieren sie sich; "one might almost say that the peculiarity of the Hebrew legend as compared with the Babylonian is that it replaces theogony by ethnogony" (p. 17).
-   * [*"The creation of scientific history by Herodotus"*]:
-     * Zu Herodot wird Geschichte erstmals untersuchbar, datierbar und humanistisch; auch wenn die Legende noch immer eine tragende Rolle spielt. "Historia" ist die Erkundigung nach Taten von Menschen und den Motivationen dahinter. Hier bäumt sich der Mensch als Protagonist gegen die Götter auf.
-     * Thukydides beansprucht Überprüfung geschichtlichen Wissens und bekennt die mangelhafte Wissbarkeit entfernterer Vergangenheit.
-   * [*"Anti-historical tendency of Greek thought"*]:
-     * Für die Alten Griechen konnte nur das ernsthaft gewusst werden, was ewig/beständig/absolut/universell war. Das Zucken sich verändernder kurzweiliger Zustände, wie es die "historia" erfasst, konnte also kein Gegenstand ernsthaften Wissens, keine Demonstration, keine tiefere Erkenntnis sein.
-   * [*"Greek conception of history's nature and value"*]:
-     * Die Griechen lebten in turbulenten Zeiten, Wandel war (anders als zeitlich in China oder später im europäischen Mittelalter) Alltag, seine Betrachtung und Aufzeichnung also naheliegender Gegenstand des Interesses: Verarbeitung des Tumults der Zeit durch Versuche der Mustererkennung, und daraus Herleitung von Verhaltense-Empfehlungen.
-     * "There is no theory of causation; the thought does not resemble that of seventeenth-century inductive science with its metaphysical basis in the axiom of cause and effect; the riches of Croesus are not the cause of his downfall, they are merely a symptom, to the intelligent observer, that something is happening in the rhythm of his life which is likely to lead to a downfall." (p. 23)
-     * Geschichte war nicht vorherbestimmt; der Einzelne konnte sich seinem Schicksal entgegenstellen durch Klugheit und Informiertheit in seinen Entscheidungen. Geschichte als Erfahrungsschatz.
-   * [*"Greek historical method and its limitations"*]:
-     * Ihre historische Methode war die des kritischen Verhörs greifbarer Augenzeugen. Die beschränkt den Blick auf die nächste und lokale Vergangenheit; das griechische Interesse für die zeitlich oder räumlich ferne Vergangenheit war gering; "the historian was only the autobiographer of his generation" vs "[t]he modern historian knows that if only he had the capacity he could become the interpreter of the whole past of mankind" (p. 26-27).
-     * Die Geschichte einer Epoche ließ sich nur ein einziges Mal schreiben, von ihren Angehörigen. Ist das Kreuzverhör von Augenzeugen die einzige verfügbare kritische Methode, wird keine Zukunft die Erkenntnis dieser Periode über die Niederschrift durch Zeitgenossen hinaus vertiefen können.
-   * [*"Herodotus and Thucydides"*]:
-     * Herodot und Thukydides aber waren einsame historische Inseln; ihr Interesse für den Trubel menschlicher Handlungen der näheren Vergangenheit unterlag der sich verhärtenden antihistorischen Tendenz ihrer Landsleute.
-     * Bereits Thukydides gibt nach; wo Herodot noch Ereignisse um ihrer selbst Willen protokollieren wollte, ist Thukydides bereits anzumerken, dass er sich nur noch für sie als Instanzen zu ergründender universeller psychologischer/ethischer Regeln interessiert. Was er an Reden seinen Figuren in den Mund legt, ist offenkundig seine eigene Erfindung, statt Ergebnis von Recherche.
-   * [*"The Hellenistic period"*]:
-     * Die griechische Geschichtsschreibung des fünften Jahrhunderts ist isolationistische Nabelschau der kleinen Nähe. Post Alexander ist die Geschichtsschreibung des Hellenismus naturgemäß eine expansive und integrative. Geschichte wird jetzt über große räumliche und zeitliche Fernen gesammelt; naturgemäß muss hierfür der Flaschenhals des eigenen Verhörs von Augenzeugen verlassen werden. Stattdessen: "Patchwork"-History aus den Texten anderer Historiker. Verlässlichkeit von Geschichte muss so notgedrungen auf das Vertrauen in Historiker-Autoritäten setzen, die vor Ort Augenzeugenberichte sammelten, die vom Kompilierer nicht mehr überprüfbar sind.
-     * "Jut as the past achievements of great artists gave people a sense that artistic styles other than that of their own day were valuable, so that a generation of literary and artistic scholars and dilettanti arose for whom the preservation and enjoyment of classical art was an end in itself, so therearose historians of a new type who could feel themselves imaginatively as contemporaries of Herodotus and Thucydides while yet remaining men of their own time and able to compare their own times with the past. This past the Hellenistic historians could feel as their own past, and thus it became possible to write a new kind of history with a dramatic unity of any size, so long as the historian could collect materials for it and could weld them into a single story." (p. 33)
-   * [*"Polybius"*]:
-     * Die Römer, im Gegensatz zu den Griechen, glaubten nicht an den Wandel, sondern an die Kontinuität, an die Tradition, an die Institution. "The Romans, acutely conscious of their own continuity with their past, were careful to preserve memorials of that past: they not only kept their ancestral portraits in the house, as a visible symbol of the continuing and watchful presence of their forefathers directing their own life, but they preserved ancient traditions of their own corporate history to an extent unknown to the Greeks." (p. 34)
-     * Geburt nationalistischer Geschichtsschreibung, auch wenn die Genese der Nation noch ins Mythische ausgeblendet wird; sie ist bei Polybius ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem erst historisches Festhalten möglich ist, bereits [/ready-made/] da.
-     * Auch für Polybius ist Geschichte keine Wissenschaft, sondern ein Erfahrungsschatz. Er dient aber nicht mehr als Anleitung für eigenes politisches Handeln, sondern demonstriert die Gewalt wechselhaften Schicksals über die Einzelnen; Geschichte, sobald sie als etwas Großes außerhalb der Reichweite eines einzelnen Willen und Bewusstseins begriffen wird, kann vom Einzelnen nicht gestaltet, muss von ihm ertragen, akzeptiert werden. Er ziehe aus ihr Material für stoische Reflektion.
-   * [*"Livy and Tacitus"*]:
-     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend [/ab urbe condita/], aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit gelegentlichem Eingeständnis von Unsicherheiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
-     * Anstatt ihn weiterzuentwickeln, institutionalisierte, traditionalisierte und versteinerte Rom den Hellenismus. Kein wissenschaftlicher oder kultureller Fortschritt; Collingwood gönnt als einzigen neuen Input ein bisschen keltische Kunstfertigkeit und den Neoplatonismus.
-     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch und empathiefrei zurechtgestutzter Charaktere.
-     * Bei Tacitus stoische Logik von der Würde des Einzelnen abgetrennt von seinem historischen Kontext. Der Held oder Bösewicht handelt so aus seinem Inneren heraus, nicht weil die Ereignisse ihn bestimmen würden.
-     * Spätestens mit den Römern ist Geschichtsschreibung als kritische Methode und Reflektion auf dem absteigenden Ast.
-   * [*"Character of Greco-Roman historiography: (i) Humanism"*]:
-     * Unbestreitbarer Verdienst der griechisch-römischen Geschichtsschreibung: die Verbannung der Götter.
-     * Stattdessen: Obsession mit individueller Personifizierung historischer Prozesse: die Helden und Schurken. Geschichte als das Ergebnis freier, moralischer menschlicher Entscheidungen. Der Einzelne als völlig frei und selbstbestimmt in seinem Willen (Stoizismus), historische Prozesse gelenkt von klaren Zielen und Stoßrichtungen.
-   * [*"Character of Greco-Roman historiography: (ii) Substantialism"*]:
-     * Für Herodot gehen die Ereignisse vor, für alle antiken Historiker nach ihm die Prinzipien, die hinter diesen Ereignissen vermutet werden und denen ihre Beschreibung notfalls angepasst werden muss.
-     * Diese Prinzipien sind stets statisch und universell; das Ereignis ist ihnen nur eine profane, untergeordnete Instanz. Es gibt keinen Raum für Entwicklung; alles war schon immer so, im Zweifelsfall halt versteckterweise.
-     * Rom ist die Ewige Stadt, denn Rom war nie anders, als Livius oder Tacitus es aus ihrer Gegenwart kannten. Rom ist Subjekt, nicht Objekt historischer Vorgänge.
-     * All das ist in der antiken Faszination für die universale und ewigwährende Substanz begründet, der die erfahrbaren Gegenstände und Veränderungen der Gegenwart nur rhythmisches Zucken sind.
- * [*"Part II: The Influence of Christianity"*]
-   * [*"The leaven of Christian ideas"*]:
-     * Menschenbildumkehr: Der Mensch ist von Grund auf, unausweichlich bedrängt von seiner Erbsünde, unfähig zu Selbststeuerung und Durchblick, wie sie ihm der Stoizismus abverlangte. Ab jetzt macht wieder ein Gott die Leitentscheidungen.
-     * Nur Gott ist noch des Ewigwährende und Universale, alles Andere seine durch ihn jederzeit veränderbare Schöpfung. Gott wiederum ist unbegreifbar, also ist das Ewigwährende und Universale nicht Gegenstand des Begreifens; diese Substanzform wird immer weiter ins heilige Abseits gedrängt, während immer mehr das Veränderliche Gegenstand des Begreifens wird.
-     * Die Motivation des christlichen Gottes steht hinter allem, wird aber auch immer ungreifbarer. Das unterscheidet die christliche Historiographie von der früheren mythischen. Es gibt keinen einfach erfass- oder ausdrückbaren Willen mehr hinter jedem historischen Ergebnis, weder göttlich, noch -- wie vorher bei den Römern -- menschlich.
-     * Gottes Wille wird verwirklicht durch das Zusammenspiel der individuellen Getriebenheiten/Willen aller Einzelnen. (Klingt verdächtig nach Adam Smith.) Die gesamte Menschheit ist Teil dieses historischen Marktes, nicht nur ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Nation.
-   * [*"Characteristics of Christian historiography"*]:
-     * Christliche Geschichtsschreibung ist:
-       * universalistisch statt partikularistisch: umfasst die gesamte Menschheit, in einem gemeinsamen Zeitstrahl, von ihrer Schöpfung an; chronologische Vereinheitlichung
-       * providenzialistisch/teleologisch: alles emergiert auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
-       * apokalyptisch: die Geschichte hat als Höhepunkt (und NothingIsTheSameAnymore) die Offenbarung (den Propheten Jesus Christus), und ist hier in ein sich vorbereitendes und zum Höhepunkt zuspitzendes Vorher und ein erleuchtetes Nachher geteilt (vgl. Renaissance, Aufkärung, Singularität)
-       * periodisch: weitere Unterteilungen in beiden Teilen entlang wichtiger, "epochaler" göttlicher Umgestaltungen; Geschichte als Abfolge von Epochen
-     * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians." (p. 52)
-   * [*"Medieval historiography"*]:
-     * Update der Ideologie, aber nicht der verfügbaren Methodik; die bleibt auf dem Stand der Römer und wird noch abgeschwächt durch völlige Unterordnung und Reduzierung des Gegenstandes auf das, was ins neue theologische Geschichtsbild passt.
-     * Der Wille der Geschichte (des Großen Plans) ist für ihre Teilnehmer unaufhaltsam, kein noch so großer Mann kann ihn überwältigen: Jede seiner Taten ist, ob erkannt oder unerkannt, bereits Teil von Gottes Plan. Wer sich gegen die Geschichte zu stellen versucht, kann höchstens eines gewinnen: das Höllenfeuer.
-     * "Thus medieval historiography looked forward to the end of history as something foreordained by God and through revelation foreknown to man" (p. 54); Kritik der Eschatologie, easy übertragbar auf Kurzweil-Singularitarianismus. Transzendente Eschatologie, verlässt die Studie der Handlungen von Menschen, denn die Handlungen von Menschen sind ja nur Funktion des Großen Plans, und studiert werden soll letzteres, nicht ersteres.
-     * "What has happened here is that the pendulum of thought has swung from an abstract and one-sided humanism in Greco-Roman historiography to an equally abstract and one-sided theocentric view in medieval." Desinteresse für die Handlungen der Menschen, die eh nichts bewirken und die dann auch gar nicht mehr allzu eifrig recherchiert oder aufgezeichnet zu werden brauchen.
-     * Kein Naserümpfen: Auch heute wieder sind wir mehr am ideologischen Interpretieren von Geschichte interessiert als am Sammeln von Fakten. Parallelen zur mittelalterlichen Historiographie: Geschichte als Funktion von Theorie, nicht umgekehrt. Am Horizont: Postmodernes Desinteresse an der harten Wahrheit.
-   * [*"The Renaissance historians"*]:
-     * Die Renaissance führt wieder den Humanismus ein; der Mensch, den sie in den Mittelpunkt stellt, ist aber ein christliches Bild: der Leidenschafts- statt Intellekt-Geleitete.
-     * Befreiung vom Korsett des Großen Plans: Historia darf wieder Fakten um ihrer selbst Willen aufzeichnen/erinnern. Neue Methoden hierfür, analog der sich langsam herausschälenden wissenschaftlichen Revolution (17. Jahrhundert)?
-   * [*"Descartes"*]:
-     * Kritik an der Geschichts-Kritik von Descartes. Für Descartes kann es kein wissenschaftliches Wissen von der Geschichte geben, sondern nur von so etwas wie Mathematik und Physik. Bei Geschichte sei kein hinreichend standfestes kritisches Instrumentarium möglich; ihr Gegenstand, die Vergangenheit, nicht mit wissenschaftlicher Härte greifbar/beweisbar.
-   * [*"Cartesian historiography"*]:
-     * Jemand wie Descartes provoziert so eine neue kritische Methodik der Historiographie, die den Weg zur Geschichtswissenschaft öffnet: Autoritäten anzweifeln, Quellen vergleichen, Text mit überprüfbaren Beweisen abgleichen (Archäologie?); die Genese von Traditionen erforschen und sie als Einflussfaktor in das Verstehen und Interpretieren von Quellen einfließen lassen.
-     * Leibniz startet die Geschichte der Philosophie bzw. philosophischer Traditionen und Emergenzen.
-   * [*"Anti-Cartesianism: (i) Vico"*]:
-     * Kritik an Descartes' Wissens-Begriff, an der Idee, dass Mathematik und Physik irgendwie als absolutes Wissen privilegiert, statt auch nur sehr erfolgreiche menschliche Ideen seien. Mathematik und Physik beweisen die Existenz der äußeren Welt genauso wenig, wie Geschichte die Existenz der Vergangenheit beweist. Dem Historiker geht es weniger um den Beweis, die Vergangenheit habe existiert, als darum, die Gegenwart aus Thesen über die Vergangenheit zu erklären.
-     * Vico parallelisiert geschichtliche Epochen: die Ähnlichkeit des europäischen Mittelalters mit Homers Griechenland. Allgemeine Perioden-Entwicklungs-Modelle, aber nicht strikt zyklisch und vorhersagend, sondern spiralförmig und ergebnisoffen. Modelle zur Erzeugung von Arbeits-Hypothesen zum Ausfüllen von Lücken, bis eine bessere Lösung da ist.
-     * Kritik an wertenden Vorurteilen über Epochen oder Nationen als Grundlage von deren Analyse.
-     * Kritik an Annahmen, historische Personen hätten in den selben Wert- und Wissens-Kategorien gedacht wie man selbst.
-     * Kritik an zu einfachen Vererbungsthesen. Ein kulturelles Wissen wandert nicht einfach so vollständig und ungefiltert von einem Ort zum nächsten.
-     * Kritik an der Autoritäten-Abhängigkeit: Man kann auch aus dem Heute neues Wissen über die Vergangenheit gewinnen, vorbei an der Autorität früherer Historiker; die waren an der Zeit vielleicht näher dran, hatten aber auch weniger Zugang zu der Vergangenheit, die außerhalb ihrer unmittelbaren Nähe lag.
-     * Stattdessen Rekonstruktion der Vergangenheit: im Nachdenken über das Zustandekommen überlieferter Redewendungen und Traditionen. Spuren suchen und kritisch und vergleichend interpretieren. (Vorher gab es nur die Möglichkeit, eine Autorität eins zu eins beim Wort zu nehmen oder sie einen Lügner zu nennen.)
-   * [*"Anti-Cartesianism: (i) Locke, Berkeley and Hume"*]:
-     * Descartes' Idealismus angreifen. Es gibt keine Ideen aus sich selbst heraus, nur solche aus Anhäufungen von Erfahrungen, oft über Generationen hinweg, also historisch. Es gibt kein absolutes Wissen, nur ein vielleicht erstmal hinreichendes. Der Abgrund zwischen Idee und Ding ist für die Untersuchung der Entwicklung von Ideensystemen, wie sie die Historie versucht, irrelevant.
-     * Theoretisieren über die Möglichkeiten historischen Wissens: Wie verläuft die Kommunikationsstrecke von Vergangenheit zur Erkenntnis des Historikers? Der Augenzeuge, sein Bericht, die Niederschrift, ihre Kopie, ihre Lektüre, das entsprechend bestimmter geglaubter Prämissen stärker oder schwächer begründete Vertrauen in sie. Dass dieser Grad von Wissen auch nicht niedriger steht als andere Wissensvorgänge. Siehe Hume, hier, zweiter Absatz, Caesar: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0024
-     * Auch interessant, vierter Absatz: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0033 Sinkt die Verlässlichkeit eines historischen Berichts, je weiter die Vergangenheit entfernt ist, je länger die Kopien-Kette zu ihr reichen muss?
-     * Die Geschichte war von Descartes als unwissenschaftlich gegenüber absoluten Wissensformen wie Mathematik und Physik in den Boden getreten worden. Hume erhebt relativ die Geschichte, indem er die Sicherheiten von Mathematik und Physik einreißt. Deren Arroganz macht sie angreifbar; Geschichte dagegen ist nicht so arrogant, beansprucht keine Absolutheit des Wissens, stürzt also auch nicht so hoch vom Sockel.
-   * [*"The Enlightenment"*]:
-     * Vico: Der Übergang von der Barbarei zur aufgeklärten Vernunft ist der von der Poesie zur Prosa; von der Kunst zur Philosophie; von der Erfindung zur Vernunft; die Religion ist eine Zwischenstufe.
-     * Voltaire/Aufklärer: Religion ist Fehler oder Betrug einer hinterhältigen Priesterkaste Instrument zur Kontrolle der Massen. Mit Hass und Vorurteilen verbauen diese Aufklärer sich einen nüchternen und ergebnisoffenen Geschichtsblick. Sie haben auch gar kein Interesse daran; historische Arbeit ist ihnen nur ein weiteres Mittel der Polemik, des Kampfes.
-     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und den dumpfen, geistlosen Mob.
-     * Die Aufklärer verachten die vor-rationalen Zeiten, halten alles prä 15. Jahrhundert für unbedeutend und auch nicht hinreichend sicher ergründbar. 
-     * apokalyptisches Geschichtsbild:
-       * Die Vergangenheit ist Abhängigkeit des Menschen: für Montesquieu ist die vergangene Geschichte der Menschen bestimmt durch die Naturgegebenheiten ihrer Umwelt; für Gibbon durch ihre Irrationalität und Barbarei. Hier ist kein Vorbild zu finden, alles ist wertlos. Wende dich angewidert ab.
-       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation/Selbstbestimmung der Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
-     * In ihrer Ahistorizität weiß die Aufklärung auch keine Erklärung für ihre eigene Herkunft: Sie erscheint aus dem Nichts und wirft die alte Welt um.
-     * Das Geschichtsbild der Aufklärung ist das christliche, nur oberflächlich invertiert.
-     * Und dennoch, so plump und unsensibel/unreflektiert die Aufklärung auch auftritt, so zerbricht sie doch alte Dogmen und forciert neue Perspektiven und Untersuchungsgegenstände; Netto-Gewinn.
-   * [*"The science of human nature"*]:
-     * Letztes Aufbäumen des antiken Substanzialismus: Die Geschichte ändert sich, die menschliche Natur aber ist ewig, seit Anbeginn unverändert und über den ganzen Planeten hinweg gleich.
-     * So wie wir die Probleme der Natur beseitigen, indem wir sie wissenschaftlich erschließen, können wir auch die Probleme des Menschen beseitigen, indem wir ihn wissenschaftlich erschließen.
-     * Collingwood hält gegen: Ein verändertes Selbstbild des Menschen verändert den Menschen. Es schabt nicht einfach nur alte Probleme ab; es schafft so auch neue.
- * [*"Part III: The Threshold of Scientific History"*]:
-   * [*"Romanticism"*]:
-     * Rousseau.
-     * Die Aufklärer glauben an den aufgeklärten Herrscher, der die für sich dumpfe Masse durch seine weise Politik erhebt. Die Romantiker glauben an den Volkswillen, der durch Volksbildung souverän werden muss.
-     * Der Volkswille formt die Gesellschaft, und den Volkswillen gab es schon immer. Wie entwickelt er sich, wie lernt er? Er hatte in jeder Epoche aus ihren Bedingungen seine Berechtigung. Ob nun also Antike oder Mittelalter: Jede dieser Epochen ist eine Betrachtung und Würdigung aus sich selbst heraus wert.
-     * Jede Epoche ist Teil eines großen historischen Entwicklungsprozesses und hat als solcher ihre Berechtigung und ihre Bedeutung für unser Heute. Keine verdient also Verachtung.
-     * Gelegentlich Tendenz zur Nostalgisierung des Vergangenen und dessen, was von der Weiterentwicklung überwunden wurde, wenn sich der Romantiker nicht zusammenreißt. Rousseau hat seine Verherrlichung des Wilden spätestens mit dem Gesellschaftsvertrag überwunden.
-   * [*"Herder"*]:
-     * "Ideen zur Philosophie der Menschheitsgeschichte" ein Kurzweil-de-Chardin-Narrativ der kosmischen Evolution von Intelligenz/Geist aus Natur/Materie, von der Bildung des Sonnensystems bis zur Entstehung des Menschen: der Mensch als rationaler Endpunkt der Naturgeschichte.
-     * Ab da dann rassistisches Narrativ: Die verschiedenen Menschenformen entwickeln je einen eigenen Charakter aufgrund der sie umgebenden Naturgegebenheiten. Dieser Charakter bleibt statisch und bestimmt die Gesellschaften/Zivilisationen, die sich die verschiedenen Menschenrassen bauen.
-     * Die Eigenheit der europäischen Rasse ist das Vermögen zur geschichtlichen Fortentwicklung ihrer Zivilisation; die Chinesen haben keine Geschichte, also keine sich anreichernde Veränderung ihrer gesellschaftlichen Vorhaben, sondern werden immer entlang der gleichen Orientierungslinien ihre Zivilisation bauen.
-     * Herders Rassenbild ist statisch/substanzialistisch, aber dafür bricht er den absoluten, einheitlichen Menschenbegriff der Aufklärung auf: Es gibt nicht mehr [/den/] Menschen und damit auch keinen natürlichen menschlichen Charakter mehr. Gesellschaftliche Lösungen mögen dem einen Menschentypus gerecht sein, dem anderen aber nicht. Es gibt keine klare Besser-oder-schlechter-Hierarchie mehr für das gesamte Menschengeschlecht.
-     * Rassenlehre-Begründung der Anthropologie.
-   * [*"Kant"*]:
-     * Kant antwortet Herder in "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht" aus der Tradition der Aufklärung heraus. Er nimmt die Romantiker-Idee der historischen Entwicklung und klopft sie gründlich ab. Er stellt fest: Es scheint Gesetzmäßigkeiten in der Menschheitsgeschichte zu geben, wobei diese sich nicht auf die Planung oder den Willen Einzelner zurückführen lassen. Das Bemühen, solche Gesetzmäßigkeiten herauszudestillieren, wäre ein nobles Unterfangen.
-     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Hingezogenworden zu einem bestimmten Ergebnis zu begreifen. Denkmodell und Metapher zur Erfassung von Regelmäßigkeiten und Ordnung: So kann man historische Gesetze genauso aufstellen wie Naturgesetze, die genaugenommen auch nichts Besseres sind.
-     * Kant betrachtet Geschichte als von außen beschaubaren und analysierbaren Naturgegenstand und übersieht damit die Verstrickung des Historikers in seinen Gegenstand: Er nimmt an der Geschichte Teil und seine Untersuchung und Modellierung formt sie überhaupt erst.
