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Seitendiskussion zu: Datenschutz

Das Entschleunigungsargument für pro Datenschutz wurde schon getweetet, sonst wäre mir das auch noch eingefallen. Wenn's zu schnell geht, reagieren die Leute irrational.
Aber ich glaube überhaupt generell, mit Post-Privacy können nur neue Generationen umgehen. Da benötigt man ein feiner aufgelöstes Menschenbild. Bisheriges Menschenbild ist, wie übrigens auch plomlompom im letzten Chaosradio Express über Privatsphäre gesagt hat, weitestgehend das vollbewusste Individuum, dass alles selber Schuld ist, wenn was schief läuft und alles kann, wenn es nur will und allgemein diese künstlich anmutenden Unterscheidungen wie Können wollen und Können usw. Und mit dieser Sichtweise hätte alles, was man zB. an Daten abliest, auch irgendwie anders sein können, denn es waren ja nur Entscheidungen, dies ist es, was derzeit zu falscher Sorglosigkeit führen kann.
Ein 'natürlicheres' Menschenbild wird dann einengend erscheinen und dann muss man sehen wie man alles, etwa auch die komplette Sprache uminterpretiert oder darauf wartet, bis es möglich ist, Genetik 'zur Laufzeit' zu verändern und Cyborgs herzustellen (Da sind wir wieder beim Thema!). (Individuum + xPhone statt Individuum für sich ist sicher auch schon ein bisschen Cyborg)
Ein wie auch immer realistischeres Menschenbild könnte sich natürlich beißen mit Konzepten wie Emergenz und z.B. Texten die unabhängig vom Autor für sich alleine stehen. Da bestünde noch Diskussionsbedarf.



Zusammengefasst:

Post-Privacy -> keine Anonymität mehr -> Texte werden mit Personen verbunden

mehr als jemals zuvor, nicht weniger

wie man diesen grundlegenden Widerspruch auflösen will, ist mir noch unklar.


aus http://www.freitag.de/kultur/1042-wir-werden-alle-bernd :

"Mit welchem Recht könnte ich oder jemand anderes da eine feste Zuordnung von plomlompom zu meiner Person beanspruchen?"


Klingt eher wie eine moralische Aufforderung?

Abzählbare bürgerliche Identitäten bieten sich an, um Informationsflut besser zu bewältigen. Es ist z.B. unwahrscheinlich, dass zwei Netzidentitäten einer realen Person dauernd zwei verschiedene Meinungen vertreten, allgemeiner werden sich immer irgendwelche Muster extrahieren lassen. Diese Einordnungen wird man versuchen anzugreifen, indem man sich, falls möglich, bewusst anders verhält, was aber eine neue Intransparenz und Unfreiheit wäre, anstelle von Wahrhaftigkeit und dergleichen, dem Anspruch von Post-Privacy.


08.03.2011
Hab noch mal nachgedacht über Wikileaks und so und bin nicht mehr ganz so grundsätzlich gegen diese Post-Privacy.
--
Kurzer Abschnitt unter 3. , "Japanese Culture and Privacy" ist ganz aufschlussreich:
http://bibliotecavirtual.clacso.org.ar/ar/libros/raec/ethicomp5/docs/htm_papers/52Orito,%2520Yohko.htm

Muss man aber wohl Ostasiat für sein, damit so was funktioniert. In Europa gab es ja auch diese dicken Steinburgen und keine Papierhäuser. => alles tiefer verwurzelt.
weitere Thesen von mir:

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