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Prokreationssexualethik

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Sexualethische Diskussion aus #twitter.de rübergetragen.

FRAGE:

Sollten Männer gesetzlich gezwungen werden, versorgerisch Verantwortung zu übernehmen für Nachwuchs, wenn dieser auf ihre Spermien zurückzuverfolgen ist?

NOTIZEN:

# Transhumanistische Prämisse: Als Menschen steht es uns frei, unsere Ethik zu gestalten nach unserem Willen. Ein Natur-Zwang, der unsere ethische Freiheit beschneidet, ist ein Natur-Zwang, den wir mittels Technologie auszuschalten uns bemühen sollten.
# Rechtliche Verantwortlichkeit hängt von Schuld ab. (Schuld hierbei als wertfreier Begriff: Das Etwas-aus-eigener-Entscheidungsgewalt-heraus-verursacht-Haben.)

ARGUMENT:

# Pro/JaZurFrage: Das Sperma ist die notwendige Bedingung des Nachwuchses. Ohne Sperma kein Nachwuchs. Die Übergabe des Spermas in den biologischen Prozess, der zum Nachwuchs geführt hat, erfolgte seitens des Mannes in freier Entscheidung. (Er kann ja Verhütungsmittel benutzen oder den Sex sein lassen.) Er trägt also die Verantwortung.
## Contra/NeinZurFrage: Freie Entscheidung? Nicht unbedingt.
### Pro/NeinZurFrage: Er ist nicht unbedingt zu freiem Willen fähig im Sexualrausch.
#### Contra/JaZurFrage: Mit dem selben Argument könnte man auch Vergewaltiger von der Verantwortung für ihre Tat freisprechen. Es lässt sich so ad absurdum führen, da jene Folgerung ethisch nicht wünschenswert ist.
### Pro/NeinZurFrage: Verhütungsmittel funktionieren nicht hundertprozentig.
#### Contra/JaZurFrage: Das Risiko ist bekannt und er ist es bewusst eingegangen. Er hätte den Sex auch sein lassen können.
### Pro/NeinZurFrage: Durch diverse Tricks (manipuliertes Kondom) könnte die Frau eine Verhütung seinerseits unwirksam machen.
#### Contra/JaZurFrage: Maskulinismus-Mythos. Evidenz bestenfalls anekdotisch. Ansonsten siehe 1.1.2.1.
### Pro/NeinZurFrage: Prokreation durch Koitus ist archaisch und nicht mehr nötig; Sex zum Genuss-Eigenzweck dagegen ist mehr und mehr die Norm in liberalen Gesellschaften. Dass Sex der Fortpflanzung diene, ist also nicht die Default-Annahme. Ein durch Sex entstandenes Kind ist also ohne ausdrückliche Kinderkriegen-Absicht beider Partner beim Sex nicht als explizite Entscheidung beider Partner zu betrachten.
## Contra/NeinZurFrage: Die Frau hat sehr viel mehr Entscheidungs- und Willensgewalt über das Kinderkriegen als der Mann. Sie kann nachträglich noch die Pille einwerfen, sie hat Monate lang Zeit, um über eine Abtreibung nachzudenken. Die Verantwortung für das Zustandekommen des Nachwuchses liegt also nicht so sehr beim Mann als bei der Frau. Aufgrund deises Ungleichgewichts sollte sie auch die größere versorgerische Schuld gegenüber dem Nachwuchs tragen, auch und gerade finanziell.
### Contra/JaZurFrage: Die Verhütungsmethoden bei der Frau sind aufzehrender als beim Mann, was die Entscheidungsfreiheit etwa zur verstörenden OP einer Abtreibung wieder dämpft.
#### Contra/NeinZurFrage: Dann muss die Biotechnik erträglichere Verhütungs-/Abtreibungsmethoden für Frauen schaffen. Die Maximierung von Freiheit ist das Ziel; Unfreiheit als Ausgleich für Unfreiheit ist ein schlechter Kompromiss.
### Contra/JaZurFrage: Ihre höhere Schuld gegenüber dem Nachwuchs wird dadurch abgegolten, dass sie das Kind neun Monate austragen und danach unter großen Schmerzen zur Welt bringen muss. Der Mann dagegen 'musste' nur einmal mit ihr Sex haben.
#### Contra/NeinZurFrage: Sie mag biologisch die größere Last tragen, aber sie hat auch biologisch die größere Macht, diese Last fallen zu lassen (Abtreibung). Das macht einen beträchtlichen Anteil des Betrages, den sie an Schuld-Abgeltung zu leisten hat, fakultativ; durch etwas, das sie selbst in freier Wahl sich aufgehalst hat, kann nicht ein Mehr an Bringschuld seitens des 'anderen Schuldigen' erwartet werden.

Siehe auch:

Bearbeitungspasswort: plopp

Tags: BioEthik

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