-     * Der Plan der Geschichte ist für Kant der der Befreiung des Menschen aus ihm äußeren (Natur-)Gesetzen: der der Befreiung, so dass der Mensch endlich moralisch werden, sich seine Handlungsvorgaben selbst bestimmen kann.
-     * Die Teleologie der Natur für ihre Schöpfungen ist die Realisierung von deren Eigenart. Die Eigenart des Menschen, sein geistig-kultureller Apparat, verwirklicht sich durch das Weiterreichen und Weiterentwickeln von Idee/Wissen/Kultur; im historischen Prozess entfaltet sich naturgemäß das Große des Menschen, über das einzelne Menschenleben hinweg.
-     * Für Kant ist die Triebkraft des historischen Prozesses weder die menschliche Weisheit, noch Gottes Wille, sondern blinde und antisoziale Leidenschaft: Stolz, Eifer, Gier. Aus deren entzweiender Kraft betreibt die Natur die Fortentwicklung der menschlichen Gesellschaft hin zu einem rationalen Utopia, wo diese niederen Eigenschaften sich selbst abschaffen. Hier wieder die aufklärerische Apokalypse zwischen irrationalem Gestern und rationalem Morgen, wenn auch mit mehr Verständnis für die Entwicklungslinien, die vom einen zum anderen führen.
-     * Kant differenziert zwischen dem historischen Wissen und seinem philosophischen Interpretieren. Er hätte gerne als historisches Projekt die Synthese der beiden und übersieht dabei, dass beide noch nie voneinander getrennt möglich waren.
-   * [*"Schiller"*]:
-     * "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Schiller, erfahren in historischer Arbeit, verbessert Kant: philosophische Universalgeschichte, schön und gut als Erklärungsmethode für die Gegenwart, aber eben nicht brauchbar als Zukunfts-Prophetie; und Erweiterung der historisch zu betrachtenden Gegenstände von politischen Institutionen auf Kultur, Wirtschaft usw. Romantischer Anklang: notwendige Einfühlung in die zu betrachtende Epoche.
-   * [*"Fichte"*]:
-     * "Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters": Untersuchung der Gegenwart als historischer Epoche -- und wie kam sie zustande?
-     * Geschichte entwickelt sich als logisches Spiel von Konzepten in These, Antithese und Synthese. Die ursprüngliche These schlägt in ihrer Verwirklichung zu ihrem Gegenteil, der Antithese um. (Aus der Anarchie wird die Diktatur.) Die Synthese stellt beides so auf den Kopf, dass es zusammenpasst. (Der Regierte wird selbstbestimmt, insoweit er gleichzeitig Regierender, also Mitbestimmender wird.)
-   * [*"Schelling"*]:
-     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. We are the universe trying to figure itself out. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden. (Hoffentlich ist das Hegel-Kapitel nicht noch komplizierter.)
-   * [*"Hegel"*]:
-     * Hegel fügt ein Best of Herder, Kant, Fichte und Schelling zu einem kohärenten System zusammen.
-     * Hegel verneint die Vergleichbarkeit der Natur mit der Geschichte. Natur sei zyklisch oder bloße chronologische Abfolge von Ereignissen, aber keine Entwicklung; er verneint Darwins Evolutions-Theorie, bevor dieser sie überhaupt verfasste. Geschichte dagegen ist Entwicklung aus Lern- und Erfahrungsprozess, nicht zyklisch sondern bestenfalls spiralförmig, d.h. es mag immer wieder Prozesse geben, die vorherigen ähneln, aber sie sind stets aus Erfahrung der vorherigen leicht anders und tendieren in eine langfristige Neuausrichtung. Collingwood verteidigt Hegel, insoweit Geschichte von Natur dadurch unterschieden sei, dass in erstere tatsächlich bewusste Ziele und Pläne einfließen, in letztere dagegen nicht.
-     * Hegel nennt den Gedanken, nicht das Ereignis, den Gegenstand der Geschichte. Der Nachvollzug politischer Motivationen, von Denksystemen, von Ideologien, und aus denen heraus die Ereignisse begreifen; denn jede historische Handlung, nicht erst die ab der Aufklärungs-Apokalypse, ist rational; sie ist es halt nur in Bezug auf andere Prämissen, Kenntnisstände, Weltanschauungen.
-     * Hegel räumt auch mit der Verachtung für die Leidenschaft als Gegensatz zur Rationalität auf. Sie ist ihm Werkzeug oder Brennstoff der Rationalität, mit der Rationalität in dynamischer Beziehung, anstatt ihre Negation.
-     * Geschichte ist eine Logik-Kette von Konzepten, die hinter den Ereignissen stehen. Nicht eine Logik zwischen den Ereignissen an sich, aber zwischen den Denkprozessen hinter den Handlungen, die die Ereignisse erzeugen.
-     * Dialektik: Die These begreift ihr Absolutes durch ihre Antithese und gelangt so, in Überwindung des Widerspruchs, zur Synthese. Gedanke/These konfrontiert mit / umgesetzt in Natur/Realität schlägt um zur Antithese; die Synthese ist die Verschmelzung des ersteren mit den Erkenntnissen / den identifizierten System-Vorgaben aus dem letzteren. Die These provoziert die Antithese, bis die gemeinsame Grundlage beider erkannt wird, was dann die Synthese erlaubt. (Usw. Ich werde die Dialektik vermutlich nie begreifen.)
-     * Geschichte endet heute. Geschichte endet immer im Heute, so Collingwood, denn das Heute ist die einzige Perspektive, aus der wir sie erzeugen können, der Blick in die Zukunft ist uns verbaut; das ist keine Verneinung der Möglichkeit einer Weiter-Entwicklung im Morgen.
-     * Hegels Historik triumphiert dort, wo sie tatsächlich nur den Gedanken zum Gegenstand hat: in Hegels Philosophie-Geschichte. Beim Rest stolpert sie. Collingwood sieht Hegels Problem nicht darin, dass dieser versucht habe, Geschichte in Rationalität / logische Abfolgen aufzulösen; sondern darin, dass die Punkte dieser Abfolgen sich auf einen engen Bereich politischer Ereignisse/Formen beschränkten, die also untereinander logisch einander bedingt haben sollen, anstatt ein breiteres Panorama von Wendungen menschlicher Kultur, Kunst, Wirtschaft usw. ins Auge zu nehmen, mit denen sich alles vielleicht weniger eindimensional, aber dennoch rational verwebe.
-   * [*"Hegel and Marx"*]:
-     * Hegels Jünger übernehmen die Rationalität der Geschichte, wenden sie aber verschieden oder erweitern das Set der Mitspieler. Marx übernimmt auch Hegels Eindimensionalität/Monokausalität, nur wendet er sie vom Politischen ins Ökonomische: Alle denkbaren Geschichten sind bei ihm nur Funktionen der Geschichte ökonomischer Ratio.
-     * Marx hebt die von Hegel erreichte (oder, so Collingwood, eher behauptete statt plausibel durchgesetzte) Trennung von Natur und Geschichte wieder auf; sein Geschichtsmodell ist wieder eines im Geistes des Naturalismus des 18. Jahrhunderts, der Geschichtsverlauf unterm Diktat eines Plans der Natur. Auch dialektischer Materialismus sei Materialismus, so Collingwood, wobei er leider nicht erläutert, was ihn denn vielleicht vom nicht-dialektischen Materialismus unterscheide.
-   * [*"Positivism"*]:
-     * All den metaphysischen Höhenflügen der Geschichtsphilosophen wirft sich der Positivismus entgegen, der mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit die reinen Fakten zu sammeln sucht. Ihm verdankt das 19. Jahrhundert sein eigentliches Volumen an Erzeugung historischen Wissens: Während Hegel & Co. wild rumspekulierten, wirft er Fleiß, Sorgfalt, Skepsis und Unmengen an Schrift-und-Archäologie-Material. Statt Kantscher Universalgeschichte mikroskopische Spezialisierung.
-     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Methodik zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
-     * Darwin macht die Idee einer sich entwickelnden Natur (im Gegensatz zu einer statischen, wie sie noch Hegel pflegt) salonfähig durch sein Konzept der "natürlichen Auslese"; strenggenommen ist nicht die Idee der Evolution selbst, sondern dass sie sich auf diese Weise abspiele, Darwins' Erkenntnis-Verdienst, wie Vorformulierungen des Evolutionsgedanken z.B. bei Herder zeigen. Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem selben Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
-     * Geschichtswissenschaft hat inzwischen ansehnliche kritische Methoden entwickelt: Philologie/Textkritik, Zergliedern von Texten in Passagen und Inhaltsstufen unterschiedlicher Glaubwürdigkeit, aus Texten andere Informationen ziehen als dem Autor bewusst waren. Eigene kritische Methodik entwickelt, statt bloße Übernahme naturwissenschaftlicher a la Comte. Akademisches Selbstbewusstsein wächst.
-     * Positivistische Geschichtsschreibung verheddert sich in Faktennähe: Es kann nur noch das Detail beschrieben, aber kein Zusammenhang über das Detail hinaus geschlossen werden. Nur noch engste Monographien möglich, alles Breitere ersäuft in Atomisierung des Wissens. Wertungen werden unmöglich.
-     * Problematischer Faktenbegriff der positivistischen Geschichtswissenschaft. Die Naturwissenschaft hat eine klare Falsifizierbarkeit in der Wiederholbarkeit von Experimenten. Die Geschichtswissenschaft dagegen kann nicht einfach etwas als Fakt hinnehmen, wovon es nur eine endliche Menge an Zeugenberichten undefinierter Glaubwürdigkeit gibt. Die positivistische Historik krankt am Mangel einer Theorie historischen Wissens / der Möglichkeiten historischen Wissens.
- * [*"Part IV: Scientific History"*]:
-   * [*"England"*]:
-     * [*"Bradley"*]:
-       * Ende des 19. Jahrhunderts Kritik an der positivistischen Historik, an der Naturwissenschaftlichkeit ihrer Methoden, als sei das die einzige legitime Art des Wissens.
-       * Bradley: "The Presuppositions of Critical History" Wenn ich historische Behauptungen wie die in der Bibel nach ihrem Wahrheitsgehalt abwäge, auf welche Weise geschieht das? Ich gleiche das, was ich lese, mit meinem eigenen Wissen, meiner eigenen Weltanschauung ab; so verteile ich Plausibilität. Ich halte Zeugenberichte für glaubwürdig, soweit ich den Zeugen den meinen ähnliche Kriterien für Plausibilität des Berichteten unterstelle. Berichte allerdings von Menschen aus ganz anderen Zeiten mit ganz anderen Wirklichkeitsbegriffen und Weltanschauungen verlieren dann für mich jede Glaubwürdigkeit. Mir bleibt nur meine Realität als Schablone für die Vergangenheit; insofern kann ich eigentlich gar nichts als Fakt identifizieren, was aus einer anderen Epoche stammt. (Ich [/glaube/], das ist es, worum es geht. Ich habe das Argument nur halb verstanden.)
-       * Diverse weiterführende metaphysiche Erörterungen Collingwoods gehen ganz an mir vorbei.
-     * [*"Bradley's successors"*]:
-       * Offenbar beantwortete die englische Tradition nach Bradley die Frage nach der Möglichkeit des historischen Wissens gar nicht oder nur negativ. Wo nur naturwissenschaftliches Wissen wissen ist, gibt es kein historisches Wissen.
-     * [*"Late nineteenth-century historiography"*]:
-       * Ansonsten keine weitere Philosophie des Historischen, nur gelegentlich ein bisschen zeitgenössische Ideologie des industriell-reformistischen Fortschritts: Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser (nach materialistisch-konsumistischen Kriterien) wird das Leben. Dann aber auch wieder große Ausnüchterung, Verdammung jeder Wertung in der Geschichtsschreibung überhaupt: Nur objektive Fakten, bitte, aber akademisch breit aufgestellt.
-     * [*"Bury"*]:
-       * Um die Jahrhundertwende versucht Bury, der Geschichte wieder die Würde einer eigenen Denkweise zurückzugeben, scheitert laut Collingwood aber auf traurige Weise. Er versuche, Geschichte als eigenständige Wissensform neben der naturwissenschaftlichen aufzubauen, werde aber immer wieder von positivistischen Prämissen eingeholt. Er erkenne der Geschichte das Auftreten sich wiederholender Muster zu, reißt diese aber sogleich wieder ein, indem er eine Kontingenz des Zufalls entdeckt, die jede Mustererkennung zerstöre. Am Ende verbleibt Geschichte als die unverbindbare Ansammlung von Fakten des Positivismus.
-     * [*"Oakeshott"*]:
-       * 1933. Dessen Anti-Positivismus bringt Collingwood große Sympathie entgegen. Oakeshott befreit Geschichte vom Dilemma der Feststellbarkeit der Vergangenheit. Für ihn ist Geschichte einfach nur eine Art, die Gegenwart zu erfahren, modelliert über die Idee einer Vergangenheit; was tatsächlich in der Vergangenheit geschehen sei, ist in letzter Konsequenz eine leere Frage. Genauso wie die Naturwissenschaft ist Geschichte einfach nur ein möglicher perspektivischer Fixierpunkt auf die Welt, nicht mehr oder weniger berechtigt als jeder andere denkbare (das stört Collingwood ein bisschen, er hätte Geschichte schon gerne privilegiert). Sie muss sich darum auch nicht der naturwissenschaftlichen Perspektive und ihren Methoden einpassen; ihre Objektivität ist die der Perspektiven-Gesamtheit der Historiker, nicht die des wiederholbaren Experiments. Wir können nur die Gegenwart wissen und vielleicht über ein Vergangenheitsmodell begreifen, eine beweisbare Wirklichkeit wird Vergangenheit aber nie haben. (So habe ich es verstanden, beweist mich anders!)
-     * [*"Toynbee"*]:
-       * Toynbees "Study of History" kritisiert Collingwood in ihren positivistischen Ansätzen: vor allem, wie sie ihren Gegenstand, den historischen Prozess, vorgeblich objektiv und sauber in miteinander in Beziehung setzbare Formen zerkleinere, ohne ihr Ineinanderfließen und ihre Abhängigkeit vom Historiker anzuerkennen. Zugleich ist aber in der Schilderung einige Bewunderung Collingwoods spürbar, denn hier hat Positivismus offenbar endlich mal das Zerfasern im Fakten-Detaillismus überwunden und sich an nichts Geringerem versucht als einer Universalgeschichte der Menschheit und den Logiken, die sie zu leiten scheint.
-   * [*"Germany"*]:
-     * [*"Windelband"*]:
-       * Die deutsche Tradition in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessiert sich sehr viel stärker als die englische für die Theorie vom geschichtlichen Wissen. Sie trennt klar zwischen positivistischer Wissenschaft und Geschichte. Windelband sieht die Aufgabe ersterer in der Formulierung von Gesetzmäßigkeit und die letzterer in der Beschreibung einzelner Fakten; beides nennt er Wissenschaft, aber Collingwood macht ihn dafür (unter Schützenhilfe Schopenhauers) nieder: Windelband entwickle kein befriedigendes Kriterium, nach dem Geschichte Wissen oder Wissenschaft genannt werden könne.
-     * [*"Rickert"*]:
-       * Rickert, Jahrhundertwende, versucht sich an einer weiteren Systematisierung der Gegensätze Natur und Geschichte, Gesetzmäßigkeit und Einzelfakt. Er entwertet die Naturwissenschaft: Sie sei nur Abstraktionsgespann über Einzelfakten, die Einzelfakten an sich, also die Geschichte, sei das eigentliche Wissen. Auch das befriedigt Collingwood nicht: Überhaupt das Augenmerk auf vermeintlich klar isolierbare Einzelfakten statt deren Verbindungen zueinander zu legen, ist für ihn bereits Positivismus.
-     * [*"Simmel"*]:
-       * Simmel sagt klipp und klar, dass der naturwissenschaftliche Fakt nicht der selben Sorte sein kann wie der historische: denn die Vergangenheit ist nicht mehr hinreichend überprüfbar. Sie ist nur das, was der Historiker in seinem Kopf aus Quellen rekonstruiert, ohne vergleichbaren Wahrheitsanspruch. Collingwood stört, dass Simmel dem historischen Wissen so keinen Eigenwert lässt und die Vergangenheit als tot und der Gegenwart unverbunden abhakt.
-     * [*"Dilthey"*]:
-       * Historisches Wissen ist das Sich-hinein-Versetzen in die früheren Individuen und dann, aus dieser Position, der Versuch, sich zu verstehen. Collingwood bringt hier im Wesentlichen die selben Beschwerden wie bei Simmel. So eine Subjektive kann doch kein Wissen sein! Außerdem sei das Psychologie, und Psychologie sei schon wieder eine positivistische Naturwissenschaft (da werden sich die Psychologen aber freuen; Collingwood schimpft inzwischen einfach alles Positivismus, was er nicht leiden kann).
-     * [*"Meyer"*]:
-       * Ach, so langsam geht mir Collingwoods Tendenz auf die Nerven, Autoren in Annäherung an seine Gegenwart immer stärker nur noch nach der Einpassbarkeit in seine noch gar nicht näher ausgeführten, aber ständig stichwortartig (und Phrasenwiederholungs-reich) Theorie- und Wertgebilde zu dulden. Sehr monoton, das war fünfzig Seiten früher noch anders.
-     * [*"Spengler"*]:
-       * Spengler behauptet Naturgesetze statt Geschichte und ganz auf ihre Eigenheiten voneinander isolierte Kulturen; und biegt geschichtliches Wissen auf Ach und Krach darauf hin, damit es in seine Erzählung passt. Collingwood speiht Verachtung und schimpft es wieder Positivismus.
-   * [*"France"*]:
-     * [*"Ravaisson's spiritualism"*]:
-       * Für Collingwood ist Naturwissenschaft die Metaphysik der Kausalität. "Everything is what it is because it is determined by something else." (p. 184) Dem will er gerne was entgegensetzen.
-     * [*"Lachelier's idealism"*]:
-       * Collingwood mag keinen Positivismus und keine Kausalität, aber er mag Rationalität. Der Geist, der für ihn irgendwie alles mit Freiheit erfüllen soll, und jetzt sucht er ihn.
-     * [*"Bergson's evolutionism"*]:
-       * Zeit verstreicht im Bewusstsein als eine Abfolge nicht von Zuständen, die voneinander diskret getrennt sind, sondern die ineinander überfließen. Die Vergangenheit ist in der Gegenwart enthalten, ihr nicht äußern, nicht von ihr getrennt. Die naturwissenschaftliche Methode dagegen zergliedert die Welt diskret und macht das eine dem anderen äußerlich; sie ist unnatürlich. Wir gehen nur deshalb so vor, weil es uns die Welt beherrschbar macht.
-     * [*"Modern French historiography"*]:
-       * Die Franzosen sind sehr gut darin, sich als Teil der Geschichte zu begreifen und in ihren Historiographien souverän in diese hinein zu fließen. Leider fehlt ihnen aber dabei die Faktensorgfalt der objektifizierenden Deutschen.
-   * [*"Italy"*]: 
-     * [*"Croce's essay of 1893"*]:
-       * Geschichte ist gar keine Wissenschaft; Geschichte ist eine Untermenge der Kunst. Kunst versucht, das Mögliche zu zeichnen; Geschichte versucht das zu zeichnen, was passiert ist, und damit eine Untermenge des Möglichen. Befreit Geschichte locker von den Dogmen der positivistischen Naturwissenschaft; lässt aber die Frage unbeantwortet, wie denn gewusst werden soll, was passiert ist. Der Kunst bleibt gemeinhin nur die Intuition als Quelle, und die ist keine sehr vertrauenswürdige Wahrheitsquelle.
-     * [*"Croce's second position: the 'Logic'"*]:
-       * Also brauchen wir mehr als die Intuition: Wir brauchen für die Geschichte die Rationalität, das Denken. Und es gibt kein geschichtliches Denken, das nicht sowohl den Einzelfall als auch das Allgemeine enthält. Man kann kein Allgemeines feststellen ohne Einzelfälle, und man kann kein Einzelnes beschreiben ohne allgemeine Kategorien.
-     * [*"History and philosophy"*]:
-       * Nicht Geschichte ist eine Hilfswissenschaft der Philosophie, sondern umgekehrt. Es gibt keine Wirklichkeit, die nicht bereits Geschichte ist, wenn sie philosophisch analysiert wird. Philosophie liefert die allgemeinen Kategorien, mit denen die einzelnen Ereignisse der Geschichte beschrieben werden können.
-     * [*"History and nature"*]:
-       * Auch Natur ist nur als Geschichte greifbar. Alles was man an Naturgesetzen zu wissen meint, sind Fiktionen, die man Einzelereignissen der Geschichte auferlegt. Aus dieser Geschichte etwas herauszunehmen und es positivistisch zergliedern, gut, das mag Wissenschaft sein, aber das interessiert Collingwood nicht. Er möchte, wie Croce, Geschichte, und die kann nur das sein, wo man sich in einen vergangenen Geist hineindenken, hineinversetzen kann, weshalb Geschichte nur die Erkenntnis vergangener geistiger Vorgänge sein kann. Collingwood war schon die vergangenen Kapitel ziemlich besessen von diesem Sich-in-Köpfe-der-Vergangenheit-hiein-versetzen.
-     * [*"Croce's final view: the autonomy of history"*]:
-       * Die Wissenschaft muss das Primat der Geschichte akzeptieren, denn Geschichte gibt ihr das Futter, nicht umgekehrt. Jeder Fakt ist nichts weiter als Geschichte.
-       * Jede Erfahrung ist Geschichte. Geschichte ist die Selbsterkenntnis des Geistes. Geschichte existiert nur im Kopf des Historikers.
-       * Wovon wir kein Zeugnis haben, um unseren Geist zu stimulieren, das kann keine Geschichte sein.
-       * "Chronicle, then, is the past as merely believed upon testimony but not historically known." (p. 202) Und um historisch gewusst zu sein, muss sie durch Durchlebbarkeit beseelt werden. Diese Beseeltheit von Geschichte, dass man sich in sie hinein versetzen müssen könne, ständig bei Collingwood.
+ *] [*"Editor's Preface"*]:
+   *] Der Herausgeber redet ziemlich freimütig davon, was er aus dieser posthumen Veröffentlichung alles nach eigenem Urteil heraus weggelassen hat.
+   *] Ideenbiografie Collingwoods, ein in der Schilderung des Herausgebers undurchschaubares Hin und Her in den Verhältnissen von Philosophie, Skeptizismus und Geschichte.
+   *] Das Befinden über ein vergangenes "richtig" oder "falsch" ist kein Gegenstand der Geschichte. Wir zählen nur die Lösungen, nicht die Nichtlösungen, denn nur aus den Lösungen kann man ein Problem herleiten. (Schon deshalb wird Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben?)
+ *] [*"Introduction"*]:
+   *] [*"The Philosophy of History"*]:
+     *] Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide / ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
+     *] Die Philosophie der Geschichte ist folglich das Nachdenken über die Möglichkeit des historischen Wissens, das Nachdenken über das Verhältnis von Vergangenheits-"Wissen" zur Vergangenheit.
+     *] In einer Epoche ist immer das philosophische Thema groß, das als Problem empfunden wurde. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt Geschichte als Problem hervor, das einen kritischen Ansatz benötigt. Erst seitdem also gibt es eine Philosophie der Geschichte.
+     *] "The past, consisting of particular events in space and time, which are no longer happening, cannot be apprehended by mathematical thinking, because mathematical thinking apprehends objects that have no special location in space and time, and it is just that lack of peculiar spatio-temporal location that makes them knowable. [...] Nor by scientific thinking, because the truths which science discovers are known to be true by being found through observation and experiment exemplified in what we actually perceive, whereas the past has vanished and our ideas about it can never be verified as we verify our scientific hypotheses." (p. 5) Mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen über die Vergangenheit sind deshalb nicht möglich.
+   *] [*"History's nature, object, method and value"*]:
+     *] Historiker kann man sich nicht aufgrund von Schulbildung nennen; was in den Schulbüchern steht, ist immer nur die Dogmatisierung von längst überholten Wissensständen und -methoden, eingepaukt mit der Illusion der Gewissheit; also das Gegenteil der Geschichtswissenschaft.
+     *] Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie kein überprüfbares Wissen über die Vergangenheit erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie eben das versucht: eine anerkannte Unwissenheit durch kritische Suche zu erhellen.
+     *] Gegenstand der Geschichte sind menschliche Handlungen der Vergangenheit.
+     *] Methode der Geschichte ist die rationale Beweisführung, die Interpretation von Dokumenten / "evidence".
+     *] Ziel der Geschichte ist das Selbstverständnis des Menschen.
