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Spartacus

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Fernseh-Serie über Roms Dritten SklavenKrieg. Dreieinhalb sehr unebene Staffeln.

Die erste Staffel erzählt von der Versklavung des Spartacus und seiner Integration in den Ludus des Batiatus bis zum Ausbruch aus selbiger. Sie beginnt mies und wird dann kontinuierlich besser.

Danach folgt eine Prequel-Staffel; sie handelt von den Figuren im Ludus vor der Ankunft des Spartacus. Der beste Part der Serie.

Die nach offizieller Zählung eigentliche zweite Staffel handelt vom beginnenden Aufstand des Spartacus als Auseinandersetzung mit Claudius Glaber, bis zu dessen Niederschlagung am Fuße des Vesuvs. Der Tiefpunkt der Serie.

Die nach offizieller Zählung eigentliche dritte Staffel handelt vom restlichen Aufstand und dessen finaler Niederschlagung durch Crassus. Besser als die vorhergehende Staffel, reicht von der Qualität streckenweise an gute Parts der ersten Staffel ran.

Woraus begründet sich dieser merkwürdige Qualitäts-Verlauf?

Die Serie funktioniert am Besten, so lange sie im Ludus des Batiatus und seinem Haushalt bleibt. Diesen Mikrokosmos fängt sie mit ansteigender politischer Komplexität ein: zum einen, wie das Haus Batiatus versucht, sich innerhalb der römischen Stadt Capua zu profilieren; zum anderen, wie innerhalb des Ludus und des angeschlossenen Haushalts römische Bürger und ihre Sklaven miteinander interagieren. Die Serie differenziert letzteres Verhältnis aufmerksam aus: Es ist kein einfaches Oben und Unten. Vor allem die Sklavenschaft ist in sich sozial stark ausdifferenziert – es gibt die Hausbediensteten (auch hier: höhere, tiefere) und diverse Spezialisten mit unterschiedlicher Nähe und Redefreiheit gegenüber ihren Eigentümern; es gibt die Gladiatoren. Die Gladiatoren bilden ihre eigenen Schulhofs-artigen Sympathie-Grüppchen und (homosexuellen) Paarungen. Gleichzeitig variiert ihre Stellung untereinander mit ihrem Marktwert in der Arena.

Das Selbstverständnis der Sklaven bezüglich ihrer Abhängigkeit schwankt von Person zu Person und verändert sich auch im Verlauf der beiden Ludus-Staffeln. Es gibt den prinzipiell aufruhrwilligen Spartacus, der sich aber zwischenzeitlich in die Kooperationswilligkeit kaufen lässt. Es gibt die über ihren Gladiatoren-Status stolzen Sklaven, die sich ganz auf ihre SelbstVermarktung zur Ehre des Hauses Batiatus einschwören lassen. Es gibt den zum Ausbilder und Kapo aufgestiegenen Ex-Gladiator, der noch vom Vater des Batiatus wie ein Sohn erzogen wurde und den Ludus als sein in Ehre und Frieden zu haltendes Reich betrachtet; durch seine Seniorität steht er in mancher Hinsicht noch über Batiatus, und Batiatus respektiert dies. Es gibt den nach Verkrüppelung vom Arena-Dienst zu Handels-, Spionage- und Betrugs-Aufträgen Umfunktionierten, der sich mit äußerster Manipulativität zu Reichtum und sozialem Aufstieg hochzuarbeiten versucht, und sich dabei weder um die moralischen Werte seiner Nebensklaven noch die seiner Herren schert (eine tendenziell antisemitische Figur). Es gibt den freiwillig selbstverpflichteten Sklaven, der seine Gladiatoren-Zeit als pragmatisches ZwischenSpiel betrachtet, um Geld für seine Familie zu verdienen.