+   *] [*"The problem of Parts I-IV"*]:
+     *] Der eben behauptete Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern, die die Geschicke der Menschen lenkten. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
+ *] [*"Part I: Grego-Roman Historiography"*]:
+   *] [*"Theocratic history and myth"*]:
+     *] Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest noch quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der Zeit, die wir unsere Vierte Dimension nennen.
+     *] Diese Geschichten sind stets Aussage und Wahrheitsanspruch, nie erfragtes, erarbeitetes Wissen.
+     *] Diese beiden Geschichtsformen dominieren den Mittelmeerraum, bis dann die Alten Griechen.
+     *] Bis zu den Hebräern sind Götter Schutzherren einzelner Stämme, Städte, Kulturen. Ab den israelischen Propheten universalisieren sie sich; "one might almost say that the peculiarity of the Hebrew legend as compared with the Babylonian is that it replaces theogony by ethnogony" (p. 17).
+   *] [*"The creation of scientific history by Herodotus"*]:
+     *] Zu Herodot wird Geschichte erstmals untersuchbar, datierbar und humanistisch; auch wenn die Legende noch immer eine tragende Rolle spielt. "Historia" ist die Erkundigung nach Taten von Menschen und den Motivationen dahinter. Hier bäumt sich der Mensch als Protagonist gegen die Götter auf.
+     *] Thukydides beansprucht Überprüfung geschichtlichen Wissens und bekennt die mangelhafte Wissbarkeit entfernterer Vergangenheit.
+   *] [*"Anti-historical tendency of Greek thought"*]:
+     *] Für die Alten Griechen konnte nur das ernsthaft gewusst werden, was ewig/beständig/absolut/universell war. Das Zucken sich verändernder kurzweiliger Zustände, wie es die "historia" erfasst, konnte also kein Gegenstand ernsthaften Wissens, keine Demonstration, keine tiefere Erkenntnis sein.
+   *] [*"Greek conception of history's nature and value"*]:
+     *] Die Griechen lebten in turbulenten Zeiten, Wandel war (anders als zeitlich in China oder später im europäischen Mittelalter) Alltag, seine Betrachtung und Aufzeichnung also naheliegender Gegenstand des Interesses: Verarbeitung des Tumults der Zeit durch Versuche der Mustererkennung, und daraus Herleitung von Verhaltense-Empfehlungen.
+     *] "There is no theory of causation; the thought does not resemble that of seventeenth-century inductive science with its metaphysical basis in the axiom of cause and effect; the riches of Croesus are not the cause of his downfall, they are merely a symptom, to the intelligent observer, that something is happening in the rhythm of his life which is likely to lead to a downfall." (p. 23)
+     *] Geschichte war nicht vorherbestimmt; der Einzelne konnte sich seinem Schicksal entgegenstellen durch Klugheit und Informiertheit in seinen Entscheidungen. Geschichte als Erfahrungsschatz.
+   *] [*"Greek historical method and its limitations"*]:
+     *] Ihre historische Methode war die des kritischen Verhörs greifbarer Augenzeugen. Die beschränkt den Blick auf die nächste und lokale Vergangenheit; das griechische Interesse für die zeitlich oder räumlich ferne Vergangenheit war gering; "the historian was only the autobiographer of his generation" vs "[t]he modern historian knows that if only he had the capacity he could become the interpreter of the whole past of mankind" (p. 26-27).
+     *] Die Geschichte einer Epoche ließ sich nur ein einziges Mal schreiben, von ihren Angehörigen. Ist das Kreuzverhör von Augenzeugen die einzige verfügbare kritische Methode, wird keine Zukunft die Erkenntnis dieser Periode über die Niederschrift durch Zeitgenossen hinaus vertiefen können.
+   *] [*"Herodotus and Thucydides"*]:
+     *] Herodot und Thukydides aber waren einsame historische Inseln; ihr Interesse für den Trubel menschlicher Handlungen der näheren Vergangenheit unterlag der sich verhärtenden antihistorischen Tendenz ihrer Landsleute.
+     *] Bereits Thukydides gibt nach; wo Herodot noch Ereignisse um ihrer selbst Willen protokollieren wollte, ist Thukydides bereits anzumerken, dass er sich nur noch für sie als Instanzen zu ergründender universeller psychologischer/ethischer Regeln interessiert. Was er an Reden seinen Figuren in den Mund legt, ist offenkundig seine eigene Erfindung, statt Ergebnis von Recherche.
+   *] [*"The Hellenistic period"*]:
+     *] Die griechische Geschichtsschreibung des fünften Jahrhunderts ist isolationistische Nabelschau der kleinen Nähe. Post Alexander ist die Geschichtsschreibung des Hellenismus naturgemäß eine expansive und integrative. Geschichte wird jetzt über große räumliche und zeitliche Fernen gesammelt; naturgemäß muss hierfür der Flaschenhals des eigenen Verhörs von Augenzeugen verlassen werden. Stattdessen: "Patchwork"-History aus den Texten anderer Historiker. Verlässlichkeit von Geschichte muss so notgedrungen auf das Vertrauen in Historiker-Autoritäten setzen, die vor Ort Augenzeugenberichte sammelten, die vom Kompilierer nicht mehr überprüfbar sind.
+     *] "Jut as the past achievements of great artists gave people a sense that artistic styles other than that of their own day were valuable, so that a generation of literary and artistic scholars and dilettanti arose for whom the preservation and enjoyment of classical art was an end in itself, so therearose historians of a new type who could feel themselves imaginatively as contemporaries of Herodotus and Thucydides while yet remaining men of their own time and able to compare their own times with the past. This past the Hellenistic historians could feel as their own past, and thus it became possible to write a new kind of history with a dramatic unity of any size, so long as the historian could collect materials for it and could weld them into a single story." (p. 33)
+   *] [*"Polybius"*]:
+     *] Die Römer, im Gegensatz zu den Griechen, glaubten nicht an den Wandel, sondern an die Kontinuität, an die Tradition, an die Institution. "The Romans, acutely conscious of their own continuity with their past, were careful to preserve memorials of that past: they not only kept their ancestral portraits in the house, as a visible symbol of the continuing and watchful presence of their forefathers directing their own life, but they preserved ancient traditions of their own corporate history to an extent unknown to the Greeks." (p. 34)
+     *] Geburt nationalistischer Geschichtsschreibung, auch wenn die Genese der Nation noch ins Mythische ausgeblendet wird; sie ist bei Polybius ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem erst historisches Festhalten möglich ist, bereits [/ready-made/] da.
+     *] Auch für Polybius ist Geschichte keine Wissenschaft, sondern ein Erfahrungsschatz. Er dient aber nicht mehr als Anleitung für eigenes politisches Handeln, sondern demonstriert die Gewalt wechselhaften Schicksals über die Einzelnen; Geschichte, sobald sie als etwas Großes außerhalb der Reichweite eines einzelnen Willen und Bewusstseins begriffen wird, kann vom Einzelnen nicht gestaltet, muss von ihm ertragen, akzeptiert werden. Er ziehe aus ihr Material für stoische Reflektion.
+   *] [*"Livy and Tacitus"*]:
+     *] Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend [/ab urbe condita/], aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit gelegentlichem Eingeständnis von Unsicherheiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
+     *] Anstatt ihn weiterzuentwickeln, institutionalisierte, traditionalisierte und versteinerte Rom den Hellenismus. Kein wissenschaftlicher oder kultureller Fortschritt; Collingwood gönnt als einzigen neuen Input ein bisschen keltische Kunstfertigkeit und den Neoplatonismus.
+     *] Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch und empathiefrei zurechtgestutzter Charaktere.
+     *] Bei Tacitus stoische Logik von der Würde des Einzelnen abgetrennt von seinem historischen Kontext. Der Held oder Bösewicht handelt so aus seinem Inneren heraus, nicht weil die Ereignisse ihn bestimmen würden.
+     *] Spätestens mit den Römern ist Geschichtsschreibung als kritische Methode und Reflektion auf dem absteigenden Ast.
+   *] [*"Character of Greco-Roman historiography: (i) Humanism"*]:
+     *] Unbestreitbarer Verdienst der griechisch-römischen Geschichtsschreibung: die Verbannung der Götter.
+     *] Stattdessen: Obsession mit individueller Personifizierung historischer Prozesse: die Helden und Schurken. Geschichte als das Ergebnis freier, moralischer menschlicher Entscheidungen. Der Einzelne als völlig frei und selbstbestimmt in seinem Willen (Stoizismus), historische Prozesse gelenkt von klaren Zielen und Stoßrichtungen.
+   *] [*"Character of Greco-Roman historiography: (ii) Substantialism"*]:
+     *] Für Herodot gehen die Ereignisse vor, für alle antiken Historiker nach ihm die Prinzipien, die hinter diesen Ereignissen vermutet werden und denen ihre Beschreibung notfalls angepasst werden muss.
+     *] Diese Prinzipien sind stets statisch und universell; das Ereignis ist ihnen nur eine profane, untergeordnete Instanz. Es gibt keinen Raum für Entwicklung; alles war schon immer so, im Zweifelsfall halt versteckterweise.
+     *] Rom ist die Ewige Stadt, denn Rom war nie anders, als Livius oder Tacitus es aus ihrer Gegenwart kannten. Rom ist Subjekt, nicht Objekt historischer Vorgänge.
+     *] All das ist in der antiken Faszination für die universale und ewigwährende Substanz begründet, der die erfahrbaren Gegenstände und Veränderungen der Gegenwart nur rhythmisches Zucken sind.
+ *] [*"Part II: The Influence of Christianity"*]
+   *] [*"The leaven of Christian ideas"*]:
+     *] Menschenbildumkehr: Der Mensch ist von Grund auf, unausweichlich bedrängt von seiner Erbsünde, unfähig zu Selbststeuerung und Durchblick, wie sie ihm der Stoizismus abverlangte. Ab jetzt macht wieder ein Gott die Leitentscheidungen.
+     *] Nur Gott ist noch des Ewigwährende und Universale, alles Andere seine durch ihn jederzeit veränderbare Schöpfung. Gott wiederum ist unbegreifbar, also ist das Ewigwährende und Universale nicht Gegenstand des Begreifens; diese Substanzform wird immer weiter ins heilige Abseits gedrängt, während immer mehr das Veränderliche Gegenstand des Begreifens wird.
+     *] Die Motivation des christlichen Gottes steht hinter allem, wird aber auch immer ungreifbarer. Das unterscheidet die christliche Historiographie von der früheren mythischen. Es gibt keinen einfach erfass- oder ausdrückbaren Willen mehr hinter jedem historischen Ergebnis, weder göttlich, noch -- wie vorher bei den Römern -- menschlich.
+     *] Gottes Wille wird verwirklicht durch das Zusammenspiel der individuellen Getriebenheiten/Willen aller Einzelnen. (Klingt verdächtig nach Adam Smith.) Die gesamte Menschheit ist Teil dieses historischen Marktes, nicht nur ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Nation.
+   *] [*"Characteristics of Christian historiography"*]:
+     *] Christliche Geschichtsschreibung ist:
+       *] universalistisch statt partikularistisch: umfasst die gesamte Menschheit, in einem gemeinsamen Zeitstrahl, von ihrer Schöpfung an; chronologische Vereinheitlichung
+       *] providenzialistisch/teleologisch: alles emergiert auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
+       *] apokalyptisch: die Geschichte hat als Höhepunkt (und NothingIsTheSameAnymore) die Offenbarung (den Propheten Jesus Christus), und ist hier in ein sich vorbereitendes und zum Höhepunkt zuspitzendes Vorher und ein erleuchtetes Nachher geteilt (vgl. Renaissance, Aufkärung, Singularität)
+       *] periodisch: weitere Unterteilungen in beiden Teilen entlang wichtiger, "epochaler" göttlicher Umgestaltungen; Geschichte als Abfolge von Epochen
+     *] "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians." (p. 52)
+   *] [*"Medieval historiography"*]:
+     *] Update der Ideologie, aber nicht der verfügbaren Methodik; die bleibt auf dem Stand der Römer und wird noch abgeschwächt durch völlige Unterordnung und Reduzierung des Gegenstandes auf das, was ins neue theologische Geschichtsbild passt.
+     *] Der Wille der Geschichte (des Großen Plans) ist für ihre Teilnehmer unaufhaltsam, kein noch so großer Mann kann ihn überwältigen: Jede seiner Taten ist, ob erkannt oder unerkannt, bereits Teil von Gottes Plan. Wer sich gegen die Geschichte zu stellen versucht, kann höchstens eines gewinnen: das Höllenfeuer.
+     *] "Thus medieval historiography looked forward to the end of history as something foreordained by God and through revelation foreknown to man" (p. 54); Kritik der Eschatologie, easy übertragbar auf Kurzweil-Singularitarianismus. Transzendente Eschatologie, verlässt die Studie der Handlungen von Menschen, denn die Handlungen von Menschen sind ja nur Funktion des Großen Plans, und studiert werden soll letzteres, nicht ersteres.
+     *] "What has happened here is that the pendulum of thought has swung from an abstract and one-sided humanism in Greco-Roman historiography to an equally abstract and one-sided theocentric view in medieval." Desinteresse für die Handlungen der Menschen, die eh nichts bewirken und die dann auch gar nicht mehr allzu eifrig recherchiert oder aufgezeichnet zu werden brauchen.
+     *] Kein Naserümpfen: Auch heute wieder sind wir mehr am ideologischen Interpretieren von Geschichte interessiert als am Sammeln von Fakten. Parallelen zur mittelalterlichen Historiographie: Geschichte als Funktion von Theorie, nicht umgekehrt. Am Horizont: Postmodernes Desinteresse an der harten Wahrheit.
+   *] [*"The Renaissance historians"*]:
+     *] Die Renaissance führt wieder den Humanismus ein; der Mensch, den sie in den Mittelpunkt stellt, ist aber ein christliches Bild: der Leidenschafts- statt Intellekt-Geleitete.
+     *] Befreiung vom Korsett des Großen Plans: Historia darf wieder Fakten um ihrer selbst Willen aufzeichnen/erinnern. Neue Methoden hierfür, analog der sich langsam herausschälenden wissenschaftlichen Revolution (17. Jahrhundert)?
+   *] [*"Descartes"*]:
+     *] Kritik an der Geschichts-Kritik von Descartes. Für Descartes kann es kein wissenschaftliches Wissen von der Geschichte geben, sondern nur von so etwas wie Mathematik und Physik. Bei Geschichte sei kein hinreichend standfestes kritisches Instrumentarium möglich; ihr Gegenstand, die Vergangenheit, nicht mit wissenschaftlicher Härte greifbar/beweisbar.
+   *] [*"Cartesian historiography"*]:
+     *] Jemand wie Descartes provoziert so eine neue kritische Methodik der Historiographie, die den Weg zur Geschichtswissenschaft öffnet: Autoritäten anzweifeln, Quellen vergleichen, Text mit überprüfbaren Beweisen abgleichen (Archäologie?); die Genese von Traditionen erforschen und sie als Einflussfaktor in das Verstehen und Interpretieren von Quellen einfließen lassen.
+     *] Leibniz startet die Geschichte der Philosophie bzw. philosophischer Traditionen und Emergenzen.
+   *] [*"Anti-Cartesianism: (i) Vico"*]:
+     *] Kritik an Descartes' Wissens-Begriff, an der Idee, dass Mathematik und Physik irgendwie als absolutes Wissen privilegiert, statt auch nur sehr erfolgreiche menschliche Ideen seien. Mathematik und Physik beweisen die Existenz der äußeren Welt genauso wenig, wie Geschichte die Existenz der Vergangenheit beweist. Dem Historiker geht es weniger um den Beweis, die Vergangenheit habe existiert, als darum, die Gegenwart aus Thesen über die Vergangenheit zu erklären.
+     *] Vico parallelisiert geschichtliche Epochen: die Ähnlichkeit des europäischen Mittelalters mit Homers Griechenland. Allgemeine Perioden-Entwicklungs-Modelle, aber nicht strikt zyklisch und vorhersagend, sondern spiralförmig und ergebnisoffen. Modelle zur Erzeugung von Arbeits-Hypothesen zum Ausfüllen von Lücken, bis eine bessere Lösung da ist.
+     *] Kritik an wertenden Vorurteilen über Epochen oder Nationen als Grundlage von deren Analyse.
+     *] Kritik an Annahmen, historische Personen hätten in den selben Wert- und Wissens-Kategorien gedacht wie man selbst.
+     *] Kritik an zu einfachen Vererbungsthesen. Ein kulturelles Wissen wandert nicht einfach so vollständig und ungefiltert von einem Ort zum nächsten.
+     *] Kritik an der Autoritäten-Abhängigkeit: Man kann auch aus dem Heute neues Wissen über die Vergangenheit gewinnen, vorbei an der Autorität früherer Historiker; die waren an der Zeit vielleicht näher dran, hatten aber auch weniger Zugang zu der Vergangenheit, die außerhalb ihrer unmittelbaren Nähe lag.
+     *] Stattdessen Rekonstruktion der Vergangenheit: im Nachdenken über das Zustandekommen überlieferter Redewendungen und Traditionen. Spuren suchen und kritisch und vergleichend interpretieren. (Vorher gab es nur die Möglichkeit, eine Autorität eins zu eins beim Wort zu nehmen oder sie einen Lügner zu nennen.)
+   *] [*"Anti-Cartesianism: (i) Locke, Berkeley and Hume"*]:
+     *] Descartes' Idealismus angreifen. Es gibt keine Ideen aus sich selbst heraus, nur solche aus Anhäufungen von Erfahrungen, oft über Generationen hinweg, also historisch. Es gibt kein absolutes Wissen, nur ein vielleicht erstmal hinreichendes. Der Abgrund zwischen Idee und Ding ist für die Untersuchung der Entwicklung von Ideensystemen, wie sie die Historie versucht, irrelevant.
+     *] Theoretisieren über die Möglichkeiten historischen Wissens: Wie verläuft die Kommunikationsstrecke von Vergangenheit zur Erkenntnis des Historikers? Der Augenzeuge, sein Bericht, die Niederschrift, ihre Kopie, ihre Lektüre, das entsprechend bestimmter geglaubter Prämissen stärker oder schwächer begründete Vertrauen in sie. Dass dieser Grad von Wissen auch nicht niedriger steht als andere Wissensvorgänge. Siehe Hume, hier, zweiter Absatz, Caesar: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0024
+     *] Auch interessant, vierter Absatz: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0033 Sinkt die Verlässlichkeit eines historischen Berichts, je weiter die Vergangenheit entfernt ist, je länger die Kopien-Kette zu ihr reichen muss?
+     *] Die Geschichte war von Descartes als unwissenschaftlich gegenüber absoluten Wissensformen wie Mathematik und Physik in den Boden getreten worden. Hume erhebt relativ die Geschichte, indem er die Sicherheiten von Mathematik und Physik einreißt. Deren Arroganz macht sie angreifbar; Geschichte dagegen ist nicht so arrogant, beansprucht keine Absolutheit des Wissens, stürzt also auch nicht so hoch vom Sockel.
+   *] [*"The Enlightenment"*]:
+     *] Vico: Der Übergang von der Barbarei zur aufgeklärten Vernunft ist der von der Poesie zur Prosa; von der Kunst zur Philosophie; von der Erfindung zur Vernunft; die Religion ist eine Zwischenstufe.
+     *] Voltaire/Aufklärer: Religion ist Fehler oder Betrug einer hinterhältigen Priesterkaste Instrument zur Kontrolle der Massen. Mit Hass und Vorurteilen verbauen diese Aufklärer sich einen nüchternen und ergebnisoffenen Geschichtsblick. Sie haben auch gar kein Interesse daran; historische Arbeit ist ihnen nur ein weiteres Mittel der Polemik, des Kampfes.
+     *] Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und den dumpfen, geistlosen Mob.
+     *] Die Aufklärer verachten die vor-rationalen Zeiten, halten alles prä 15. Jahrhundert für unbedeutend und auch nicht hinreichend sicher ergründbar. 
+     *] apokalyptisches Geschichtsbild:
+       *] Die Vergangenheit ist Abhängigkeit des Menschen: für Montesquieu ist die vergangene Geschichte der Menschen bestimmt durch die Naturgegebenheiten ihrer Umwelt; für Gibbon durch ihre Irrationalität und Barbarei. Hier ist kein Vorbild zu finden, alles ist wertlos. Wende dich angewidert ab.
+       *] Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation/Selbstbestimmung der Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
+     *] In ihrer Ahistorizität weiß die Aufklärung auch keine Erklärung für ihre eigene Herkunft: Sie erscheint aus dem Nichts und wirft die alte Welt um.
+     *] Das Geschichtsbild der Aufklärung ist das christliche, nur oberflächlich invertiert.
+     *] Und dennoch, so plump und unsensibel/unreflektiert die Aufklärung auch auftritt, so zerbricht sie doch alte Dogmen und forciert neue Perspektiven und Untersuchungsgegenstände; Netto-Gewinn.
+   *] [*"The science of human nature"*]:
+     *] Letztes Aufbäumen des antiken Substanzialismus: Die Geschichte ändert sich, die menschliche Natur aber ist ewig, seit Anbeginn unverändert und über den ganzen Planeten hinweg gleich.
+     *] So wie wir die Probleme der Natur beseitigen, indem wir sie wissenschaftlich erschließen, können wir auch die Probleme des Menschen beseitigen, indem wir ihn wissenschaftlich erschließen.
+     *] Collingwood hält gegen: Ein verändertes Selbstbild des Menschen verändert den Menschen. Es schabt nicht einfach nur alte Probleme ab; es schafft so auch neue.
+ *] [*"Part III: The Threshold of Scientific History"*]:
+   *] [*"Romanticism"*]:
+     *] Rousseau.
+     *] Die Aufklärer glauben an den aufgeklärten Herrscher, der die für sich dumpfe Masse durch seine weise Politik erhebt. Die Romantiker glauben an den Volkswillen, der durch Volksbildung souverän werden muss.
+     *] Der Volkswille formt die Gesellschaft, und den Volkswillen gab es schon immer. Wie entwickelt er sich, wie lernt er? Er hatte in jeder Epoche aus ihren Bedingungen seine Berechtigung. Ob nun also Antike oder Mittelalter: Jede dieser Epochen ist eine Betrachtung und Würdigung aus sich selbst heraus wert.
+     *] Jede Epoche ist Teil eines großen historischen Entwicklungsprozesses und hat als solcher ihre Berechtigung und ihre Bedeutung für unser Heute. Keine verdient also Verachtung.
+     *] Gelegentlich Tendenz zur Nostalgisierung des Vergangenen und dessen, was von der Weiterentwicklung überwunden wurde, wenn sich der Romantiker nicht zusammenreißt. Rousseau hat seine Verherrlichung des Wilden spätestens mit dem Gesellschaftsvertrag überwunden.
+   *] [*"Herder"*]:
+     *] "Ideen zur Philosophie der Menschheitsgeschichte" ein Kurzweil-de-Chardin-Narrativ der kosmischen Evolution von Intelligenz/Geist aus Natur/Materie, von der Bildung des Sonnensystems bis zur Entstehung des Menschen: der Mensch als rationaler Endpunkt der Naturgeschichte.
+     *] Ab da dann rassistisches Narrativ: Die verschiedenen Menschenformen entwickeln je einen eigenen Charakter aufgrund der sie umgebenden Naturgegebenheiten. Dieser Charakter bleibt statisch und bestimmt die Gesellschaften/Zivilisationen, die sich die verschiedenen Menschenrassen bauen.
+     *] Die Eigenheit der europäischen Rasse ist das Vermögen zur geschichtlichen Fortentwicklung ihrer Zivilisation; die Chinesen haben keine Geschichte, also keine sich anreichernde Veränderung ihrer gesellschaftlichen Vorhaben, sondern werden immer entlang der gleichen Orientierungslinien ihre Zivilisation bauen.
+     *] Herders Rassenbild ist statisch/substanzialistisch, aber dafür bricht er den absoluten, einheitlichen Menschenbegriff der Aufklärung auf: Es gibt nicht mehr [/den/] Menschen und damit auch keinen natürlichen menschlichen Charakter mehr. Gesellschaftliche Lösungen mögen dem einen Menschentypus gerecht sein, dem anderen aber nicht. Es gibt keine klare Besser-oder-schlechter-Hierarchie mehr für das gesamte Menschengeschlecht.
+     *] Rassenlehre-Begründung der Anthropologie.
+   *] [*"Kant"*]:
+     *] Kant antwortet Herder in "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht" aus der Tradition der Aufklärung heraus. Er nimmt die Romantiker-Idee der historischen Entwicklung und klopft sie gründlich ab. Er stellt fest: Es scheint Gesetzmäßigkeiten in der Menschheitsgeschichte zu geben, wobei diese sich nicht auf die Planung oder den Willen Einzelner zurückführen lassen. Das Bemühen, solche Gesetzmäßigkeiten herauszudestillieren, wäre ein nobles Unterfangen.
+     *] Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Hingezogenworden zu einem bestimmten Ergebnis zu begreifen. Denkmodell und Metapher zur Erfassung von Regelmäßigkeiten und Ordnung: So kann man historische Gesetze genauso aufstellen wie Naturgesetze, die genaugenommen auch nichts Besseres sind.
+     *] Kant betrachtet Geschichte als von außen beschaubaren und analysierbaren Naturgegenstand und übersieht damit die Verstrickung des Historikers in seinen Gegenstand: Er nimmt an der Geschichte Teil und seine Untersuchung und Modellierung formt sie überhaupt erst.
+     *] Der Plan der Geschichte ist für Kant der der Befreiung des Menschen aus ihm äußeren (Natur-)Gesetzen: der der Befreiung, so dass der Mensch endlich moralisch werden, sich seine Handlungsvorgaben selbst bestimmen kann.
+     *] Die Teleologie der Natur für ihre Schöpfungen ist die Realisierung von deren Eigenart. Die Eigenart des Menschen, sein geistig-kultureller Apparat, verwirklicht sich durch das Weiterreichen und Weiterentwickeln von Idee/Wissen/Kultur; im historischen Prozess entfaltet sich naturgemäß das Große des Menschen, über das einzelne Menschenleben hinweg.
+     *] Für Kant ist die Triebkraft des historischen Prozesses weder die menschliche Weisheit, noch Gottes Wille, sondern blinde und antisoziale Leidenschaft: Stolz, Eifer, Gier. Aus deren entzweiender Kraft betreibt die Natur die Fortentwicklung der menschlichen Gesellschaft hin zu einem rationalen Utopia, wo diese niederen Eigenschaften sich selbst abschaffen. Hier wieder die aufklärerische Apokalypse zwischen irrationalem Gestern und rationalem Morgen, wenn auch mit mehr Verständnis für die Entwicklungslinien, die vom einen zum anderen führen.
+     *] Kant differenziert zwischen dem historischen Wissen und seinem philosophischen Interpretieren. Er hätte gerne als historisches Projekt die Synthese der beiden und übersieht dabei, dass beide noch nie voneinander getrennt möglich waren.
+   *] [*"Schiller"*]:
+     *] "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Schiller, erfahren in historischer Arbeit, verbessert Kant: philosophische Universalgeschichte, schön und gut als Erklärungsmethode für die Gegenwart, aber eben nicht brauchbar als Zukunfts-Prophetie; und Erweiterung der historisch zu betrachtenden Gegenstände von politischen Institutionen auf Kultur, Wirtschaft usw. Romantischer Anklang: notwendige Einfühlung in die zu betrachtende Epoche.
+   *] [*"Fichte"*]:
+     *] "Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters": Untersuchung der Gegenwart als historischer Epoche -- und wie kam sie zustande?
+     *] Geschichte entwickelt sich als logisches Spiel von Konzepten in These, Antithese und Synthese. Die ursprüngliche These schlägt in ihrer Verwirklichung zu ihrem Gegenteil, der Antithese um. (Aus der Anarchie wird die Diktatur.) Die Synthese stellt beides so auf den Kopf, dass es zusammenpasst. (Der Regierte wird selbstbestimmt, insoweit er gleichzeitig Regierender, also Mitbestimmender wird.)
+   *] [*"Schelling"*]:
+     *] Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. We are the universe trying to figure itself out. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden. (Hoffentlich ist das Hegel-Kapitel nicht noch komplizierter.)
+   *] [*"Hegel"*]:
+     *] Hegel fügt ein Best of Herder, Kant, Fichte und Schelling zu einem kohärenten System zusammen.
+     *] Hegel verneint die Vergleichbarkeit der Natur mit der Geschichte. Natur sei zyklisch oder bloße chronologische Abfolge von Ereignissen, aber keine Entwicklung; er verneint Darwins Evolutions-Theorie, bevor dieser sie überhaupt verfasste. Geschichte dagegen ist Entwicklung aus Lern- und Erfahrungsprozess, nicht zyklisch sondern bestenfalls spiralförmig, d.h. es mag immer wieder Prozesse geben, die vorherigen ähneln, aber sie sind stets aus Erfahrung der vorherigen leicht anders und tendieren in eine langfristige Neuausrichtung. Collingwood verteidigt Hegel, insoweit Geschichte von Natur dadurch unterschieden sei, dass in erstere tatsächlich bewusste Ziele und Pläne einfließen, in letztere dagegen nicht.
+     *] Hegel nennt den Gedanken, nicht das Ereignis, den Gegenstand der Geschichte. Der Nachvollzug politischer Motivationen, von Denksystemen, von Ideologien, und aus denen heraus die Ereignisse begreifen; denn jede historische Handlung, nicht erst die ab der Aufklärungs-Apokalypse, ist rational; sie ist es halt nur in Bezug auf andere Prämissen, Kenntnisstände, Weltanschauungen.
+     *] Hegel räumt auch mit der Verachtung für die Leidenschaft als Gegensatz zur Rationalität auf. Sie ist ihm Werkzeug oder Brennstoff der Rationalität, mit der Rationalität in dynamischer Beziehung, anstatt ihre Negation.
+     *] Geschichte ist eine Logik-Kette von Konzepten, die hinter den Ereignissen stehen. Nicht eine Logik zwischen den Ereignissen an sich, aber zwischen den Denkprozessen hinter den Handlungen, die die Ereignisse erzeugen.
+     *] Dialektik: Die These begreift ihr Absolutes durch ihre Antithese und gelangt so, in Überwindung des Widerspruchs, zur Synthese. Gedanke/These konfrontiert mit / umgesetzt in Natur/Realität schlägt um zur Antithese; die Synthese ist die Verschmelzung des ersteren mit den Erkenntnissen / den identifizierten System-Vorgaben aus dem letzteren. Die These provoziert die Antithese, bis die gemeinsame Grundlage beider erkannt wird, was dann die Synthese erlaubt. (Usw. Ich werde die Dialektik vermutlich nie begreifen.)
+     *] Geschichte endet heute. Geschichte endet immer im Heute, so Collingwood, denn das Heute ist die einzige Perspektive, aus der wir sie erzeugen können, der Blick in die Zukunft ist uns verbaut; das ist keine Verneinung der Möglichkeit einer Weiter-Entwicklung im Morgen.
+     *] Hegels Historik triumphiert dort, wo sie tatsächlich nur den Gedanken zum Gegenstand hat: in Hegels Philosophie-Geschichte. Beim Rest stolpert sie. Collingwood sieht Hegels Problem nicht darin, dass dieser versucht habe, Geschichte in Rationalität / logische Abfolgen aufzulösen; sondern darin, dass die Punkte dieser Abfolgen sich auf einen engen Bereich politischer Ereignisse/Formen beschränkten, die also untereinander logisch einander bedingt haben sollen, anstatt ein breiteres Panorama von Wendungen menschlicher Kultur, Kunst, Wirtschaft usw. ins Auge zu nehmen, mit denen sich alles vielleicht weniger eindimensional, aber dennoch rational verwebe.
+   *] [*"Hegel and Marx"*]:
+     *] Hegels Jünger übernehmen die Rationalität der Geschichte, wenden sie aber verschieden oder erweitern das Set der Mitspieler. Marx übernimmt auch Hegels Eindimensionalität/Monokausalität, nur wendet er sie vom Politischen ins Ökonomische: Alle denkbaren Geschichten sind bei ihm nur Funktionen der Geschichte ökonomischer Ratio.
+     *] Marx hebt die von Hegel erreichte (oder, so Collingwood, eher behauptete statt plausibel durchgesetzte) Trennung von Natur und Geschichte wieder auf; sein Geschichtsmodell ist wieder eines im Geistes des Naturalismus des 18. Jahrhunderts, der Geschichtsverlauf unterm Diktat eines Plans der Natur. Auch dialektischer Materialismus sei Materialismus, so Collingwood, wobei er leider nicht erläutert, was ihn denn vielleicht vom nicht-dialektischen Materialismus unterscheide.
+   *] [*"Positivism"*]:
+     *] All den metaphysischen Höhenflügen der Geschichtsphilosophen wirft sich der Positivismus entgegen, der mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit die reinen Fakten zu sammeln sucht. Ihm verdankt das 19. Jahrhundert sein eigentliches Volumen an Erzeugung historischen Wissens: Während Hegel & Co. wild rumspekulierten, wirft er Fleiß, Sorgfalt, Skepsis und Unmengen an Schrift-und-Archäologie-Material. Statt Kantscher Universalgeschichte mikroskopische Spezialisierung.
+     *] Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Methodik zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
+     *] Darwin macht die Idee einer sich entwickelnden Natur (im Gegensatz zu einer statischen, wie sie noch Hegel pflegt) salonfähig durch sein Konzept der "natürlichen Auslese"; strenggenommen ist nicht die Idee der Evolution selbst, sondern dass sie sich auf diese Weise abspiele, Darwins' Erkenntnis-Verdienst, wie Vorformulierungen des Evolutionsgedanken z.B. bei Herder zeigen. Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem selben Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
+     *] Geschichtswissenschaft hat inzwischen ansehnliche kritische Methoden entwickelt: Philologie/Textkritik, Zergliedern von Texten in Passagen und Inhaltsstufen unterschiedlicher Glaubwürdigkeit, aus Texten andere Informationen ziehen als dem Autor bewusst waren. Eigene kritische Methodik entwickelt, statt bloße Übernahme naturwissenschaftlicher a la Comte. Akademisches Selbstbewusstsein wächst.
+     *] Positivistische Geschichtsschreibung verheddert sich in Faktennähe: Es kann nur noch das Detail beschrieben, aber kein Zusammenhang über das Detail hinaus geschlossen werden. Nur noch engste Monographien möglich, alles Breitere ersäuft in Atomisierung des Wissens. Wertungen werden unmöglich.
+     *] Problematischer Faktenbegriff der positivistischen Geschichtswissenschaft. Die Naturwissenschaft hat eine klare Falsifizierbarkeit in der Wiederholbarkeit von Experimenten. Die Geschichtswissenschaft dagegen kann nicht einfach etwas als Fakt hinnehmen, wovon es nur eine endliche Menge an Zeugenberichten undefinierter Glaubwürdigkeit gibt. Die positivistische Historik krankt am Mangel einer Theorie historischen Wissens / der Möglichkeiten historischen Wissens.
+ *] [*"Part IV: Scientific History"*]:
+   *] [*"England"*]:
+     *] [*"Bradley"*]:
+       *] Ende des 19. Jahrhunderts Kritik an der positivistischen Historik, an der Naturwissenschaftlichkeit ihrer Methoden, als sei das die einzige legitime Art des Wissens.
+       *] Bradley: "The Presuppositions of Critical History" Wenn ich historische Behauptungen wie die in der Bibel nach ihrem Wahrheitsgehalt abwäge, auf welche Weise geschieht das? Ich gleiche das, was ich lese, mit meinem eigenen Wissen, meiner eigenen Weltanschauung ab; so verteile ich Plausibilität. Ich halte Zeugenberichte für glaubwürdig, soweit ich den Zeugen den meinen ähnliche Kriterien für Plausibilität des Berichteten unterstelle. Berichte allerdings von Menschen aus ganz anderen Zeiten mit ganz anderen Wirklichkeitsbegriffen und Weltanschauungen verlieren dann für mich jede Glaubwürdigkeit. Mir bleibt nur meine Realität als Schablone für die Vergangenheit; insofern kann ich eigentlich gar nichts als Fakt identifizieren, was aus einer anderen Epoche stammt. (Ich [/glaube/], das ist es, worum es geht. Ich habe das Argument nur halb verstanden.)
+       *] Diverse weiterführende metaphysiche Erörterungen Collingwoods gehen ganz an mir vorbei.
+     *] [*"Bradley's successors"*]:
+       *] Offenbar beantwortete die englische Tradition nach Bradley die Frage nach der Möglichkeit des historischen Wissens gar nicht oder nur negativ. Wo nur naturwissenschaftliches Wissen wissen ist, gibt es kein historisches Wissen.
+     *] [*"Late nineteenth-century historiography"*]:
+       *] Ansonsten keine weitere Philosophie des Historischen, nur gelegentlich ein bisschen zeitgenössische Ideologie des industriell-reformistischen Fortschritts: Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser (nach materialistisch-konsumistischen Kriterien) wird das Leben. Dann aber auch wieder große Ausnüchterung, Verdammung jeder Wertung in der Geschichtsschreibung überhaupt: Nur objektive Fakten, bitte, aber akademisch breit aufgestellt.
+     *] [*"Bury"*]:
+       *] Um die Jahrhundertwende versucht Bury, der Geschichte wieder die Würde einer eigenen Denkweise zurückzugeben, scheitert laut Collingwood aber auf traurige Weise. Er versuche, Geschichte als eigenständige Wissensform neben der naturwissenschaftlichen aufzubauen, werde aber immer wieder von positivistischen Prämissen eingeholt. Er erkenne der Geschichte das Auftreten sich wiederholender Muster zu, reißt diese aber sogleich wieder ein, indem er eine Kontingenz des Zufalls entdeckt, die jede Mustererkennung zerstöre. Am Ende verbleibt Geschichte als die unverbindbare Ansammlung von Fakten des Positivismus.
+     *] [*"Oakeshott"*]:
+       *] 1933. Dessen Anti-Positivismus bringt Collingwood große Sympathie entgegen. Oakeshott befreit Geschichte vom Dilemma der Feststellbarkeit der Vergangenheit. Für ihn ist Geschichte einfach nur eine Art, die Gegenwart zu erfahren, modelliert über die Idee einer Vergangenheit; was tatsächlich in der Vergangenheit geschehen sei, ist in letzter Konsequenz eine leere Frage. Genauso wie die Naturwissenschaft ist Geschichte einfach nur ein möglicher perspektivischer Fixierpunkt auf die Welt, nicht mehr oder weniger berechtigt als jeder andere denkbare (das stört Collingwood ein bisschen, er hätte Geschichte schon gerne privilegiert). Sie muss sich darum auch nicht der naturwissenschaftlichen Perspektive und ihren Methoden einpassen; ihre Objektivität ist die der Perspektiven-Gesamtheit der Historiker, nicht die des wiederholbaren Experiments. Wir können nur die Gegenwart wissen und vielleicht über ein Vergangenheitsmodell begreifen, eine beweisbare Wirklichkeit wird Vergangenheit aber nie haben. (So habe ich es verstanden, beweist mich anders!)
+     *] [*"Toynbee"*]:
+       *] Toynbees "Study of History" kritisiert Collingwood in ihren positivistischen Ansätzen: vor allem, wie sie ihren Gegenstand, den historischen Prozess, vorgeblich objektiv und sauber in miteinander in Beziehung setzbare Formen zerkleinere, ohne ihr Ineinanderfließen und ihre Abhängigkeit vom Historiker anzuerkennen. Zugleich ist aber in der Schilderung einige Bewunderung Collingwoods spürbar, denn hier hat Positivismus offenbar endlich mal das Zerfasern im Fakten-Detaillismus überwunden und sich an nichts Geringerem versucht als einer Universalgeschichte der Menschheit und den Logiken, die sie zu leiten scheint.
+   *] [*"Germany"*]:
+     *] [*"Windelband"*]:
+       *] Die deutsche Tradition in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessiert sich sehr viel stärker als die englische für die Theorie vom geschichtlichen Wissen. Sie trennt klar zwischen positivistischer Wissenschaft und Geschichte. Windelband sieht die Aufgabe ersterer in der Formulierung von Gesetzmäßigkeit und die letzterer in der Beschreibung einzelner Fakten; beides nennt er Wissenschaft, aber Collingwood macht ihn dafür (unter Schützenhilfe Schopenhauers) nieder: Windelband entwickle kein befriedigendes Kriterium, nach dem Geschichte Wissen oder Wissenschaft genannt werden könne.
+     *] [*"Rickert"*]:
+       *] Rickert, Jahrhundertwende, versucht sich an einer weiteren Systematisierung der Gegensätze Natur und Geschichte, Gesetzmäßigkeit und Einzelfakt. Er entwertet die Naturwissenschaft: Sie sei nur Abstraktionsgespann über Einzelfakten, die Einzelfakten an sich, also die Geschichte, sei das eigentliche Wissen. Auch das befriedigt Collingwood nicht: Überhaupt das Augenmerk auf vermeintlich klar isolierbare Einzelfakten statt deren Verbindungen zueinander zu legen, ist für ihn bereits Positivismus.
+     *] [*"Simmel"*]:
+       *] Simmel sagt klipp und klar, dass der naturwissenschaftliche Fakt nicht der selben Sorte sein kann wie der historische: denn die Vergangenheit ist nicht mehr hinreichend überprüfbar. Sie ist nur das, was der Historiker in seinem Kopf aus Quellen rekonstruiert, ohne vergleichbaren Wahrheitsanspruch. Collingwood stört, dass Simmel dem historischen Wissen so keinen Eigenwert lässt und die Vergangenheit als tot und der Gegenwart unverbunden abhakt.
+     *] [*"Dilthey"*]:
+       *] Historisches Wissen ist das Sich-hinein-Versetzen in die früheren Individuen und dann, aus dieser Position, der Versuch, sich zu verstehen. Collingwood bringt hier im Wesentlichen die selben Beschwerden wie bei Simmel. So eine Subjektive kann doch kein Wissen sein! Außerdem sei das Psychologie, und Psychologie sei schon wieder eine positivistische Naturwissenschaft (da werden sich die Psychologen aber freuen; Collingwood schimpft inzwischen einfach alles Positivismus, was er nicht leiden kann).
+     *] [*"Meyer"*]:
+       *] Ach, so langsam geht mir Collingwoods Tendenz auf die Nerven, Autoren in Annäherung an seine Gegenwart immer stärker nur noch nach der Einpassbarkeit in seine noch gar nicht näher ausgeführten, aber ständig stichwortartig (und Phrasenwiederholungs-reich) Theorie- und Wertgebilde zu dulden. Sehr monoton, das war fünfzig Seiten früher noch anders.
+     *] [*"Spengler"*]:
+       *] Spengler behauptet Naturgesetze statt Geschichte und ganz auf ihre Eigenheiten voneinander isolierte Kulturen; und biegt geschichtliches Wissen auf Ach und Krach darauf hin, damit es in seine Erzählung passt. Collingwood speiht Verachtung und schimpft es wieder Positivismus.
+   *] [*"France"*]:
+     *] [*"Ravaisson's spiritualism"*]:
+       *] Für Collingwood ist Naturwissenschaft die Metaphysik der Kausalität. "Everything is what it is because it is determined by something else." (p. 184) Dem will er gerne was entgegensetzen.
+     *] [*"Lachelier's idealism"*]:
+       *] Collingwood mag keinen Positivismus und keine Kausalität, aber er mag Rationalität. Der Geist, der für ihn irgendwie alles mit Freiheit erfüllen soll, und jetzt sucht er ihn.
+     *] [*"Bergson's evolutionism"*]:
+       *] Zeit verstreicht im Bewusstsein als eine Abfolge nicht von Zuständen, die voneinander diskret getrennt sind, sondern die ineinander überfließen. Die Vergangenheit ist in der Gegenwart enthalten, ihr nicht äußern, nicht von ihr getrennt. Die naturwissenschaftliche Methode dagegen zergliedert die Welt diskret und macht das eine dem anderen äußerlich; sie ist unnatürlich. Wir gehen nur deshalb so vor, weil es uns die Welt beherrschbar macht.
+     *] [*"Modern French historiography"*]:
+       *] Die Franzosen sind sehr gut darin, sich als Teil der Geschichte zu begreifen und in ihren Historiographien souverän in diese hinein zu fließen. Leider fehlt ihnen aber dabei die Faktensorgfalt der objektifizierenden Deutschen.
+   *] [*"Italy"*]: 
+     *] [*"Croce's essay of 1893"*]:
+       *] Geschichte ist gar keine Wissenschaft; Geschichte ist eine Untermenge der Kunst. Kunst versucht, das Mögliche zu zeichnen; Geschichte versucht das zu zeichnen, was passiert ist, und damit eine Untermenge des Möglichen. Befreit Geschichte locker von den Dogmen der positivistischen Naturwissenschaft; lässt aber die Frage unbeantwortet, wie denn gewusst werden soll, was passiert ist. Der Kunst bleibt gemeinhin nur die Intuition als Quelle, und die ist keine sehr vertrauenswürdige Wahrheitsquelle.
+     *] [*"Croce's second position: the 'Logic'"*]:
+       *] Also brauchen wir mehr als die Intuition: Wir brauchen für die Geschichte die Rationalität, das Denken. Und es gibt kein geschichtliches Denken, das nicht sowohl den Einzelfall als auch das Allgemeine enthält. Man kann kein Allgemeines feststellen ohne Einzelfälle, und man kann kein Einzelnes beschreiben ohne allgemeine Kategorien.
+     *] [*"History and philosophy"*]:
+       *] Nicht Geschichte ist eine Hilfswissenschaft der Philosophie, sondern umgekehrt. Es gibt keine Wirklichkeit, die nicht bereits Geschichte ist, wenn sie philosophisch analysiert wird. Philosophie liefert die allgemeinen Kategorien, mit denen die einzelnen Ereignisse der Geschichte beschrieben werden können.
+     *] [*"History and nature"*]:
+       *] Auch Natur ist nur als Geschichte greifbar. Alles was man an Naturgesetzen zu wissen meint, sind Fiktionen, die man Einzelereignissen der Geschichte auferlegt. Aus dieser Geschichte etwas herauszunehmen und es positivistisch zergliedern, gut, das mag Wissenschaft sein, aber das interessiert Collingwood nicht. Er möchte, wie Croce, Geschichte, und die kann nur das sein, wo man sich in einen vergangenen Geist hineindenken, hineinversetzen kann, weshalb Geschichte nur die Erkenntnis vergangener geistiger Vorgänge sein kann. Collingwood war schon die vergangenen Kapitel ziemlich besessen von diesem Sich-in-Köpfe-der-Vergangenheit-hiein-versetzen.
+     *] [*"Croce's final view: the autonomy of history"*]:
+       *] Die Wissenschaft muss das Primat der Geschichte akzeptieren, denn Geschichte gibt ihr das Futter, nicht umgekehrt. Jeder Fakt ist nichts weiter als Geschichte.
+       *] Jede Erfahrung ist Geschichte. Geschichte ist die Selbsterkenntnis des Geistes. Geschichte existiert nur im Kopf des Historikers.
+       *] Wovon wir kein Zeugnis haben, um unseren Geist zu stimulieren, das kann keine Geschichte sein.
+       *] "Chronicle, then, is the past as merely believed upon testimony but not historically known." (p. 202) Und um historisch gewusst zu sein, muss sie durch Durchlebbarkeit beseelt werden. Diese Beseeltheit von Geschichte, dass man sich in sie hinein versetzen müssen könne, ständig bei Collingwood.
2011-03-22 02:37:51 (rückgängig machen): GlobalReplace: ''text'' to [/text/] (Admin):
49c49
-     * Geburt nationalistischer Geschichtsschreibung, auch wenn die Genese der Nation noch ins Mythische ausgeblendet wird; sie ist bei Polybius ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem erst historisches Festhalten möglich ist, bereits ''ready-made'' da.
+     * Geburt nationalistischer Geschichtsschreibung, auch wenn die Genese der Nation noch ins Mythische ausgeblendet wird; sie ist bei Polybius ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem erst historisches Festhalten möglich ist, bereits [/ready-made/] da.
52c52
-     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend ''ab urbe condita'', aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit gelegentlichem Eingeständnis von Unsicherheiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
+     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend [/ab urbe condita/], aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit gelegentlichem Eingeständnis von Unsicherheiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
131c131
-     * Herders Rassenbild ist statisch/substanzialistisch, aber dafür bricht er den absoluten, einheitlichen Menschenbegriff der Aufklärung auf: Es gibt nicht mehr ''den'' Menschen und damit auch keinen natürlichen menschlichen Charakter mehr. Gesellschaftliche Lösungen mögen dem einen Menschentypus gerecht sein, dem anderen aber nicht. Es gibt keine klare Besser-oder-schlechter-Hierarchie mehr für das gesamte Menschengeschlecht.