Auch das relative Oben der Römer wird in diesen frühen Ludus-Staffeln stark ausdifferenziert. Batiatus kann nicht einfach auf seine Befehls-Kraft vertrauen, er muss seine Gladiatoren und auch andere Sklaven erziehen, umschmeicheln, betrügen und zuweilen auch achten. Er selbst steht in der Prequel-Staffel noch unter der zu besänftigenden Vormundschaft seines greisen Vaters, der ihn nach römischem Recht in all seinen Ambitionen einschzuschränken vermag und ihm sogar mit Auflösung seiner Ehe droht; auch sonst muss er konstant Konkurrenten und Höhergestellte befriedigen oder auszahlen. Andere Römer stehen, wenn schon nicht formal, so doch in der Behandlung, die sie erwarten dürfen, offenkundig noch unter vielen Sklaven der Serie. Der gemeine Legionär ist sehr viel weniger Wert als ein teuer hochgepeppelter Gladiatoren-Sklave. Die Herren behandeln viele ihrer Sklaven als wertvolle Investments und damit weitaus pfleglicher als ihre Mitbürger.

All diese Komplexität im Mikrokosmos geht leider ab dem Moment flöten, wo die Serie den Ludus verlässt und sich dem Sklavenkrieg proper zuwendet. Zwar werden nun immer noch Sklavengrüppchen untereinander charakterisiert – aber vor allem entlang ihrer ethnischen Differenzen und entlang sehr viel klarerer Konfrontations-Linien: Man ist füreinander, oder gegeneinander; dass Interessen zueinander schräg oder quer stehen, ohne sich sofort eindeutig zu antagonisieren, kommt kaum noch vor. Stärkere Bedeutung hat eh der nun ins Schwarz-Weiß-Schema vereinfachte Konflikt zwischen den bösen unterdrückerischen Römern auf der einen Seite, und den guten um ihre Freiheit kämpfenden Sklaven auf der anderen. (Es gibt in der letzten Staffel einen Versuch zu etwas mehr Grau im Zuge der (unhistorischen) blutrünstigen Eroberung einer römischen Stadt durch die Sklaven; es ist nicht viel, aber es ist einer der Faktoren, über den sich die letzte Staffel gegenüber der vorletzten positiv hervortut.) Es gibt zwar noch technisch unterhaltsame Intrigen zwischen den Römern, aber die sind nicht mehr mit den Schicksalen der nun losgelösten Sklaven verzahnt. Die verbleibenden Römer (abgesehen vielleicht vom abschließend hinzustoßenden Crassus) geraten allesamt flacher und unsympathischer.

Vor allem leidet die Serie unterm Verlust ihres interessantesten Figuren-Paares – der Ehe zwischen Batiatus und Lucretia. Beide gehen munter über Leichen und pflegen düsterste Rachefeldzüge, sind zutiefst intrigant und stark egoistisch – außer zueinander; ihr Liebesleben wird als sowohl pervers als auch von größter Zuneigung charakterisiert (und sie sind nicht einmal richtig monogam); sie zeigen selektive aber ehrliche Sympathien zu anderen Figuren, teils sogar Respekt gegenüber ihren Sklaven; ihre düsteren Taten entspringen keineswegs nur kaltem Aufstiegswillen, sondern auch nachvollziehbarem Selbstschutz oder Traumata. Nichts vergleichbar Komplexes kommt auf Römerseite nach ihnen. (Lucretia immerhin überlebt Batiatus noch um eine Staffel; allerdings nur noch als Schatten ihres früheren Selbst und entglittene Randfigur.) (Eine andere bedeutsame sympathische Römer-Figur ist Batiatus' Konkurrent Solonius – ihm gebührt die sympathischste Sterbeszene der ganzen Serie. Er überlebt die beiden Ludus-Staffeln leider ebensowenig.)

Das Problem der letzten zwei Staffeln liegt vielleicht im Herauszoomen und der Beschleunigung des Erzähltempos. Die anderthalb Ludus-Staffeln nehmen sich viel Zeit, um detailliert einen eng abgegrenzten Bereich zu analysieren – im Grunde nur einen römischen Haushalt. Die letzten beiden Staffeln erzählen in kaum mehr Zeit den mehrjährigen Dritten Sklavenkrieg, vergrößern das abgebildete Personal um einige Größenordnungen und schneiden munter zwischen verschiedensten Soziotopen hin und her. Die Serie beginnt als gelungenes enges Kammer-Spiel – und dünnt in ihrer analytischen Sorgfalt merklich aus, als sie sich auf ein breites Landschaftspanorama und Schlachtengemälde ausdehnt.

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