+     * Herders Rassenbild ist statisch/substanzialistisch, aber dafür bricht er den absoluten, einheitlichen Menschenbegriff der Aufklärung auf: Es gibt nicht mehr [/den/] Menschen und damit auch keinen natürlichen menschlichen Charakter mehr. Gesellschaftliche Lösungen mögen dem einen Menschentypus gerecht sein, dem anderen aber nicht. Es gibt keine klare Besser-oder-schlechter-Hierarchie mehr für das gesamte Menschengeschlecht.
171c171
-       * Bradley: "The Presuppositions of Critical History" Wenn ich historische Behauptungen wie die in der Bibel nach ihrem Wahrheitsgehalt abwäge, auf welche Weise geschieht das? Ich gleiche das, was ich lese, mit meinem eigenen Wissen, meiner eigenen Weltanschauung ab; so verteile ich Plausibilität. Ich halte Zeugenberichte für glaubwürdig, soweit ich den Zeugen den meinen ähnliche Kriterien für Plausibilität des Berichteten unterstelle. Berichte allerdings von Menschen aus ganz anderen Zeiten mit ganz anderen Wirklichkeitsbegriffen und Weltanschauungen verlieren dann für mich jede Glaubwürdigkeit. Mir bleibt nur meine Realität als Schablone für die Vergangenheit; insofern kann ich eigentlich gar nichts als Fakt identifizieren, was aus einer anderen Epoche stammt. (Ich ''glaube'', das ist es, worum es geht. Ich habe das Argument nur halb verstanden.)
+       * Bradley: "The Presuppositions of Critical History" Wenn ich historische Behauptungen wie die in der Bibel nach ihrem Wahrheitsgehalt abwäge, auf welche Weise geschieht das? Ich gleiche das, was ich lese, mit meinem eigenen Wissen, meiner eigenen Weltanschauung ab; so verteile ich Plausibilität. Ich halte Zeugenberichte für glaubwürdig, soweit ich den Zeugen den meinen ähnliche Kriterien für Plausibilität des Berichteten unterstelle. Berichte allerdings von Menschen aus ganz anderen Zeiten mit ganz anderen Wirklichkeitsbegriffen und Weltanschauungen verlieren dann für mich jede Glaubwürdigkeit. Mir bleibt nur meine Realität als Schablone für die Vergangenheit; insofern kann ich eigentlich gar nichts als Fakt identifizieren, was aus einer anderen Epoche stammt. (Ich [/glaube/], das ist es, worum es geht. Ich habe das Argument nur halb verstanden.)
2011-03-22 02:37:03 (rückgängig machen): GlobalReplace: '''text''' to [*text*] (Admin):
5c5
- * '''"Editor's Preface"''':
+ * [*"Editor's Preface"*]:
9,10c9,10
- * '''"Introduction"''':
-   * '''"The Philosophy of History"''':
+ * [*"Introduction"*]:
+   * [*"The Philosophy of History"*]:
15c15
-   * '''"History's nature, object, method and value"''':
+   * [*"History's nature, object, method and value"*]:
21c21
-   * '''"The problem of Parts I-IV"''':
+   * [*"The problem of Parts I-IV"*]:
23,24c23,24
- * '''"Part I: Grego-Roman Historiography"''':
-   * '''"Theocratic history and myth"''':
+ * [*"Part I: Grego-Roman Historiography"*]:
+   * [*"Theocratic history and myth"*]:
29c29
-   * '''"The creation of scientific history by Herodotus"''':
+   * [*"The creation of scientific history by Herodotus"*]:
32c32
-   * '''"Anti-historical tendency of Greek thought"''':
+   * [*"Anti-historical tendency of Greek thought"*]:
34c34
-   * '''"Greek conception of history's nature and value"''':
+   * [*"Greek conception of history's nature and value"*]:
38c38
-   * '''"Greek historical method and its limitations"''':
+   * [*"Greek historical method and its limitations"*]:
41c41
-   * '''"Herodotus and Thucydides"''':
+   * [*"Herodotus and Thucydides"*]:
44c44
-   * '''"The Hellenistic period"''':
+   * [*"The Hellenistic period"*]:
47c47
-   * '''"Polybius"''':
+   * [*"Polybius"*]:
51c51
-   * '''"Livy and Tacitus"''':
+   * [*"Livy and Tacitus"*]:
57c57
-   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (i) Humanism"''':
+   * [*"Character of Greco-Roman historiography: (i) Humanism"*]:
60c60
-   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (ii) Substantialism"''':
+   * [*"Character of Greco-Roman historiography: (ii) Substantialism"*]:
65,66c65,66
- * '''"Part II: The Influence of Christianity"'''
-   * '''"The leaven of Christian ideas"''':
+ * [*"Part II: The Influence of Christianity"*]
+   * [*"The leaven of Christian ideas"*]:
71c71
-   * '''"Characteristics of Christian historiography"''':
+   * [*"Characteristics of Christian historiography"*]:
78c78
-   * '''"Medieval historiography"''':
+   * [*"Medieval historiography"*]:
84c84
-   * '''"The Renaissance historians"''':
+   * [*"The Renaissance historians"*]:
87c87
-   * '''"Descartes"''':
+   * [*"Descartes"*]:
89c89
-   * '''"Cartesian historiography"''':
+   * [*"Cartesian historiography"*]:
92c92
-   * '''"Anti-Cartesianism: (i) Vico"''':
+   * [*"Anti-Cartesianism: (i) Vico"*]:
100c100
-   * '''"Anti-Cartesianism: (i) Locke, Berkeley and Hume"''':
+   * [*"Anti-Cartesianism: (i) Locke, Berkeley and Hume"*]:
105c105
-   * '''"The Enlightenment"''':
+   * [*"The Enlightenment"*]:
116c116
-   * '''"The science of human nature"''':
+   * [*"The science of human nature"*]:
120,121c120,121
- * '''"Part III: The Threshold of Scientific History"''':
-   * '''"Romanticism"''':
+ * [*"Part III: The Threshold of Scientific History"*]:
+   * [*"Romanticism"*]:
127c127
-   * '''"Herder"''':
+   * [*"Herder"*]:
133c133
-   * '''"Kant"''':
+   * [*"Kant"*]:
141c141
-   * '''"Schiller"''':
+   * [*"Schiller"*]:
143c143
-   * '''"Fichte"''':
+   * [*"Fichte"*]:
146c146
-   * '''"Schelling"''':
+   * [*"Schelling"*]:
148c148
-   * '''"Hegel"''':
+   * [*"Hegel"*]:
157c157
-   * '''"Hegel and Marx"''':
+   * [*"Hegel and Marx"*]:
160c160
-   * '''"Positivism"''':
+   * [*"Positivism"*]:
167,169c167,169
- * '''"Part IV: Scientific History"''':
-   * '''"England"''':
-     * '''"Bradley"''':
+ * [*"Part IV: Scientific History"*]:
+   * [*"England"*]:
+     * [*"Bradley"*]:
173c173
-     * '''"Bradley's successors"''':
+     * [*"Bradley's successors"*]:
175c175
-     * '''"Late nineteenth-century historiography"''':
+     * [*"Late nineteenth-century historiography"*]:
177c177
-     * '''"Bury"''':
+     * [*"Bury"*]:
179c179
-     * '''"Oakeshott"''':
+     * [*"Oakeshott"*]:
181c181
-     * '''"Toynbee"''':
+     * [*"Toynbee"*]:
183,184c183,184
-   * '''"Germany"''':
-     * '''"Windelband"''':
+   * [*"Germany"*]:
+     * [*"Windelband"*]:
186c186
-     * '''"Rickert"''':
+     * [*"Rickert"*]:
188c188
-     * '''"Simmel"''':
+     * [*"Simmel"*]:
190c190
-     * '''"Dilthey"''':
+     * [*"Dilthey"*]:
192c192
-     * '''"Meyer"''':
+     * [*"Meyer"*]:
194c194
-     * '''"Spengler"''':
+     * [*"Spengler"*]:
196,197c196,197
-   * '''"France"''':
-     * '''"Ravaisson's spiritualism"''':
+   * [*"France"*]:
+     * [*"Ravaisson's spiritualism"*]:
199c199
-     * '''"Lachelier's idealism"''':
+     * [*"Lachelier's idealism"*]:
201c201
-     * '''"Bergson's evolutionism"''':
+     * [*"Bergson's evolutionism"*]:
203c203
-     * '''"Modern French historiography"''':
+     * [*"Modern French historiography"*]:
205,206c205,206
-   * '''"Italy"''': 
-     * '''"Croce's essay of 1893"''':
+   * [*"Italy"*]: 
+     * [*"Croce's essay of 1893"*]:
208c208
-     * '''"Croce's second position: the 'Logic'"''':
+     * [*"Croce's second position: the 'Logic'"*]:
210c210
-     * '''"History and philosophy"''':
+     * [*"History and philosophy"*]:
212c212
-     * '''"History and nature"''':
+     * [*"History and nature"*]:
214c214
-     * '''"Croce's final view: the autonomy of history"''':
+     * [*"Croce's final view: the autonomy of history"*]:
2010-11-11 06:46:28 (rückgängig machen): (plomlompom):
25c25
-     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der Zeit, die wir unsere Vierte Dimension nennen.
+     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest noch quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der Zeit, die wir unsere Vierte Dimension nennen.
2010-09-03 00:12:08 (rückgängig machen): (plomlompom):
218a219
+ (Nachdem mich die letzten 70 Seiten immer mehr angeödet haben, was man vielleicht an der wachsenden Kürze und Inakkuratesse der Notizen bemerkt, lege ich das Buch erstmal beiseite.)
2010-09-03 00:05:11 (rückgängig machen): (plomlompom):
204c204
-       * Die Franzosen sind sehr gut darin, sich als Teil der Geschichte zu begreifen und in ihren Historiographien souverän in diese hinein zu fließen. Leider fehlt ihnen aber dabei die Faktensorgfalt der Deutschen.
+       * Die Franzosen sind sehr gut darin, sich als Teil der Geschichte zu begreifen und in ihren Historiographien souverän in diese hinein zu fließen. Leider fehlt ihnen aber dabei die Faktensorgfalt der objektifizierenden Deutschen.
207c207,218
-       * Geschichte ist gar keine Wissenschaft; Geschichte ist eine Untermenge der Kunst. Kunst versucht, das Mögliche zu zeichnen; Geschichte versucht das zu zeichnen, was passiert ist, und damit eine Untermenge des Möglichen. Befreit Geschichte locker von den Dogmen der positivistischen Naturwissenschaft.
+       * Geschichte ist gar keine Wissenschaft; Geschichte ist eine Untermenge der Kunst. Kunst versucht, das Mögliche zu zeichnen; Geschichte versucht das zu zeichnen, was passiert ist, und damit eine Untermenge des Möglichen. Befreit Geschichte locker von den Dogmen der positivistischen Naturwissenschaft; lässt aber die Frage unbeantwortet, wie denn gewusst werden soll, was passiert ist. Der Kunst bleibt gemeinhin nur die Intuition als Quelle, und die ist keine sehr vertrauenswürdige Wahrheitsquelle.
+     * '''"Croce's second position: the 'Logic'"''':
+       * Also brauchen wir mehr als die Intuition: Wir brauchen für die Geschichte die Rationalität, das Denken. Und es gibt kein geschichtliches Denken, das nicht sowohl den Einzelfall als auch das Allgemeine enthält. Man kann kein Allgemeines feststellen ohne Einzelfälle, und man kann kein Einzelnes beschreiben ohne allgemeine Kategorien.
+     * '''"History and philosophy"''':
+       * Nicht Geschichte ist eine Hilfswissenschaft der Philosophie, sondern umgekehrt. Es gibt keine Wirklichkeit, die nicht bereits Geschichte ist, wenn sie philosophisch analysiert wird. Philosophie liefert die allgemeinen Kategorien, mit denen die einzelnen Ereignisse der Geschichte beschrieben werden können.
+     * '''"History and nature"''':
+       * Auch Natur ist nur als Geschichte greifbar. Alles was man an Naturgesetzen zu wissen meint, sind Fiktionen, die man Einzelereignissen der Geschichte auferlegt. Aus dieser Geschichte etwas herauszunehmen und es positivistisch zergliedern, gut, das mag Wissenschaft sein, aber das interessiert Collingwood nicht. Er möchte, wie Croce, Geschichte, und die kann nur das sein, wo man sich in einen vergangenen Geist hineindenken, hineinversetzen kann, weshalb Geschichte nur die Erkenntnis vergangener geistiger Vorgänge sein kann. Collingwood war schon die vergangenen Kapitel ziemlich besessen von diesem Sich-in-Köpfe-der-Vergangenheit-hiein-versetzen.
+     * '''"Croce's final view: the autonomy of history"''':
+       * Die Wissenschaft muss das Primat der Geschichte akzeptieren, denn Geschichte gibt ihr das Futter, nicht umgekehrt. Jeder Fakt ist nichts weiter als Geschichte.
+       * Jede Erfahrung ist Geschichte. Geschichte ist die Selbsterkenntnis des Geistes. Geschichte existiert nur im Kopf des Historikers.
+       * Wovon wir kein Zeugnis haben, um unseren Geist zu stimulieren, das kann keine Geschichte sein.
+       * "Chronicle, then, is the past as merely believed upon testimony but not historically known." (p. 202) Und um historisch gewusst zu sein, muss sie durch Durchlebbarkeit beseelt werden. Diese Beseeltheit von Geschichte, dass man sich in sie hinein versetzen müssen könne, ständig bei Collingwood.
2010-09-02 23:30:35 (rückgängig machen): (plomlompom):
204c204,207
-       * ...
+       * Die Franzosen sind sehr gut darin, sich als Teil der Geschichte zu begreifen und in ihren Historiographien souverän in diese hinein zu fließen. Leider fehlt ihnen aber dabei die Faktensorgfalt der Deutschen.
+   * '''"Italy"''': 
+     * '''"Croce's essay of 1893"''':
+       * Geschichte ist gar keine Wissenschaft; Geschichte ist eine Untermenge der Kunst. Kunst versucht, das Mögliche zu zeichnen; Geschichte versucht das zu zeichnen, was passiert ist, und damit eine Untermenge des Möglichen. Befreit Geschichte locker von den Dogmen der positivistischen Naturwissenschaft.
2010-09-02 23:20:32 (rückgängig machen): (plomlompom):
191c191
-       * Historisches Wissen ist das Sich-hinein-Versetzen in die früheren Individuen und dann, aus dieser Position, der Versuch, sich zu verstehen. Collingwood bringt hier im Wesentlichen die selben Beschwerden wie bei Simmel. So eine Subjektive kann doch kein Wissen sein! Außerdem sei das Psychologie, und Psychologie sei schon wieder eine positivistische Naturwissenschaft (da werden sich die Psychologen aber freuen).
+       * Historisches Wissen ist das Sich-hinein-Versetzen in die früheren Individuen und dann, aus dieser Position, der Versuch, sich zu verstehen. Collingwood bringt hier im Wesentlichen die selben Beschwerden wie bei Simmel. So eine Subjektive kann doch kein Wissen sein! Außerdem sei das Psychologie, und Psychologie sei schon wieder eine positivistische Naturwissenschaft (da werden sich die Psychologen aber freuen; Collingwood schimpft inzwischen einfach alles Positivismus, was er nicht leiden kann).
195a196,204
+   * '''"France"''':
+     * '''"Ravaisson's spiritualism"''':
+       * Für Collingwood ist Naturwissenschaft die Metaphysik der Kausalität. "Everything is what it is because it is determined by something else." (p. 184) Dem will er gerne was entgegensetzen.
+     * '''"Lachelier's idealism"''':
+       * Collingwood mag keinen Positivismus und keine Kausalität, aber er mag Rationalität. Der Geist, der für ihn irgendwie alles mit Freiheit erfüllen soll, und jetzt sucht er ihn.
+     * '''"Bergson's evolutionism"''':
+       * Zeit verstreicht im Bewusstsein als eine Abfolge nicht von Zuständen, die voneinander diskret getrennt sind, sondern die ineinander überfließen. Die Vergangenheit ist in der Gegenwart enthalten, ihr nicht äußern, nicht von ihr getrennt. Die naturwissenschaftliche Methode dagegen zergliedert die Welt diskret und macht das eine dem anderen äußerlich; sie ist unnatürlich. Wir gehen nur deshalb so vor, weil es uns die Welt beherrschbar macht.
+     * '''"Modern French historiography"''':
+       * ...
2010-09-02 23:01:03 (rückgängig machen): (plomlompom):
191a192,195
+     * '''"Meyer"''':
+       * Ach, so langsam geht mir Collingwoods Tendenz auf die Nerven, Autoren in Annäherung an seine Gegenwart immer stärker nur noch nach der Einpassbarkeit in seine noch gar nicht näher ausgeführten, aber ständig stichwortartig (und Phrasenwiederholungs-reich) Theorie- und Wertgebilde zu dulden. Sehr monoton, das war fünfzig Seiten früher noch anders.
+     * '''"Spengler"''':
+       * Spengler behauptet Naturgesetze statt Geschichte und ganz auf ihre Eigenheiten voneinander isolierte Kulturen; und biegt geschichtliches Wissen auf Ach und Krach darauf hin, damit es in seine Erzählung passt. Collingwood speiht Verachtung und schimpft es wieder Positivismus.
2010-09-02 22:42:33 (rückgängig machen): (plomlompom):
191c191
-       * ...
+       * Historisches Wissen ist das Sich-hinein-Versetzen in die früheren Individuen und dann, aus dieser Position, der Versuch, sich zu verstehen. Collingwood bringt hier im Wesentlichen die selben Beschwerden wie bei Simmel. So eine Subjektive kann doch kein Wissen sein! Außerdem sei das Psychologie, und Psychologie sei schon wieder eine positivistische Naturwissenschaft (da werden sich die Psychologen aber freuen).
2010-09-02 22:32:06 (rückgängig machen): (plomlompom):
188c188
-     * ''"Simmel"''':
+     * '''"Simmel"''':
2010-09-02 22:31:18 (rückgängig machen): (plomlompom):
186a187,190
+       * Rickert, Jahrhundertwende, versucht sich an einer weiteren Systematisierung der Gegensätze Natur und Geschichte, Gesetzmäßigkeit und Einzelfakt. Er entwertet die Naturwissenschaft: Sie sei nur Abstraktionsgespann über Einzelfakten, die Einzelfakten an sich, also die Geschichte, sei das eigentliche Wissen. Auch das befriedigt Collingwood nicht: Überhaupt das Augenmerk auf vermeintlich klar isolierbare Einzelfakten statt deren Verbindungen zueinander zu legen, ist für ihn bereits Positivismus.
+     * ''"Simmel"''':
+       * Simmel sagt klipp und klar, dass der naturwissenschaftliche Fakt nicht der selben Sorte sein kann wie der historische: denn die Vergangenheit ist nicht mehr hinreichend überprüfbar. Sie ist nur das, was der Historiker in seinem Kopf aus Quellen rekonstruiert, ohne vergleichbaren Wahrheitsanspruch. Collingwood stört, dass Simmel dem historischen Wissen so keinen Eigenwert lässt und die Vergangenheit als tot und der Gegenwart unverbunden abhakt.
+     * '''"Dilthey"''':
2010-09-02 22:20:12 (rückgängig machen): (plomlompom):
182a183,187
+   * '''"Germany"''':
+     * '''"Windelband"''':
+       * Die deutsche Tradition in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts interessiert sich sehr viel stärker als die englische für die Theorie vom geschichtlichen Wissen. Sie trennt klar zwischen positivistischer Wissenschaft und Geschichte. Windelband sieht die Aufgabe ersterer in der Formulierung von Gesetzmäßigkeit und die letzterer in der Beschreibung einzelner Fakten; beides nennt er Wissenschaft, aber Collingwood macht ihn dafür (unter Schützenhilfe Schopenhauers) nieder: Windelband entwickle kein befriedigendes Kriterium, nach dem Geschichte Wissen oder Wissenschaft genannt werden könne.
+     * '''"Rickert"''':
+       * ...
2010-09-02 21:57:33 (rückgängig machen): (plomlompom):
182c182
-       * ...
+       * Toynbees "Study of History" kritisiert Collingwood in ihren positivistischen Ansätzen: vor allem, wie sie ihren Gegenstand, den historischen Prozess, vorgeblich objektiv und sauber in miteinander in Beziehung setzbare Formen zerkleinere, ohne ihr Ineinanderfließen und ihre Abhängigkeit vom Historiker anzuerkennen. Zugleich ist aber in der Schilderung einige Bewunderung Collingwoods spürbar, denn hier hat Positivismus offenbar endlich mal das Zerfasern im Fakten-Detaillismus überwunden und sich an nichts Geringerem versucht als einer Universalgeschichte der Menschheit und den Logiken, die sie zu leiten scheint.
2010-09-02 21:38:01 (rückgängig machen): (plomlompom):
177a178,181
+       * Um die Jahrhundertwende versucht Bury, der Geschichte wieder die Würde einer eigenen Denkweise zurückzugeben, scheitert laut Collingwood aber auf traurige Weise. Er versuche, Geschichte als eigenständige Wissensform neben der naturwissenschaftlichen aufzubauen, werde aber immer wieder von positivistischen Prämissen eingeholt. Er erkenne der Geschichte das Auftreten sich wiederholender Muster zu, reißt diese aber sogleich wieder ein, indem er eine Kontingenz des Zufalls entdeckt, die jede Mustererkennung zerstöre. Am Ende verbleibt Geschichte als die unverbindbare Ansammlung von Fakten des Positivismus.
+     * '''"Oakeshott"''':
+       * 1933. Dessen Anti-Positivismus bringt Collingwood große Sympathie entgegen. Oakeshott befreit Geschichte vom Dilemma der Feststellbarkeit der Vergangenheit. Für ihn ist Geschichte einfach nur eine Art, die Gegenwart zu erfahren, modelliert über die Idee einer Vergangenheit; was tatsächlich in der Vergangenheit geschehen sei, ist in letzter Konsequenz eine leere Frage. Genauso wie die Naturwissenschaft ist Geschichte einfach nur ein möglicher perspektivischer Fixierpunkt auf die Welt, nicht mehr oder weniger berechtigt als jeder andere denkbare (das stört Collingwood ein bisschen, er hätte Geschichte schon gerne privilegiert). Sie muss sich darum auch nicht der naturwissenschaftlichen Perspektive und ihren Methoden einpassen; ihre Objektivität ist die der Perspektiven-Gesamtheit der Historiker, nicht die des wiederholbaren Experiments. Wir können nur die Gegenwart wissen und vielleicht über ein Vergangenheitsmodell begreifen, eine beweisbare Wirklichkeit wird Vergangenheit aber nie haben. (So habe ich es verstanden, beweist mich anders!)
+     * '''"Toynbee"''':
2010-09-02 20:58:39 (rückgängig machen): (plomlompom):
176c176
-       * Ansonsten keine weitere Philosophie des Historischen, nur gelegentlich ein bisschen zeitgenössische Ideologie des industriell-reformistischen Fortschritts: Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser (nach materialistisch-konsumistischen Kriterien) wird das Leben. Dann aber auch wieder große Ausnüchterung, Verdammung jeder Wertung in der Geschichtsschreibung überhaupt: Nur objektive Fakten, bitte.
+       * Ansonsten keine weitere Philosophie des Historischen, nur gelegentlich ein bisschen zeitgenössische Ideologie des industriell-reformistischen Fortschritts: Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser (nach materialistisch-konsumistischen Kriterien) wird das Leben. Dann aber auch wieder große Ausnüchterung, Verdammung jeder Wertung in der Geschichtsschreibung überhaupt: Nur objektive Fakten, bitte, aber akademisch breit aufgestellt.
2010-09-02 20:56:35 (rückgängig machen): (plomlompom):
172a173,178
+     * '''"Bradley's successors"''':
+       * Offenbar beantwortete die englische Tradition nach Bradley die Frage nach der Möglichkeit des historischen Wissens gar nicht oder nur negativ. Wo nur naturwissenschaftliches Wissen wissen ist, gibt es kein historisches Wissen.
+     * '''"Late nineteenth-century historiography"''':
+       * Ansonsten keine weitere Philosophie des Historischen, nur gelegentlich ein bisschen zeitgenössische Ideologie des industriell-reformistischen Fortschritts: Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser (nach materialistisch-konsumistischen Kriterien) wird das Leben. Dann aber auch wieder große Ausnüchterung, Verdammung jeder Wertung in der Geschichtsschreibung überhaupt: Nur objektive Fakten, bitte.
+     * '''"Bury"''':
+       * ...
2010-09-02 20:41:05 (rückgängig machen): (plomlompom):
166a167,172
+ * '''"Part IV: Scientific History"''':
+   * '''"England"''':
+     * '''"Bradley"''':
+       * Ende des 19. Jahrhunderts Kritik an der positivistischen Historik, an der Naturwissenschaftlichkeit ihrer Methoden, als sei das die einzige legitime Art des Wissens.
+       * Bradley: "The Presuppositions of Critical History" Wenn ich historische Behauptungen wie die in der Bibel nach ihrem Wahrheitsgehalt abwäge, auf welche Weise geschieht das? Ich gleiche das, was ich lese, mit meinem eigenen Wissen, meiner eigenen Weltanschauung ab; so verteile ich Plausibilität. Ich halte Zeugenberichte für glaubwürdig, soweit ich den Zeugen den meinen ähnliche Kriterien für Plausibilität des Berichteten unterstelle. Berichte allerdings von Menschen aus ganz anderen Zeiten mit ganz anderen Wirklichkeitsbegriffen und Weltanschauungen verlieren dann für mich jede Glaubwürdigkeit. Mir bleibt nur meine Realität als Schablone für die Vergangenheit; insofern kann ich eigentlich gar nichts als Fakt identifizieren, was aus einer anderen Epoche stammt. (Ich ''glaube'', das ist es, worum es geht. Ich habe das Argument nur halb verstanden.)
+       * Diverse weiterführende metaphysiche Erörterungen Collingwoods gehen ganz an mir vorbei.
2010-09-02 19:45:06 (rückgängig machen): (plomlompom):
162,165c162,163
-     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? 
-     * Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Methodik zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
-     * Darwin macht die Idee einer sich entwickelnden Natur (im Gegensatz zu einer statischen, wie sie noch Hegel pflegt) salonfähig durch sein Konzept der "natürlichen Auslese"; strenggenommen ist nicht die Idee der Evolution selbst, sondern dass sie sich auf diese Weise abspiele, Darwins' Erkenntnis-Verdienst, wie Vorformulierungen des Evolutionsgedanken z.B. bei Herder zeigen.
-     * Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem selben Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
+     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Methodik zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
+     * Darwin macht die Idee einer sich entwickelnden Natur (im Gegensatz zu einer statischen, wie sie noch Hegel pflegt) salonfähig durch sein Konzept der "natürlichen Auslese"; strenggenommen ist nicht die Idee der Evolution selbst, sondern dass sie sich auf diese Weise abspiele, Darwins' Erkenntnis-Verdienst, wie Vorformulierungen des Evolutionsgedanken z.B. bei Herder zeigen. Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem selben Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
2010-09-02 19:44:08 (rückgängig machen): (plomlompom):
161,162c161,163
-     * All den metaphysischen Höhenflügen der Geschichtsphilosophen wirft sich der Positivismus entgegen, der mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit die reinen Fakten zu sammeln sucht. Ihm verdankt das 19. Jahrhundert sein eigentliches Volumen an Erzeugung historischen Wissens: während Hegel & Co. wild rumspekulierten, wirft er Fleiß, Sorgfalt, Skepsis und Unmengen an Schrift-und-Archäologie-Material. Statt Kantscher Universalgeschichte mikroskopische Spezialisierung.
-     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Präzision zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
+     * All den metaphysischen Höhenflügen der Geschichtsphilosophen wirft sich der Positivismus entgegen, der mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit die reinen Fakten zu sammeln sucht. Ihm verdankt das 19. Jahrhundert sein eigentliches Volumen an Erzeugung historischen Wissens: Während Hegel & Co. wild rumspekulierten, wirft er Fleiß, Sorgfalt, Skepsis und Unmengen an Schrift-und-Archäologie-Material. Statt Kantscher Universalgeschichte mikroskopische Spezialisierung.
+     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? 
+     * Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Methodik zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
164c165,168
-     * Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
+     * Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem selben Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
+     * Geschichtswissenschaft hat inzwischen ansehnliche kritische Methoden entwickelt: Philologie/Textkritik, Zergliedern von Texten in Passagen und Inhaltsstufen unterschiedlicher Glaubwürdigkeit, aus Texten andere Informationen ziehen als dem Autor bewusst waren. Eigene kritische Methodik entwickelt, statt bloße Übernahme naturwissenschaftlicher a la Comte. Akademisches Selbstbewusstsein wächst.
+     * Positivistische Geschichtsschreibung verheddert sich in Faktennähe: Es kann nur noch das Detail beschrieben, aber kein Zusammenhang über das Detail hinaus geschlossen werden. Nur noch engste Monographien möglich, alles Breitere ersäuft in Atomisierung des Wissens. Wertungen werden unmöglich.
+     * Problematischer Faktenbegriff der positivistischen Geschichtswissenschaft. Die Naturwissenschaft hat eine klare Falsifizierbarkeit in der Wiederholbarkeit von Experimenten. Die Geschichtswissenschaft dagegen kann nicht einfach etwas als Fakt hinnehmen, wovon es nur eine endliche Menge an Zeugenberichten undefinierter Glaubwürdigkeit gibt. Die positivistische Historik krankt am Mangel einer Theorie historischen Wissens / der Möglichkeiten historischen Wissens.
2010-09-02 19:28:27 (rückgängig machen): (plomlompom):
159a160,164
+   * '''"Positivism"''':
+     * All den metaphysischen Höhenflügen der Geschichtsphilosophen wirft sich der Positivismus entgegen, der mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit die reinen Fakten zu sammeln sucht. Ihm verdankt das 19. Jahrhundert sein eigentliches Volumen an Erzeugung historischen Wissens: während Hegel & Co. wild rumspekulierten, wirft er Fleiß, Sorgfalt, Skepsis und Unmengen an Schrift-und-Archäologie-Material. Statt Kantscher Universalgeschichte mikroskopische Spezialisierung.
+     * Rohe Materialsammlung, der Öffentlichkeit bald langweilig, den Geistmenschen bald zu ambitionslos: Wo liegt hier die Erkenntnis? Wollt ihr nicht mal, wie jede Wissenschaft, beginnen, aus den Daten Gesetzmäßigkeiten zu ziehen? Auguste Comte schlägt vor, eben das mit naturwissenschaftlicher Präzision zu versuchen und es "Soziologie" zu nennen.
+     * Darwin macht die Idee einer sich entwickelnden Natur (im Gegensatz zu einer statischen, wie sie noch Hegel pflegt) salonfähig durch sein Konzept der "natürlichen Auslese"; strenggenommen ist nicht die Idee der Evolution selbst, sondern dass sie sich auf diese Weise abspiele, Darwins' Erkenntnis-Verdienst, wie Vorformulierungen des Evolutionsgedanken z.B. bei Herder zeigen.
+     * Ein neues Bild der Natur hebt die philosophische Unvereinbarkeit von Geschichte und Natur auf. Beide unterliegen nun dem Prozess der Entwicklung; dessen Paradigma ist nun wissenschaftlich und kann als Grundlage für schließbare Gesetzmäßigkeiten gelten.
2010-09-02 19:07:18 (rückgängig machen): (plomlompom):
154c154
-     * Dialektik: Die These begreift ihr Absolutes durch ihre Antithese und gelangt so, in Überwindung des Widerspruchs, zur Synthese.
+     * Dialektik: Die These begreift ihr Absolutes durch ihre Antithese und gelangt so, in Überwindung des Widerspruchs, zur Synthese. Gedanke/These konfrontiert mit / umgesetzt in Natur/Realität schlägt um zur Antithese; die Synthese ist die Verschmelzung des ersteren mit den Erkenntnissen / den identifizierten System-Vorgaben aus dem letzteren. Die These provoziert die Antithese, bis die gemeinsame Grundlage beider erkannt wird, was dann die Synthese erlaubt. (Usw. Ich werde die Dialektik vermutlich nie begreifen.)
158a159
+     * Marx hebt die von Hegel erreichte (oder, so Collingwood, eher behauptete statt plausibel durchgesetzte) Trennung von Natur und Geschichte wieder auf; sein Geschichtsmodell ist wieder eines im Geistes des Naturalismus des 18. Jahrhunderts, der Geschichtsverlauf unterm Diktat eines Plans der Natur. Auch dialektischer Materialismus sei Materialismus, so Collingwood, wobei er leider nicht erläutert, was ihn denn vielleicht vom nicht-dialektischen Materialismus unterscheide.
2010-09-02 18:44:46 (rückgängig machen): (plomlompom):
158c158
-     * ...
+     * Hegels Jünger übernehmen die Rationalität der Geschichte, wenden sie aber verschieden oder erweitern das Set der Mitspieler. Marx übernimmt auch Hegels Eindimensionalität/Monokausalität, nur wendet er sie vom Politischen ins Ökonomische: Alle denkbaren Geschichten sind bei ihm nur Funktionen der Geschichte ökonomischer Ratio.
2010-09-02 18:32:25 (rückgängig machen): (plomlompom):
156c156
-     * Hegels Historik triumphiert dort, wo sie tatsächlich nur den Gedanken zum Gegenstand hat: in Hegels Philosophie-Geschichte. Beim Rest stolpert sie. Collingwood sieht Hegels Problem nicht darin, dass dieser versucht habe, Geschichte in logische Abfolgen aufzulösen; sondern darin, dass die Punkte dieser Abfolgen sich auf einen engen Bereich politischer Ereignisse/Formen beschränkten, die also untereinander logisch einander bedingt haben sollen, anstatt ein breiteres Panorama von Wendungen menschlicher Kultur, Kunst, Wirtschaft usw. ins Auge zu nehmen, mit denen sich alles verwebt.
+     * Hegels Historik triumphiert dort, wo sie tatsächlich nur den Gedanken zum Gegenstand hat: in Hegels Philosophie-Geschichte. Beim Rest stolpert sie. Collingwood sieht Hegels Problem nicht darin, dass dieser versucht habe, Geschichte in Rationalität / logische Abfolgen aufzulösen; sondern darin, dass die Punkte dieser Abfolgen sich auf einen engen Bereich politischer Ereignisse/Formen beschränkten, die also untereinander logisch einander bedingt haben sollen, anstatt ein breiteres Panorama von Wendungen menschlicher Kultur, Kunst, Wirtschaft usw. ins Auge zu nehmen, mit denen sich alles vielleicht weniger eindimensional, aber dennoch rational verwebe.
2010-09-02 18:31:21 (rückgängig machen): (plomlompom):
155a156,158
+     * Hegels Historik triumphiert dort, wo sie tatsächlich nur den Gedanken zum Gegenstand hat: in Hegels Philosophie-Geschichte. Beim Rest stolpert sie. Collingwood sieht Hegels Problem nicht darin, dass dieser versucht habe, Geschichte in logische Abfolgen aufzulösen; sondern darin, dass die Punkte dieser Abfolgen sich auf einen engen Bereich politischer Ereignisse/Formen beschränkten, die also untereinander logisch einander bedingt haben sollen, anstatt ein breiteres Panorama von Wendungen menschlicher Kultur, Kunst, Wirtschaft usw. ins Auge zu nehmen, mit denen sich alles verwebt.
+   * '''"Hegel and Marx"''':
+     * ...
2010-09-02 18:22:57 (rückgängig machen): (plomlompom):
149c149,155
-     * ...
+     * Hegel fügt ein Best of Herder, Kant, Fichte und Schelling zu einem kohärenten System zusammen.
+     * Hegel verneint die Vergleichbarkeit der Natur mit der Geschichte. Natur sei zyklisch oder bloße chronologische Abfolge von Ereignissen, aber keine Entwicklung; er verneint Darwins Evolutions-Theorie, bevor dieser sie überhaupt verfasste. Geschichte dagegen ist Entwicklung aus Lern- und Erfahrungsprozess, nicht zyklisch sondern bestenfalls spiralförmig, d.h. es mag immer wieder Prozesse geben, die vorherigen ähneln, aber sie sind stets aus Erfahrung der vorherigen leicht anders und tendieren in eine langfristige Neuausrichtung. Collingwood verteidigt Hegel, insoweit Geschichte von Natur dadurch unterschieden sei, dass in erstere tatsächlich bewusste Ziele und Pläne einfließen, in letztere dagegen nicht.
+     * Hegel nennt den Gedanken, nicht das Ereignis, den Gegenstand der Geschichte. Der Nachvollzug politischer Motivationen, von Denksystemen, von Ideologien, und aus denen heraus die Ereignisse begreifen; denn jede historische Handlung, nicht erst die ab der Aufklärungs-Apokalypse, ist rational; sie ist es halt nur in Bezug auf andere Prämissen, Kenntnisstände, Weltanschauungen.
+     * Hegel räumt auch mit der Verachtung für die Leidenschaft als Gegensatz zur Rationalität auf. Sie ist ihm Werkzeug oder Brennstoff der Rationalität, mit der Rationalität in dynamischer Beziehung, anstatt ihre Negation.
+     * Geschichte ist eine Logik-Kette von Konzepten, die hinter den Ereignissen stehen. Nicht eine Logik zwischen den Ereignissen an sich, aber zwischen den Denkprozessen hinter den Handlungen, die die Ereignisse erzeugen.
+     * Dialektik: Die These begreift ihr Absolutes durch ihre Antithese und gelangt so, in Überwindung des Widerspruchs, zur Synthese.
+     * Geschichte endet heute. Geschichte endet immer im Heute, so Collingwood, denn das Heute ist die einzige Perspektive, aus der wir sie erzeugen können, der Blick in die Zukunft ist uns verbaut; das ist keine Verneinung der Möglichkeit einer Weiter-Entwicklung im Morgen.
2010-09-02 17:56:23 (rückgängig machen): (plomlompom):
147c147
-     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden. (Hoffentlich ist das Hegel-Kapitel nicht noch komplizierter.)
+     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. We are the universe trying to figure itself out. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden. (Hoffentlich ist das Hegel-Kapitel nicht noch komplizierter.)
2010-09-02 17:49:55 (rückgängig machen): (plomlompom):
147c147,149
-     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden.
+     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden. (Hoffentlich ist das Hegel-Kapitel nicht noch komplizierter.)
+   * '''"Hegel"''':
+     * ...
2010-09-02 17:49:33 (rückgängig machen): (plomlompom):
145a146,147
+   * '''"Schelling"''':
+     * Geschichte ist ein Erkenntnisprozess, der das "Absolute" herausarbeitet. Die Natur wird als Objekt erforscht und als Absolutes begriffen; die Geschichte erzeugt verschiedene Fälle und Widersprüche, die in ihrem Verlauf mehr und mehr als Verwirklichungen desselben Absoluten begriffen werden; zugleich wird das Begreifen selbst Gegenstand des Forschens, der Geist begreift seine Bedingungen und erweitert so seine Möglichkeit, so dass das Gebiet des Begreifbaren (und als solches ins Absolute Überführbaren) stetig erweitert wird. Das Absolute realisiert sich in einem Geist, der Objekt wie Subjekt der Geschichte ist. Oder so ähnlich, ich hab das alles nicht so richtig verstanden.
2010-09-02 17:31:50 (rückgängig machen): (plomlompom):
142c142
-     * "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Schiller, erfahren in historischer Arbeit, verbessert Kant: philosophische Universalgeschichte, schön und gut als Erklärungsmethode für die Gegenwart, aber eben nicht brauchbar als Zukunfts-Prophetie; und Erweiterung der historisch zu betrachtenden Gegenstände von politischen Institutionen auf Kultur, Wirtschaft usw.
+     * "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Schiller, erfahren in historischer Arbeit, verbessert Kant: philosophische Universalgeschichte, schön und gut als Erklärungsmethode für die Gegenwart, aber eben nicht brauchbar als Zukunfts-Prophetie; und Erweiterung der historisch zu betrachtenden Gegenstände von politischen Institutionen auf Kultur, Wirtschaft usw. Romantischer Anklang: notwendige Einfühlung in die zu betrachtende Epoche.
144c144,145
-     * ...
+     * "Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters": Untersuchung der Gegenwart als historischer Epoche -- und wie kam sie zustande?
+     * Geschichte entwickelt sich als logisches Spiel von Konzepten in These, Antithese und Synthese. Die ursprüngliche These schlägt in ihrer Verwirklichung zu ihrem Gegenteil, der Antithese um. (Aus der Anarchie wird die Diktatur.) Die Synthese stellt beides so auf den Kopf, dass es zusammenpasst. (Der Regierte wird selbstbestimmt, insoweit er gleichzeitig Regierender, also Mitbestimmender wird.)
2010-09-02 17:12:47 (rückgängig machen): (plomlompom):
140a141,144
+   * '''"Schiller"''':
+     * "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" Schiller, erfahren in historischer Arbeit, verbessert Kant: philosophische Universalgeschichte, schön und gut als Erklärungsmethode für die Gegenwart, aber eben nicht brauchbar als Zukunfts-Prophetie; und Erweiterung der historisch zu betrachtenden Gegenstände von politischen Institutionen auf Kultur, Wirtschaft usw.
+   * '''"Fichte"''':
+     * ...
2010-09-02 17:03:22 (rückgängig machen): (plomlompom):
139a140
+     * Kant differenziert zwischen dem historischen Wissen und seinem philosophischen Interpretieren. Er hätte gerne als historisches Projekt die Synthese der beiden und übersieht dabei, dass beide noch nie voneinander getrennt möglich waren.
2010-09-02 16:59:09 (rückgängig machen): (plomlompom):
135c135
-     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein bestimmtes Ergebnis zu begreifen. Denkmodell und Metapher zur Erfassung von Regelmäßigkeiten und Ordnung: So kann man historische Gesetze genauso aufstellen wie Naturgesetze, die genaugenommen auch nichts Besseres sind.
+     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Hingezogenworden zu einem bestimmten Ergebnis zu begreifen. Denkmodell und Metapher zur Erfassung von Regelmäßigkeiten und Ordnung: So kann man historische Gesetze genauso aufstellen wie Naturgesetze, die genaugenommen auch nichts Besseres sind.
2010-09-02 16:55:51 (rückgängig machen): (plomlompom):
134c134
-     * Kant antwortet Herder aus der Tradition der Aufklärung heraus. Er nimmt die Romantiker-Idee der historischen Entwicklung und klopft sie gründlich ab. Er stellt fest: Es scheint Gesetzmäßigkeiten in der Menschheitsgeschichte zu geben, wobei diese sich nicht auf die Planung oder den Willen Einzelner zurückführen lassen. Das Bemühen, solche Gesetzmäßigkeiten herauszudestillieren, wäre ein nobles Unterfangen.
+     * Kant antwortet Herder in "Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht" aus der Tradition der Aufklärung heraus. Er nimmt die Romantiker-Idee der historischen Entwicklung und klopft sie gründlich ab. Er stellt fest: Es scheint Gesetzmäßigkeiten in der Menschheitsgeschichte zu geben, wobei diese sich nicht auf die Planung oder den Willen Einzelner zurückführen lassen. Das Bemühen, solche Gesetzmäßigkeiten herauszudestillieren, wäre ein nobles Unterfangen.
135a136,139
+     * Kant betrachtet Geschichte als von außen beschaubaren und analysierbaren Naturgegenstand und übersieht damit die Verstrickung des Historikers in seinen Gegenstand: Er nimmt an der Geschichte Teil und seine Untersuchung und Modellierung formt sie überhaupt erst.
+     * Der Plan der Geschichte ist für Kant der der Befreiung des Menschen aus ihm äußeren (Natur-)Gesetzen: der der Befreiung, so dass der Mensch endlich moralisch werden, sich seine Handlungsvorgaben selbst bestimmen kann.
+     * Die Teleologie der Natur für ihre Schöpfungen ist die Realisierung von deren Eigenart. Die Eigenart des Menschen, sein geistig-kultureller Apparat, verwirklicht sich durch das Weiterreichen und Weiterentwickeln von Idee/Wissen/Kultur; im historischen Prozess entfaltet sich naturgemäß das Große des Menschen, über das einzelne Menschenleben hinweg.
+     * Für Kant ist die Triebkraft des historischen Prozesses weder die menschliche Weisheit, noch Gottes Wille, sondern blinde und antisoziale Leidenschaft: Stolz, Eifer, Gier. Aus deren entzweiender Kraft betreibt die Natur die Fortentwicklung der menschlichen Gesellschaft hin zu einem rationalen Utopia, wo diese niederen Eigenschaften sich selbst abschaffen. Hier wieder die aufklärerische Apokalypse zwischen irrationalem Gestern und rationalem Morgen, wenn auch mit mehr Verständnis für die Entwicklungslinien, die vom einen zum anderen führen.
2010-09-02 16:48:19 (rückgängig machen): (plomlompom):
135c135
-     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein bestimmtes Ergebnis zu begreifen.
+     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein bestimmtes Ergebnis zu begreifen. Denkmodell und Metapher zur Erfassung von Regelmäßigkeiten und Ordnung: So kann man historische Gesetze genauso aufstellen wie Naturgesetze, die genaugenommen auch nichts Besseres sind.
2010-09-02 16:23:57 (rückgängig machen): (plomlompom):
135c135
-     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein Ergebnis zu begreifen.
+     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein bestimmtes Ergebnis zu begreifen.
2010-09-02 16:23:44 (rückgängig machen): (plomlompom):
132a133,135
+   * '''"Kant"''':
+     * Kant antwortet Herder aus der Tradition der Aufklärung heraus. Er nimmt die Romantiker-Idee der historischen Entwicklung und klopft sie gründlich ab. Er stellt fest: Es scheint Gesetzmäßigkeiten in der Menschheitsgeschichte zu geben, wobei diese sich nicht auf die Planung oder den Willen Einzelner zurückführen lassen. Das Bemühen, solche Gesetzmäßigkeiten herauszudestillieren, wäre ein nobles Unterfangen.
+     * Kritische Übernahme der historischen Teleologie: Es mag keinen ausformulierten Plan der Natur zu diesem oder jenen Ziel hin geben, aber es macht Sinn, historische Entwicklungen so zu begreifen, ihnen große Pläne als Metaphern aufzuerlegen. Teleologie nicht als Wahrheit, aber als produktives Denkmodell. Vorwegnahme all der Schwierigkeiten, Evolution als nicht-zielstrebiges Streben hin auf ein Ergebnis zu begreifen.
2010-09-02 16:08:22 (rückgängig machen): (plomlompom):
126a127,132
+   * '''"Herder"''':
+     * "Ideen zur Philosophie der Menschheitsgeschichte" ein Kurzweil-de-Chardin-Narrativ der kosmischen Evolution von Intelligenz/Geist aus Natur/Materie, von der Bildung des Sonnensystems bis zur Entstehung des Menschen: der Mensch als rationaler Endpunkt der Naturgeschichte.
+     * Ab da dann rassistisches Narrativ: Die verschiedenen Menschenformen entwickeln je einen eigenen Charakter aufgrund der sie umgebenden Naturgegebenheiten. Dieser Charakter bleibt statisch und bestimmt die Gesellschaften/Zivilisationen, die sich die verschiedenen Menschenrassen bauen.
+     * Die Eigenheit der europäischen Rasse ist das Vermögen zur geschichtlichen Fortentwicklung ihrer Zivilisation; die Chinesen haben keine Geschichte, also keine sich anreichernde Veränderung ihrer gesellschaftlichen Vorhaben, sondern werden immer entlang der gleichen Orientierungslinien ihre Zivilisation bauen.
+     * Herders Rassenbild ist statisch/substanzialistisch, aber dafür bricht er den absoluten, einheitlichen Menschenbegriff der Aufklärung auf: Es gibt nicht mehr ''den'' Menschen und damit auch keinen natürlichen menschlichen Charakter mehr. Gesellschaftliche Lösungen mögen dem einen Menschentypus gerecht sein, dem anderen aber nicht. Es gibt keine klare Besser-oder-schlechter-Hierarchie mehr für das gesamte Menschengeschlecht.
+     * Rassenlehre-Begründung der Anthropologie.
2010-09-02 15:46:27 (rückgängig machen): (plomlompom):
111c111
-       * Die Vergangenheit ist Abhängigkeit des Menschen: für Montesquieu ist die vergangene Geschichte der Menschen bestimmt durch die Naturgegebenheiten ihrer Umwelt; für GIbbon durch ihre Irrationalität und Barbarei. Hier ist kein Vorbild zu finden. Wende dich angewidert ab.
+       * Die Vergangenheit ist Abhängigkeit des Menschen: für Montesquieu ist die vergangene Geschichte der Menschen bestimmt durch die Naturgegebenheiten ihrer Umwelt; für Gibbon durch ihre Irrationalität und Barbarei. Hier ist kein Vorbild zu finden, alles ist wertlos. Wende dich angewidert ab.
122c122,126
-     * ...
+     * Rousseau.
+     * Die Aufklärer glauben an den aufgeklärten Herrscher, der die für sich dumpfe Masse durch seine weise Politik erhebt. Die Romantiker glauben an den Volkswillen, der durch Volksbildung souverän werden muss.
+     * Der Volkswille formt die Gesellschaft, und den Volkswillen gab es schon immer. Wie entwickelt er sich, wie lernt er? Er hatte in jeder Epoche aus ihren Bedingungen seine Berechtigung. Ob nun also Antike oder Mittelalter: Jede dieser Epochen ist eine Betrachtung und Würdigung aus sich selbst heraus wert.
+     * Jede Epoche ist Teil eines großen historischen Entwicklungsprozesses und hat als solcher ihre Berechtigung und ihre Bedeutung für unser Heute. Keine verdient also Verachtung.
+     * Gelegentlich Tendenz zur Nostalgisierung des Vergangenen und dessen, was von der Weiterentwicklung überwunden wurde, wenn sich der Romantiker nicht zusammenreißt. Rousseau hat seine Verherrlichung des Wilden spätestens mit dem Gesellschaftsvertrag überwunden.
2010-09-02 15:28:57 (rückgängig machen): (plomlompom):
119a120,122
+ * '''"Part III: The Threshold of Scientific History"''':
+   * '''"Romanticism"''':
+     * ...
2010-09-01 04:57:35 (rückgängig machen): (plomlompom):
96c96
-     * Kritik am Glauben, historische Personen hätten in den selben Wert- und Wissens-Kategorien gedacht wie man selbst.
+     * Kritik an Annahmen, historische Personen hätten in den selben Wert- und Wissens-Kategorien gedacht wie man selbst.
2010-09-01 04:56:11 (rückgängig machen): (plomlompom):
112c112
-       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation/Selbstbestimmung des Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
+       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation/Selbstbestimmung der Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
115a116,119
+   * '''"The science of human nature"''':
+     * Letztes Aufbäumen des antiken Substanzialismus: Die Geschichte ändert sich, die menschliche Natur aber ist ewig, seit Anbeginn unverändert und über den ganzen Planeten hinweg gleich.
+     * So wie wir die Probleme der Natur beseitigen, indem wir sie wissenschaftlich erschließen, können wir auch die Probleme des Menschen beseitigen, indem wir ihn wissenschaftlich erschließen.
+     * Collingwood hält gegen: Ein verändertes Selbstbild des Menschen verändert den Menschen. Es schabt nicht einfach nur alte Probleme ab; es schafft so auch neue.
2010-09-01 04:37:23 (rückgängig machen): (plomlompom):
112c112
-       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation des Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
+       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation/Selbstbestimmung des Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
2010-09-01 04:36:54 (rückgängig machen): (plomlompom):
109c109
-     * Die Aufklärer verachten die prä-rationalen Zeiten, halten alles prä 15. Jahrhundert für unbedeutend und auch nicht hinreichend sicher ergründbar. 
+     * Die Aufklärer verachten die vor-rationalen Zeiten, halten alles prä 15. Jahrhundert für unbedeutend und auch nicht hinreichend sicher ergründbar. 
2010-09-01 04:36:32 (rückgängig machen): (plomlompom):
108c108
-     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und den dumpfe, geistlosen Mob.
+     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und den dumpfen, geistlosen Mob.
2010-09-01 04:36:09 (rückgängig machen): (plomlompom):
108c108
-     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und die dumpfe, geistlose Masse.
+     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und den dumpfe, geistlosen Mob.
110c110
-     * Apokalyptisches Geschichtsbild:
+     * apokalyptisches Geschichtsbild:
2010-09-01 04:35:06 (rückgängig machen): (plomlompom):
104a105,115
+   * '''"The Enlightenment"''':
+     * Vico: Der Übergang von der Barbarei zur aufgeklärten Vernunft ist der von der Poesie zur Prosa; von der Kunst zur Philosophie; von der Erfindung zur Vernunft; die Religion ist eine Zwischenstufe.
+     * Voltaire/Aufklärer: Religion ist Fehler oder Betrug einer hinterhältigen Priesterkaste Instrument zur Kontrolle der Massen. Mit Hass und Vorurteilen verbauen diese Aufklärer sich einen nüchternen und ergebnisoffenen Geschichtsblick. Sie haben auch gar kein Interesse daran; historische Arbeit ist ihnen nur ein weiteres Mittel der Polemik, des Kampfes.
+     * Institutionen sind für Aufklärer das Erzeugnis rationaler Menschenplanung Einzelner über die Masse; so sehen sie auch die Religion. Die Anhänger der Religion freilich sind irrationale Narren. Es gibt für die Aufklärung nur den geretteten Vernunftgeist und die dumpfe, geistlose Masse.
+     * Die Aufklärer verachten die prä-rationalen Zeiten, halten alles prä 15. Jahrhundert für unbedeutend und auch nicht hinreichend sicher ergründbar. 
+     * Apokalyptisches Geschichtsbild:
+       * Die Vergangenheit ist Abhängigkeit des Menschen: für Montesquieu ist die vergangene Geschichte der Menschen bestimmt durch die Naturgegebenheiten ihrer Umwelt; für GIbbon durch ihre Irrationalität und Barbarei. Hier ist kein Vorbild zu finden. Wende dich angewidert ab.
+       * Die Zukunft, als Ergebnis der Offenbarung Aufklärung/Wissenschaft, ist die Emanzipation des Menschen in Vernunft und "liberty and pursuit of happiness" (p. 80); hier wollen wir hin, hierauf planen wir.
+     * In ihrer Ahistorizität weiß die Aufklärung auch keine Erklärung für ihre eigene Herkunft: Sie erscheint aus dem Nichts und wirft die alte Welt um.
+     * Das Geschichtsbild der Aufklärung ist das christliche, nur oberflächlich invertiert.
+     * Und dennoch, so plump und unsensibel/unreflektiert die Aufklärung auch auftritt, so zerbricht sie doch alte Dogmen und forciert neue Perspektiven und Untersuchungsgegenstände; Netto-Gewinn.
2010-09-01 03:55:55 (rückgängig machen): (plomlompom):
99a100,104
+   * '''"Anti-Cartesianism: (i) Locke, Berkeley and Hume"''':
+     * Descartes' Idealismus angreifen. Es gibt keine Ideen aus sich selbst heraus, nur solche aus Anhäufungen von Erfahrungen, oft über Generationen hinweg, also historisch. Es gibt kein absolutes Wissen, nur ein vielleicht erstmal hinreichendes. Der Abgrund zwischen Idee und Ding ist für die Untersuchung der Entwicklung von Ideensystemen, wie sie die Historie versucht, irrelevant.
+     * Theoretisieren über die Möglichkeiten historischen Wissens: Wie verläuft die Kommunikationsstrecke von Vergangenheit zur Erkenntnis des Historikers? Der Augenzeuge, sein Bericht, die Niederschrift, ihre Kopie, ihre Lektüre, das entsprechend bestimmter geglaubter Prämissen stärker oder schwächer begründete Vertrauen in sie. Dass dieser Grad von Wissen auch nicht niedriger steht als andere Wissensvorgänge. Siehe Hume, hier, zweiter Absatz, Caesar: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0024
+     * Auch interessant, vierter Absatz: http://www.gutenberg.org/files/4705/4705-h/4705-h.htm#2H_4_0033 Sinkt die Verlässlichkeit eines historischen Berichts, je weiter die Vergangenheit entfernt ist, je länger die Kopien-Kette zu ihr reichen muss?
+     * Die Geschichte war von Descartes als unwissenschaftlich gegenüber absoluten Wissensformen wie Mathematik und Physik in den Boden getreten worden. Hume erhebt relativ die Geschichte, indem er die Sicherheiten von Mathematik und Physik einreißt. Deren Arroganz macht sie angreifbar; Geschichte dagegen ist nicht so arrogant, beansprucht keine Absolutheit des Wissens, stürzt also auch nicht so hoch vom Sockel.
2010-08-31 19:40:41 (rückgängig machen): (plomlompom):
60c60
-   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (i) Substantialism"''':
+   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (ii) Substantialism"''':
2010-08-31 19:40:09 (rückgängig machen): (plomlompom):
94c94
-     * Vico parallelisiert geschichtliche Epochen: die Ähnlichkeit des europäischen Mittelalter mit Homers Griechenland. Allgemeine Perioden-Entwicklungs-Modelle, aber nicht strikt zyklisch und vorhersagend, sondern spiralförmig und ergebnisoffen. Modelle zur Erzeugung von Arbeits-Hypothesen zum Ausfüllen von Lücken, bis eine bessere Lösung da ist.
+     * Vico parallelisiert geschichtliche Epochen: die Ähnlichkeit des europäischen Mittelalters mit Homers Griechenland. Allgemeine Perioden-Entwicklungs-Modelle, aber nicht strikt zyklisch und vorhersagend, sondern spiralförmig und ergebnisoffen. Modelle zur Erzeugung von Arbeits-Hypothesen zum Ausfüllen von Lücken, bis eine bessere Lösung da ist.
98a99
+     * Stattdessen Rekonstruktion der Vergangenheit: im Nachdenken über das Zustandekommen überlieferter Redewendungen und Traditionen. Spuren suchen und kritisch und vergleichend interpretieren. (Vorher gab es nur die Möglichkeit, eine Autorität eins zu eins beim Wort zu nehmen oder sie einen Lügner zu nennen.)
2010-08-31 19:04:35 (rückgängig machen): (plomlompom):
98c98
-     * Kritik an der Autoritäten-Abhängigkeit: Man kann auch aus dem Heute neues Wissen über die Vergangenheit gewinnen, vorbei an der Autorität früherer Historiker; die waren an der Zeit vielleicht näher dran, hatten aber auch vielleicht trotzdem weniger Zugang zu der Vergangenheit, die außerhalb ihrer unmittelbaren Nähe lag.
+     * Kritik an der Autoritäten-Abhängigkeit: Man kann auch aus dem Heute neues Wissen über die Vergangenheit gewinnen, vorbei an der Autorität früherer Historiker; die waren an der Zeit vielleicht näher dran, hatten aber auch weniger Zugang zu der Vergangenheit, die außerhalb ihrer unmittelbaren Nähe lag.
2010-08-31 19:00:28 (rückgängig machen): (plomlompom):
88c88
-     * Kritik an der Geschichts-Kritik von Descartes. Für Descartes kann es keine Wissenschaft von der Geschichte geben, sondern nur von so etwas wie Mathematik und Physik. Da sei kein hinreichend standfestes kritisches Instrumentarium möglich.
+     * Kritik an der Geschichts-Kritik von Descartes. Für Descartes kann es kein wissenschaftliches Wissen von der Geschichte geben, sondern nur von so etwas wie Mathematik und Physik. Bei Geschichte sei kein hinreichend standfestes kritisches Instrumentarium möglich; ihr Gegenstand, die Vergangenheit, nicht mit wissenschaftlicher Härte greifbar/beweisbar.
91a92,98
+   * '''"Anti-Cartesianism: (i) Vico"''':
+     * Kritik an Descartes' Wissens-Begriff, an der Idee, dass Mathematik und Physik irgendwie als absolutes Wissen privilegiert, statt auch nur sehr erfolgreiche menschliche Ideen seien. Mathematik und Physik beweisen die Existenz der äußeren Welt genauso wenig, wie Geschichte die Existenz der Vergangenheit beweist. Dem Historiker geht es weniger um den Beweis, die Vergangenheit habe existiert, als darum, die Gegenwart aus Thesen über die Vergangenheit zu erklären.
+     * Vico parallelisiert geschichtliche Epochen: die Ähnlichkeit des europäischen Mittelalter mit Homers Griechenland. Allgemeine Perioden-Entwicklungs-Modelle, aber nicht strikt zyklisch und vorhersagend, sondern spiralförmig und ergebnisoffen. Modelle zur Erzeugung von Arbeits-Hypothesen zum Ausfüllen von Lücken, bis eine bessere Lösung da ist.
+     * Kritik an wertenden Vorurteilen über Epochen oder Nationen als Grundlage von deren Analyse.
+     * Kritik am Glauben, historische Personen hätten in den selben Wert- und Wissens-Kategorien gedacht wie man selbst.
+     * Kritik an zu einfachen Vererbungsthesen. Ein kulturelles Wissen wandert nicht einfach so vollständig und ungefiltert von einem Ort zum nächsten.
+     * Kritik an der Autoritäten-Abhängigkeit: Man kann auch aus dem Heute neues Wissen über die Vergangenheit gewinnen, vorbei an der Autorität früherer Historiker; die waren an der Zeit vielleicht näher dran, hatten aber auch vielleicht trotzdem weniger Zugang zu der Vergangenheit, die außerhalb ihrer unmittelbaren Nähe lag.
2010-08-31 18:28:01 (rückgängig machen): (plomlompom):
86c86,91
-     * Befreiung vom Korsett des Großen Plans: Historia darf wieder Fakten um ihrer selbst Willen aufzeichnen/erinnern. Neue Methoden hierfür, analog der sich langsam herausschälenden wissenschaftlichen Revolution?
+     * Befreiung vom Korsett des Großen Plans: Historia darf wieder Fakten um ihrer selbst Willen aufzeichnen/erinnern. Neue Methoden hierfür, analog der sich langsam herausschälenden wissenschaftlichen Revolution (17. Jahrhundert)?
+   * '''"Descartes"''':
+     * Kritik an der Geschichts-Kritik von Descartes. Für Descartes kann es keine Wissenschaft von der Geschichte geben, sondern nur von so etwas wie Mathematik und Physik. Da sei kein hinreichend standfestes kritisches Instrumentarium möglich.
+   * '''"Cartesian historiography"''':
+     * Jemand wie Descartes provoziert so eine neue kritische Methodik der Historiographie, die den Weg zur Geschichtswissenschaft öffnet: Autoritäten anzweifeln, Quellen vergleichen, Text mit überprüfbaren Beweisen abgleichen (Archäologie?); die Genese von Traditionen erforschen und sie als Einflussfaktor in das Verstehen und Interpretieren von Quellen einfließen lassen.
+     * Leibniz startet die Geschichte der Philosophie bzw. philosophischer Traditionen und Emergenzen.
2010-08-31 18:07:52 (rückgängig machen): (plomlompom):
83a84,86
+   * '''"The Renaissance historians"''':
+     * Die Renaissance führt wieder den Humanismus ein; der Mensch, den sie in den Mittelpunkt stellt, ist aber ein christliches Bild: der Leidenschafts- statt Intellekt-Geleitete.
+     * Befreiung vom Korsett des Großen Plans: Historia darf wieder Fakten um ihrer selbst Willen aufzeichnen/erinnern. Neue Methoden hierfür, analog der sich langsam herausschälenden wissenschaftlichen Revolution?
2010-08-31 17:58:30 (rückgängig machen): (plomlompom):
69c69
-     * Die Motivation des christlichen Gottes steht hinter allem, wird aber auch immer ungreifbarer. Das unterscheidet die christliche Historiographie von der früheren mythischen. Es gibt keinen einfach erfass- oder ausdrückbaren Willen mehr hinter jedem historischen Ergebnis -- weder göttlich, noch -- wie vorher bei den Römern -- menschlich.
+     * Die Motivation des christlichen Gottes steht hinter allem, wird aber auch immer ungreifbarer. Das unterscheidet die christliche Historiographie von der früheren mythischen. Es gibt keinen einfach erfass- oder ausdrückbaren Willen mehr hinter jedem historischen Ergebnis, weder göttlich, noch -- wie vorher bei den Römern -- menschlich.
2010-08-31 17:57:01 (rückgängig machen): (plomlompom):
79,81c79,83
-     * Update der Ideologie, aber nicht der Methodik; die bleibt auf dem Stand der Römer.
-     * Der Wille der Geschichte (des Großen Plans) ist für ihre Teilnehmer undurchsichtig und unaufhaltsam, kein noch so großer Mann kann ihn überwältigen oder aufhalten: Jede seiner Taten ist, ob erkannt oder unerkannt, bereits Teil von Gottes Plan. Wer sich gegen die Geschichte zu stellen versucht, kann höchstens eines gewinnen: das Höllenfeuer.
-     * "Thus medieval historiography looked forward to the end of history as something foreordained by God and through revelation foreknown to man" (p. 54)
+     * Update der Ideologie, aber nicht der verfügbaren Methodik; die bleibt auf dem Stand der Römer und wird noch abgeschwächt durch völlige Unterordnung und Reduzierung des Gegenstandes auf das, was ins neue theologische Geschichtsbild passt.
+     * Der Wille der Geschichte (des Großen Plans) ist für ihre Teilnehmer unaufhaltsam, kein noch so großer Mann kann ihn überwältigen: Jede seiner Taten ist, ob erkannt oder unerkannt, bereits Teil von Gottes Plan. Wer sich gegen die Geschichte zu stellen versucht, kann höchstens eines gewinnen: das Höllenfeuer.
+     * "Thus medieval historiography looked forward to the end of history as something foreordained by God and through revelation foreknown to man" (p. 54); Kritik der Eschatologie, easy übertragbar auf Kurzweil-Singularitarianismus. Transzendente Eschatologie, verlässt die Studie der Handlungen von Menschen, denn die Handlungen von Menschen sind ja nur Funktion des Großen Plans, und studiert werden soll letzteres, nicht ersteres.
+     * "What has happened here is that the pendulum of thought has swung from an abstract and one-sided humanism in Greco-Roman historiography to an equally abstract and one-sided theocentric view in medieval." Desinteresse für die Handlungen der Menschen, die eh nichts bewirken und die dann auch gar nicht mehr allzu eifrig recherchiert oder aufgezeichnet zu werden brauchen.
+     * Kein Naserümpfen: Auch heute wieder sind wir mehr am ideologischen Interpretieren von Geschichte interessiert als am Sammeln von Fakten. Parallelen zur mittelalterlichen Historiographie: Geschichte als Funktion von Theorie, nicht umgekehrt. Am Horizont: Postmodernes Desinteresse an der harten Wahrheit.
2010-08-31 17:36:35 (rückgängig machen): (plomlompom):
74c74
-       * providenzialistisch/teleologisch: alles führt auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
+       * providenzialistisch/teleologisch: alles emergiert auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
79c79,81
-     * ...
+     * Update der Ideologie, aber nicht der Methodik; die bleibt auf dem Stand der Römer.
+     * Der Wille der Geschichte (des Großen Plans) ist für ihre Teilnehmer undurchsichtig und unaufhaltsam, kein noch so großer Mann kann ihn überwältigen oder aufhalten: Jede seiner Taten ist, ob erkannt oder unerkannt, bereits Teil von Gottes Plan. Wer sich gegen die Geschichte zu stellen versucht, kann höchstens eines gewinnen: das Höllenfeuer.
+     * "Thus medieval historiography looked forward to the end of history as something foreordained by God and through revelation foreknown to man" (p. 54)
2010-08-31 16:15:53 (rückgängig machen): (plomlompom):
78a79
+     * ...
2010-08-31 16:13:17 (rückgängig machen): (plomlompom):
77c77,78
-     * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians."
+     * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians." (p. 52)
+   * '''"Medieval historiography"''':
2010-08-31 16:12:20 (rückgängig machen): (plomlompom):
71,77c71,77
-  * '''"Characteristics of Christian historiography"''':
-    * Christliche Geschichtsschreibung ist:
-      * universalistisch statt partikularistisch: umfasst die gesamte Menschheit, in einem gemeinsamen Zeitstrahl, von ihrer Schöpfung an; chronologische Vereinheitlichung
-      * providenzialistisch/teleologisch: alles führt auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
-      * apokalyptisch: die Geschichte hat als Höhepunkt (und NothingIsTheSameAnymore) die Offenbarung (den Propheten Jesus Christus), und ist hier in ein sich vorbereitendes und zum Höhepunkt zuspitzendes Vorher und ein erleuchtetes Nachher geteilt (vgl. Renaissance, Aufkärung, Singularität)
-      * periodisch: weitere Unterteilungen in beiden Teilen entlang wichtiger, "epochaler" göttlicher Umgestaltungen; Geschichte als Abfolge von Epochen
-   * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians."
+   * '''"Characteristics of Christian historiography"''':
+     * Christliche Geschichtsschreibung ist:
+       * universalistisch statt partikularistisch: umfasst die gesamte Menschheit, in einem gemeinsamen Zeitstrahl, von ihrer Schöpfung an; chronologische Vereinheitlichung
+       * providenzialistisch/teleologisch: alles führt auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
+       * apokalyptisch: die Geschichte hat als Höhepunkt (und NothingIsTheSameAnymore) die Offenbarung (den Propheten Jesus Christus), und ist hier in ein sich vorbereitendes und zum Höhepunkt zuspitzendes Vorher und ein erleuchtetes Nachher geteilt (vgl. Renaissance, Aufkärung, Singularität)
+       * periodisch: weitere Unterteilungen in beiden Teilen entlang wichtiger, "epochaler" göttlicher Umgestaltungen; Geschichte als Abfolge von Epochen
+     * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians."
2010-08-31 16:11:41 (rückgängig machen): (plomlompom):
68a69,77
+     * Die Motivation des christlichen Gottes steht hinter allem, wird aber auch immer ungreifbarer. Das unterscheidet die christliche Historiographie von der früheren mythischen. Es gibt keinen einfach erfass- oder ausdrückbaren Willen mehr hinter jedem historischen Ergebnis -- weder göttlich, noch -- wie vorher bei den Römern -- menschlich.
+     * Gottes Wille wird verwirklicht durch das Zusammenspiel der individuellen Getriebenheiten/Willen aller Einzelnen. (Klingt verdächtig nach Adam Smith.) Die gesamte Menschheit ist Teil dieses historischen Marktes, nicht nur ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Nation.
+  * '''"Characteristics of Christian historiography"''':
+    * Christliche Geschichtsschreibung ist:
+      * universalistisch statt partikularistisch: umfasst die gesamte Menschheit, in einem gemeinsamen Zeitstrahl, von ihrer Schöpfung an; chronologische Vereinheitlichung
+      * providenzialistisch/teleologisch: alles führt auf die Erfüllung eines Plans (der Vorhersehung) zu, egal was einzelne Protagonisten wollen
+      * apokalyptisch: die Geschichte hat als Höhepunkt (und NothingIsTheSameAnymore) die Offenbarung (den Propheten Jesus Christus), und ist hier in ein sich vorbereitendes und zum Höhepunkt zuspitzendes Vorher und ein erleuchtetes Nachher geteilt (vgl. Renaissance, Aufkärung, Singularität)
+      * periodisch: weitere Unterteilungen in beiden Teilen entlang wichtiger, "epochaler" göttlicher Umgestaltungen; Geschichte als Abfolge von Epochen
+   * "All these elements, so familiar in modern historical thought, are totally absent from Greco-Roman historiography and were consciously and laboriously worked out by the early Christians."
2010-08-31 15:43:21 (rückgängig machen): (plomlompom):
64a65,68
+ * '''"Part II: The Influence of Christianity"'''
+   * '''"The leaven of Christian ideas"''':
+     * Menschenbildumkehr: Der Mensch ist von Grund auf, unausweichlich bedrängt von seiner Erbsünde, unfähig zu Selbststeuerung und Durchblick, wie sie ihm der Stoizismus abverlangte. Ab jetzt macht wieder ein Gott die Leitentscheidungen.
+     * Nur Gott ist noch des Ewigwährende und Universale, alles Andere seine durch ihn jederzeit veränderbare Schöpfung. Gott wiederum ist unbegreifbar, also ist das Ewigwährende und Universale nicht Gegenstand des Begreifens; diese Substanzform wird immer weiter ins heilige Abseits gedrängt, während immer mehr das Veränderliche Gegenstand des Begreifens wird.
2010-08-30 16:10:26 (rückgängig machen): (plomlompom):
64c64
-     * All das ist in der antiken Faszination für das Univerale und Ewigwährende begründet, dem die Veränderungen der Gegenwart nur rhythmisches Zucken sind.
+     * All das ist in der antiken Faszination für die universale und ewigwährende Substanz begründet, der die erfahrbaren Gegenstände und Veränderungen der Gegenwart nur rhythmisches Zucken sind.
2010-08-30 16:09:54 (rückgängig machen): (plomlompom):
59c59,64
-     * Stattdessen: Obsession mit individueller Personifizierung historischer Prozesse: die Helden und Schurken. Geschichte als das Ergebnis freier, moralischer menschlicher Entscheidungen. Der Einzelne als völlig frei und selbstbestimmt in seinem Willen, historische Prozesse gelenkt von klaren Zielen und Stoßrichtungen.
+     * Stattdessen: Obsession mit individueller Personifizierung historischer Prozesse: die Helden und Schurken. Geschichte als das Ergebnis freier, moralischer menschlicher Entscheidungen. Der Einzelne als völlig frei und selbstbestimmt in seinem Willen (Stoizismus), historische Prozesse gelenkt von klaren Zielen und Stoßrichtungen.
+   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (i) Substantialism"''':
+     * Für Herodot gehen die Ereignisse vor, für alle antiken Historiker nach ihm die Prinzipien, die hinter diesen Ereignissen vermutet werden und denen ihre Beschreibung notfalls angepasst werden muss.
+     * Diese Prinzipien sind stets statisch und universell; das Ereignis ist ihnen nur eine profane, untergeordnete Instanz. Es gibt keinen Raum für Entwicklung; alles war schon immer so, im Zweifelsfall halt versteckterweise.
+     * Rom ist die Ewige Stadt, denn Rom war nie anders, als Livius oder Tacitus es aus ihrer Gegenwart kannten. Rom ist Subjekt, nicht Objekt historischer Vorgänge.
+     * All das ist in der antiken Faszination für das Univerale und Ewigwährende begründet, dem die Veränderungen der Gegenwart nur rhythmisches Zucken sind.
2010-08-30 15:53:53 (rückgängig machen): (plomlompom):
57a58,59
+     * Unbestreitbarer Verdienst der griechisch-römischen Geschichtsschreibung: die Verbannung der Götter.
+     * Stattdessen: Obsession mit individueller Personifizierung historischer Prozesse: die Helden und Schurken. Geschichte als das Ergebnis freier, moralischer menschlicher Entscheidungen. Der Einzelne als völlig frei und selbstbestimmt in seinem Willen, historische Prozesse gelenkt von klaren Zielen und Stoßrichtungen.
2010-08-30 15:43:22 (rückgängig machen): (plomlompom):
55a56,57
+     * Spätestens mit den Römern ist Geschichtsschreibung als kritische Methode und Reflektion auf dem absteigenden Ast.
+   * '''"Character of Greco-Roman historiography: (i) Humanism"''':
2010-08-30 15:40:23 (rückgängig machen): (plomlompom):
54a55
+     * Bei Tacitus stoische Logik von der Würde des Einzelnen abgetrennt von seinem historischen Kontext. Der Held oder Bösewicht handelt so aus seinem Inneren heraus, nicht weil die Ereignisse ihn bestimmen würden.
2010-08-30 15:31:51 (rückgängig machen): (plomlompom):
54c54
-     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch zurechtgestutzter Charaktere.
+     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch und empathiefrei zurechtgestutzter Charaktere.
2010-08-30 15:31:37 (rückgängig machen): (plomlompom):
54c54
-     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch hingeformter Charaktere.
+     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch zurechtgestutzter Charaktere.
2010-08-30 15:31:24 (rückgängig machen): (plomlompom):
54c54
-     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel von Charakterkämpfen.
+     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel der Kämpfe moralistisch hingeformter Charaktere.
2010-08-30 15:30:58 (rückgängig machen): (plomlompom):
52a53,54
+     * Anstatt ihn weiterzuentwickeln, institutionalisierte, traditionalisierte und versteinerte Rom den Hellenismus. Kein wissenschaftlicher oder kultureller Fortschritt; Collingwood gönnt als einzigen neuen Input ein bisschen keltische Kunstfertigkeit und den Neoplatonismus.
+     * Tacitus regrediert zur moralistischen Nabelschau; interessiert sich für die Welt nur noch aus der Sicht eines tagespolitisch orientierten Senators isoliert in der Stadt Rom; vermeidet die Mühe, irgendwas außerhalb der direkt erfahrenen Nähe irgendeiner Kritik oder einem Vergleich auszusetzen; reduziert hollywoodisch Geschichte auf das Spektakel von Charakterkämpfen.
2010-08-30 15:17:22 (rückgängig machen): (plomlompom):
52c52
-     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend ''ab urbe condita'', aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit Eingeständnis von Unverlässlichkeiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
+     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend ''ab urbe condita'', aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit gelegentlichem Eingeständnis von Unsicherheiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
2010-08-30 15:16:24 (rückgängig machen): (plomlompom):
52c52
-     * 
+     * Rom ist die Welt, und Livius kompiliert eine Universalgeschichte dieser Welt / der Zivilisation, ein Dreivierteljahrtausend ''ab urbe condita'', aus allen verfügbaren Texten/Legenden, mit Eingeständnis von Unverlässlichkeiten seiner Vorlagen. Erzählungen über die Zeit vor der Stadtgründung behandelt er als unfalsifizierbare Behauptung, alles ab Stadtgründung nimmt er ernster.
2010-08-30 15:04:54 (rückgängig machen): (plomlompom):
50a51,52
+   * '''"Livy and Tacitus"''':
+     * 
2010-08-30 15:04:19 (rückgängig machen): (plomlompom):
47a48,50
+     * Die Römer, im Gegensatz zu den Griechen, glaubten nicht an den Wandel, sondern an die Kontinuität, an die Tradition, an die Institution. "The Romans, acutely conscious of their own continuity with their past, were careful to preserve memorials of that past: they not only kept their ancestral portraits in the house, as a visible symbol of the continuing and watchful presence of their forefathers directing their own life, but they preserved ancient traditions of their own corporate history to an extent unknown to the Greeks." (p. 34)
+     * Geburt nationalistischer Geschichtsschreibung, auch wenn die Genese der Nation noch ins Mythische ausgeblendet wird; sie ist bei Polybius ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem erst historisches Festhalten möglich ist, bereits ''ready-made'' da.
+     * Auch für Polybius ist Geschichte keine Wissenschaft, sondern ein Erfahrungsschatz. Er dient aber nicht mehr als Anleitung für eigenes politisches Handeln, sondern demonstriert die Gewalt wechselhaften Schicksals über die Einzelnen; Geschichte, sobald sie als etwas Großes außerhalb der Reichweite eines einzelnen Willen und Bewusstseins begriffen wird, kann vom Einzelnen nicht gestaltet, muss von ihm ertragen, akzeptiert werden. Er ziehe aus ihr Material für stoische Reflektion.
2010-08-30 14:47:47 (rückgängig machen): (plomlompom):
43c43,47
-     * Bereits Thukydides gibt nach; wo Herodot noch Ereignisse um ihrer selbst Willen protokollieren wollte, ist Thukydides bereits anzumerken, dass er sich nur noch für sie als Instanzen zu demonstrierender psychologischer/ethischer Regeln und einer eigenen Wertung interessiert. Was er an Reden seinen Figuren in den Mund legt, ist offenkundig seine eigene Erfindung, statt Ergebnis von Recherche.
+     * Bereits Thukydides gibt nach; wo Herodot noch Ereignisse um ihrer selbst Willen protokollieren wollte, ist Thukydides bereits anzumerken, dass er sich nur noch für sie als Instanzen zu ergründender universeller psychologischer/ethischer Regeln interessiert. Was er an Reden seinen Figuren in den Mund legt, ist offenkundig seine eigene Erfindung, statt Ergebnis von Recherche.
+   * '''"The Hellenistic period"''':
+     * Die griechische Geschichtsschreibung des fünften Jahrhunderts ist isolationistische Nabelschau der kleinen Nähe. Post Alexander ist die Geschichtsschreibung des Hellenismus naturgemäß eine expansive und integrative. Geschichte wird jetzt über große räumliche und zeitliche Fernen gesammelt; naturgemäß muss hierfür der Flaschenhals des eigenen Verhörs von Augenzeugen verlassen werden. Stattdessen: "Patchwork"-History aus den Texten anderer Historiker. Verlässlichkeit von Geschichte muss so notgedrungen auf das Vertrauen in Historiker-Autoritäten setzen, die vor Ort Augenzeugenberichte sammelten, die vom Kompilierer nicht mehr überprüfbar sind.
+     * "Jut as the past achievements of great artists gave people a sense that artistic styles other than that of their own day were valuable, so that a generation of literary and artistic scholars and dilettanti arose for whom the preservation and enjoyment of classical art was an end in itself, so therearose historians of a new type who could feel themselves imaginatively as contemporaries of Herodotus and Thucydides while yet remaining men of their own time and able to compare their own times with the past. This past the Hellenistic historians could feel as their own past, and thus it became possible to write a new kind of history with a dramatic unity of any size, so long as the historian could collect materials for it and could weld them into a single story." (p. 33)
+   * '''"Polybius"''':
2010-08-30 06:55:01 (rückgängig machen): (plomlompom):
40a41,43
+   * '''"Herodotus and Thucydides"''':
+     * Herodot und Thukydides aber waren einsame historische Inseln; ihr Interesse für den Trubel menschlicher Handlungen der näheren Vergangenheit unterlag der sich verhärtenden antihistorischen Tendenz ihrer Landsleute.
+     * Bereits Thukydides gibt nach; wo Herodot noch Ereignisse um ihrer selbst Willen protokollieren wollte, ist Thukydides bereits anzumerken, dass er sich nur noch für sie als Instanzen zu demonstrierender psychologischer/ethischer Regeln und einer eigenen Wertung interessiert. Was er an Reden seinen Figuren in den Mund legt, ist offenkundig seine eigene Erfindung, statt Ergebnis von Recherche.
2010-08-30 06:42:10 (rückgängig machen): (plomlompom):
39a40
+     * Die Geschichte einer Epoche ließ sich nur ein einziges Mal schreiben, von ihren Angehörigen. Ist das Kreuzverhör von Augenzeugen die einzige verfügbare kritische Methode, wird keine Zukunft die Erkenntnis dieser Periode über die Niederschrift durch Zeitgenossen hinaus vertiefen können.
2010-08-30 06:31:22 (rückgängig machen): (plomlompom):
37a38,39
+   * '''"Greek historical method and its limitations"''':
+     * Ihre historische Methode war die des kritischen Verhörs greifbarer Augenzeugen. Die beschränkt den Blick auf die nächste und lokale Vergangenheit; das griechische Interesse für die zeitlich oder räumlich ferne Vergangenheit war gering; "the historian was only the autobiographer of his generation" vs "[t]he modern historian knows that if only he had the capacity he could become the interpreter of the whole past of mankind" (p. 26-27).
2010-08-30 06:18:43 (rückgängig machen): (plomlompom):
33c33
-     * Für die Alten Griechen konnte nur das ernsthaft gewusst werden, was ewig/beständig/absolut war. Das Zucken sich verändernder kurzweiliger Zustände, wie es die "historia" erfasst, konnte also kein Gegenstand ernsthaften Wissens, keine Demonstration, keine tiefere Erkenntnis sein.
+     * Für die Alten Griechen konnte nur das ernsthaft gewusst werden, was ewig/beständig/absolut/universell war. Das Zucken sich verändernder kurzweiliger Zustände, wie es die "historia" erfasst, konnte also kein Gegenstand ernsthaften Wissens, keine Demonstration, keine tiefere Erkenntnis sein.
35c35,37
-     * Die Griechen lebten in turbulenten Zeiten, Wandel war (anders als zeitlich in China oder später im europäischen Mittelalter) Alltag, seine Betrachtung und Aufzeichnung also naheliegender Gegenstand des Interesses: Verarbeitung des Tumults ihrer Zeit durch Versuche der Mustererkennung.
+     * Die Griechen lebten in turbulenten Zeiten, Wandel war (anders als zeitlich in China oder später im europäischen Mittelalter) Alltag, seine Betrachtung und Aufzeichnung also naheliegender Gegenstand des Interesses: Verarbeitung des Tumults der Zeit durch Versuche der Mustererkennung, und daraus Herleitung von Verhaltense-Empfehlungen.
+     * "There is no theory of causation; the thought does not resemble that of seventeenth-century inductive science with its metaphysical basis in the axiom of cause and effect; the riches of Croesus are not the cause of his downfall, they are merely a symptom, to the intelligent observer, that something is happening in the rhythm of his life which is likely to lead to a downfall." (p. 23)
+     * Geschichte war nicht vorherbestimmt; der Einzelne konnte sich seinem Schicksal entgegenstellen durch Klugheit und Informiertheit in seinen Entscheidungen. Geschichte als Erfahrungsschatz.
2010-08-30 06:08:36 (rückgängig machen): (plomlompom):
22c22
-     * Der eben behauptete Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
+     * Der eben behauptete Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern, die die Geschicke der Menschen lenkten. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
32c32,35
-   * '''"Anti-historical tendency of Greek thought"'''
+   * '''"Anti-historical tendency of Greek thought"''':
+     * Für die Alten Griechen konnte nur das ernsthaft gewusst werden, was ewig/beständig/absolut war. Das Zucken sich verändernder kurzweiliger Zustände, wie es die "historia" erfasst, konnte also kein Gegenstand ernsthaften Wissens, keine Demonstration, keine tiefere Erkenntnis sein.
+   * '''"Greek conception of history's nature and value"''':
+     * Die Griechen lebten in turbulenten Zeiten, Wandel war (anders als zeitlich in China oder später im europäischen Mittelalter) Alltag, seine Betrachtung und Aufzeichnung also naheliegender Gegenstand des Interesses: Verarbeitung des Tumults ihrer Zeit durch Versuche der Mustererkennung.
2010-08-30 05:52:21 (rückgängig machen): (plomlompom):
30a31,32
+     * Thukydides beansprucht Überprüfung geschichtlichen Wissens und bekennt die mangelhafte Wissbarkeit entfernterer Vergangenheit.
+   * '''"Anti-historical tendency of Greek thought"'''
2010-08-30 05:44:32 (rückgängig machen): (plomlompom):
17c17
-     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie kein verlässliches Wissen über die Vergangenheit erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie eben das versucht: Wissenschaftlich ist die Neugier, Unbekanntes kritisch zu erhellen.
+     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie kein überprüfbares Wissen über die Vergangenheit erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie eben das versucht: eine anerkannte Unwissenheit durch kritische Suche zu erhellen.
19c19
-     * Methode der Geschichte ist die Interpretation von Dokumenten / "evidence".
+     * Methode der Geschichte ist die rationale Beweisführung, die Interpretation von Dokumenten / "evidence".
25a26,30
+     * Diese Geschichten sind stets Aussage und Wahrheitsanspruch, nie erfragtes, erarbeitetes Wissen.
+     * Diese beiden Geschichtsformen dominieren den Mittelmeerraum, bis dann die Alten Griechen.
+     * Bis zu den Hebräern sind Götter Schutzherren einzelner Stämme, Städte, Kulturen. Ab den israelischen Propheten universalisieren sie sich; "one might almost say that the peculiarity of the Hebrew legend as compared with the Babylonian is that it replaces theogony by ethnogony" (p. 17).
+   * '''"The creation of scientific history by Herodotus"''':
+     * Zu Herodot wird Geschichte erstmals untersuchbar, datierbar und humanistisch; auch wenn die Legende noch immer eine tragende Rolle spielt. "Historia" ist die Erkundigung nach Taten von Menschen und den Motivationen dahinter. Hier bäumt sich der Mensch als Protagonist gegen die Götter auf.
2010-08-30 05:15:47 (rückgängig machen): (plomlompom):
25c25
-     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der vierten Dimension, die wir unsere Zeit nennen.
+     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der Zeit, die wir unsere Vierte Dimension nennen.
2010-08-30 05:15:16 (rückgängig machen): (plomlompom):
25,27c25
-     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr auf einem Zeitstrahl unserer Physik.
- 
- Das eben Geschilderte war wenigstens noch theokratische Historie: datiertes Geschehen mit menschlichen Teilnehmern, wenn auch mehr als Objekten statt als Subjekten. Der Mythos dagegen kennt als Handelnde nur Götter und verwischt seine Geschehnisse in Undatierbarkeit.
+     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr in der vierten Dimension, die wir unsere Zeit nennen.
2010-08-30 05:14:36 (rückgängig machen): (plomlompom):
22a23,27
+ * '''"Part I: Grego-Roman Historiography"''':
+   * '''"Theocratic history and myth"''':
+     * Soweit vergangene Vorgänge datiert werden und Menschen betreffen, sind sie zumindest nach quasi-historisch; selbst wenn Götter die vorantreibenden Akteure sind. Wenn Götter dagegen die einzigen Akteure sind und die Vergangenheit in eine Ferne außerhalb gegenwärtiger Datierungslogik rückt, sind wir im Mythos. Der Zeitverlauf hier ist nur noch ein symbolischer: Das Eine mag dem Anderen folgen, aber nicht mehr auf einem Zeitstrahl unserer Physik.
+ 
+ Das eben Geschilderte war wenigstens noch theokratische Historie: datiertes Geschehen mit menschlichen Teilnehmern, wenn auch mehr als Objekten statt als Subjekten. Der Mythos dagegen kennt als Handelnde nur Götter und verwischt seine Geschehnisse in Undatierbarkeit.
2010-08-30 05:02:54 (rückgängig machen): (plomlompom):
22c22
-     * Dieser Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
+     * Der eben behauptete Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
2010-08-30 04:46:20 (rückgängig machen): (plomlompom):
3a4
+ 
2010-08-30 04:46:08 (rückgängig machen): (plomlompom):
4c4
- * "Editor's Preface":
+ * '''"Editor's Preface"''':
7,11c7,10
-   * Geschichte als die Erzählung spezifisch der "human affairs".
-   * Das Befinden über ein vergangenes "richtig" oder "falsch" ist kein Gegenstand der Geschichte. Wir können nur aus den Erfolgen etwas über ihre Zeit herleiten, nicht aus den Misserfolgen; denn nur aus einer Lösung kann man auf das Problem schließen. (Schon deshalb wird Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben?)
- * "Introduction":
-   * "The Philosophy of History*:
-     * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide und ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
+   * Das Befinden über ein vergangenes "richtig" oder "falsch" ist kein Gegenstand der Geschichte. Wir zählen nur die Lösungen, nicht die Nichtlösungen, denn nur aus den Lösungen kann man ein Problem herleiten. (Schon deshalb wird Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben?)
+ * '''"Introduction"''':
+   * '''"The Philosophy of History"''':
+     * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide / ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
13,15c12,14
-     * In einer Epoche ist immer das philosophische Thema groß, das als Problem empfunden wurde. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt Geschichte als Problem hervor, das einen kritischen Ansatz benötigt.
-     * "The past, consisting of particular events in space and time, which are no longer happening, cannot be apprehended by mathematical thinking, because mathematical thinking apprehends objects that have no special location in space and time, and it is just that lack of peculiar spatio-temporal location that makes them knowable. [...] Nor by scientific thinking, because the truths which science discovers are known to be true by being found through observation and experiment exemplified in what we actually perceive, whereas the past has vanished and our ideas about it can never be verified as we verify our scientific hypotheses." (p. 5) Mathematisches und wissenschaftliches Wissen über die Vergangenheit sind deshalb nicht möglich.
-   * "History's nature, object, method and value":
+     * In einer Epoche ist immer das philosophische Thema groß, das als Problem empfunden wurde. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt Geschichte als Problem hervor, das einen kritischen Ansatz benötigt. Erst seitdem also gibt es eine Philosophie der Geschichte.
+     * "The past, consisting of particular events in space and time, which are no longer happening, cannot be apprehended by mathematical thinking, because mathematical thinking apprehends objects that have no special location in space and time, and it is just that lack of peculiar spatio-temporal location that makes them knowable. [...] Nor by scientific thinking, because the truths which science discovers are known to be true by being found through observation and experiment exemplified in what we actually perceive, whereas the past has vanished and our ideas about it can never be verified as we verify our scientific hypotheses." (p. 5) Mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen über die Vergangenheit sind deshalb nicht möglich.
+   * '''"History's nature, object, method and value"''':
17c16
-     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie definitives Wissen erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie sich auf die Suche nach einem solchen begibt.
+     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie kein verlässliches Wissen über die Vergangenheit erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie eben das versucht: Wissenschaftlich ist die Neugier, Unbekanntes kritisch zu erhellen.
21,22c20,21
-   * "The problem of Parts I-IV":
-     * 
+   * '''"The problem of Parts I-IV"''':
+     * Dieser Begriff von Geschichte ist ein moderner. Die Vergangenheit hatte andere. Die Sumerer sammelten kein Wissen über vergangene Handlungen von Menschen, sondern über vergangene Handlungen von Göttern. (Julian Jaynes sagt Hallo.)
2010-08-30 04:32:28 (rückgängig machen): (plomlompom):
14a15,22
+   * "History's nature, object, method and value":
+     * Historiker kann man sich nicht aufgrund von Schulbildung nennen; was in den Schulbüchern steht, ist immer nur die Dogmatisierung von längst überholten Wissensständen und -methoden, eingepaukt mit der Illusion der Gewissheit; also das Gegenteil der Geschichtswissenschaft.
+     * Wenn Geschichte schon keine Wissenschaft ist, insoweit sie definitives Wissen erzeugt, so ist sie doch eine, insoweit sie sich auf die Suche nach einem solchen begibt.
+     * Gegenstand der Geschichte sind menschliche Handlungen der Vergangenheit.
+     * Methode der Geschichte ist die Interpretation von Dokumenten / "evidence".
+     * Ziel der Geschichte ist das Selbstverständnis des Menschen.
+   * "The problem of Parts I-IV":
+     * 
2010-08-30 04:18:53 (rückgängig machen): (plomlompom):
10,11c10,14
-   * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide und ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
-   * Die Philosophie der Geschichte ist folglich das Nachdenken über die Möglichkeit des historischen Wissens, das Nachdenken über das Verhältnis von Vergangenheits-"Wissen" zur Vergangenheit.
+   * "The Philosophy of History*:
+     * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide und ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
+     * Die Philosophie der Geschichte ist folglich das Nachdenken über die Möglichkeit des historischen Wissens, das Nachdenken über das Verhältnis von Vergangenheits-"Wissen" zur Vergangenheit.
+     * In einer Epoche ist immer das philosophische Thema groß, das als Problem empfunden wurde. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt Geschichte als Problem hervor, das einen kritischen Ansatz benötigt.
+     * "The past, consisting of particular events in space and time, which are no longer happening, cannot be apprehended by mathematical thinking, because mathematical thinking apprehends objects that have no special location in space and time, and it is just that lack of peculiar spatio-temporal location that makes them knowable. [...] Nor by scientific thinking, because the truths which science discovers are known to be true by being found through observation and experiment exemplified in what we actually perceive, whereas the past has vanished and our ideas about it can never be verified as we verify our scientific hypotheses." (p. 5) Mathematisches und wissenschaftliches Wissen über die Vergangenheit sind deshalb nicht möglich.
2010-08-30 04:03:40 (rückgängig machen): (plomlompom):
0a1,11
+ Robin George Collingwood, "The Idea of History"
+ 
+ Lektüre-Notizen:
+ * "Editor's Preface":
+   * Der Herausgeber redet ziemlich freimütig davon, was er aus dieser posthumen Veröffentlichung alles nach eigenem Urteil heraus weggelassen hat.
+   * Ideenbiografie Collingwoods, ein in der Schilderung des Herausgebers undurchschaubares Hin und Her in den Verhältnissen von Philosophie, Skeptizismus und Geschichte.
+   * Geschichte als die Erzählung spezifisch der "human affairs".
+   * Das Befinden über ein vergangenes "richtig" oder "falsch" ist kein Gegenstand der Geschichte. Wir können nur aus den Erfolgen etwas über ihre Zeit herleiten, nicht aus den Misserfolgen; denn nur aus einer Lösung kann man auf das Problem schließen. (Schon deshalb wird Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben?)
+ * "Introduction":
+   * Philosophie ist Nachdenken zweiten Grades, also das Nachdenken über das Nachdenken. Psychologie ist keine Philosophie: Sie ist ein Nachdenken ersten Grades über den Denkprozess, den sie genauso objektifiziert, wie jedes Nachdenken ersten Grades seinen Gegenstand objektifiziert; anstatt diese Objektifizierung selbst zu reflektieren. Psychologie dekonstruiert die Subjektive, Philosophie die Objektive. Philosophie ist so meta, weil sie Subjekt und Objekt beide und ihr Verhältnis zueinander hinterfragt, anstatt nur eines davon in Isolation. Philosophie denkt über das Wissen nach, den Gedanken über ein Objekt, und nicht nur den Gedanken selbst.
+   * Die Philosophie der Geschichte ist folglich das Nachdenken über die Möglichkeit des historischen Wissens, das Nachdenken über das Verhältnis von Vergangenheits-"Wissen" zur Vergangenheit.
PlomWiki-Engine lizensiert unter der AGPLv3. Quellcode verfügbar auf GitHub.