PlomWiki: Zur Start-Seite Suche Letzte Änderungen (Feed) Letzte Kommentare (Feed) Flattern
Impressum Datenschutz-Erklärung

NetzDiskurs

Ansicht Bearbeiten Anzeige-Titel setzen Versions-Geschichte Seiten-Passwort setzen AutoLink-Anzeige ein-/ausschalten

Ich entdecke in mir eine ansteigende Müdigkeit für die ganzen Debatten zum Internet, digitalen Zeitalter, Web, Facebook und Bla. Ich glaube, der Netz-intellektuelle Diskurs verliert massiv an Relevanz, gerät zu einer zumindest temporären Sackgasse.

Ich bekomme den Eindruck, das Wesentliche ist für den Moment gesagt und gedacht; der Diskurs-Acker hinreichend bestellt, der Bedarf an Thesen erstmal gesättigt. Alles, was ich zu diesen Themen lese, zur Dynamik der Sozialen Netzwerke, zur Krise des Geistigen Eigentums, zu Datenschutz und Kontrollverlust, zur FilterBubble und Ambient Intimacy, zu Überwachung und Transparenz, zum Offenen Web und Geschlossenen Gärten, kommt mir vor wie schon tausendmal gehört, und alles, was ich selbst dazu schreibe, wie schon tausendmal gesagt, und alles, was ich beantworte, wie schon tausendmal gleichermaßen widerlegt und betätigt.

Das ständig Wiederholte wird zur Phrase, verkommt vom spontanen Geistesblitz zur festgefahrenen Ideologie, fühlt sich immer hohler an -- und zwar egal, ob es nun das Pro- oder das Kontra-Argument ist, der Freund oder der Feind, Utopie oder Dystopie. Mir klingt alles Reden über das Netz gleich öde und leer gefahren, die Plappereien der Gegner wie Befürworter, der Propheten und der Bewahrer. Sie werden dadurch nicht notwendigerweise falscher, aber sie bringen -- mir zumindest -- einfach kaum noch intellektuell interessanten Input. Es kommt mir so vor, als kenne ich alle Positionen und Argumentationsfiguren zur Genüge und werde da so bald nichts Neues mehr vorfinden.

Als jemand, der jetzt gut anderthalb Jahrzehnte das Internet erkundet, verliert es so langsam als utopischer Raum seine Interessanz für mich. Das muss an sich gar nichts Schlechtes sein. Die Utopien von gestern sind die Langeweile von heute, weil sie Wirklichkeit geworden sind. Mein früheres Ich freut sich und kommt aus dem Staunen über das Heute kaum heraus, aber mein gegenwärtiges Ich zuckt mit den Schultern. Gewöhnung ist eingetreten, die Ansprüche sind mit den Möglichkeiten gestiegen: zu jeder Gelegenheit verfügbar eine sekundenschnelle Volltextsuche durch sämtliche gedruckten Bücher der Welt; das permanente Eingebundensein in einen GedankenStrom-HiveMind mit meinen viertausend engsten Freunden auf Twitter; die globale Infragestellung aller symbolischen Machtordnungen durch einen Umsturz in der KommunikationsKultur -- das alles entlockt mir nur noch ein "Ja, so ist das halt." All das umarme ich nicht mehr begeistert, sondern betrachte es längst als das außer Frage stehende Mindest-Maß.

All das ist doch schon längst ausformuliert worden vor Jahrzehnten. Wir leben die kalifornischen Träume der Cyber-Libertären der 90er und 80er und der Hacker-Kultur der 70er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, und das ist gut und richtig so. Aber, verdammt, das sind alles alte Zottelbärte inzwischen. Die Maschinen, auf denen sie Unix (bald ein halbes Jahrhundert alt) und das Web entwickelten, stehen in musealen Glas-Vitrinen. Ihre Manifeste tragen den Staub historischer Dokumente. Das ist doch alles längst nicht mehr Avantgarde und Star Trek: Das ist arriviert und wird kuratorisch gepflegt, und Nerdkultur hat längst ihren eigenen Konservativismus und ihre eigenen System-Erhaltungs-Funktionen entwickelt. Wo ist es denn noch kontrovers, das Netz und seine Möglichkeiten auszurufen? Vielleicht in Deutschland.

Das Netz transformiert die Welt grundlegend, aber das tut es nun schon eine ganze Weile. Es lehrt mich nicht mehr das Staunen. Es ist jetzt einfach Teil des Bodens unter meinen Füßen. Es ist Naturgewalt geworden, also: mächtig, aber eigentlich kein ergiebiger Gegenstand politischer Diskussion. Wir sammeln Formeln für das, was hier abgeht: Moore's Law, Streisand-Effekt, Kontrollverlust, Post-Privacy. Aber die öffnen längst keine neuen Horizonte mehr, beschreiben nur noch das Hinzunehmende, mit dem man rechnen muss, mit dem man bauen kann. Eine Wissenschaft des Netzes eröffnet keine neuen Horizonte mehr, sondern bestimmt nur noch die Variablen, mit denen der Ingenieur zu arbeiten hat. Als Diskussions-Gegenstand ist dieses Forschungs-Feld inzwischen ungefähr so spannend wie Staudamm-Statik.

Das heißt nicht, dass nicht noch Spannendes möglich wäre mit dem Netz, im Gegenteil: Baut und bastelt und experimentiert! Nur das Reden und Philosophieren darüber, das wirkt inzwischen so schal und bedeutungslos auf mich. Ich will lieber Code schreiben statt Manifeste über die Möglichkeiten des Code. Sicher schadet es nicht, durch Gerede die Möglichkeiten des Netzes breit bekannt zu machen, zu popularisieren; eine gute, verantwortungsvolle Arbeit. Aber neue Ideen purzeln aus dieser Richtung gerade nicht mehr auf mich zu. Es scheint mir eher eine Fleiß- und eine Vermarktungs- als eine Ideen-, Erfindungs-, Entdeckungs-Arbeit zu sein.

Ich habe das Gefühl, das Spannende passiert längst anderswo. Klima- und FinanzKrise, der Nahe Osten, die Erschütterung der großen Erzählungen des Westens (Europa, Demokratie), Singularitarianismus vs. RohStoff-Apokalyptik. Keines dieser Themen wird man mehr unabhängig betrachten können von den Gewalten der Digitalisierung oder der Vernetzung; zuende gedacht konvergiert sicherlich alles miteinander. Aber so erschöpft, wie mir der Netz-Diskurs derzeit vorkommt, sehe ich in ihm kein Instrument, um damit diese Themen ergiebig anzugehen.

Ich sehne mich nach Input aus anderen, ganz anderen Richtungen: Naturwissenschaften und Geschichte, Welt-Erfahrung und Meditation, Kunst und Spiel. Wie furchtbar eng und staubig kommt mir da stattdessen inzwischen eine Rollen-Definition als "Netz-Intellektueller" vor.

Kommentare

#0

Passt. Mir geht das schon seit ner Weile so. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit naturwissenschaftlichen Themen, da merkt man im Vergleich doch schon, wie dröge die "digitalen" Debatten inzwischen sind.

#1

Das Wort "philosophieren" ist etwas fehl am Platz. Dafür sind deine Überlegungen zu empirisch erfasst. Und teilweise echt flapsig. Privat Sphäre hin oder her, StreetView ja oder nein. Das sind nicht die Fragen. das sind tagespolitische Spielereien, die manchmal utopisch oder dystopisch sein können, aber das stellt Theorie an. ich lese dein Buch und stelle fest, dass es auf extrem kurzen Kausalketten beruht und willkürlich herangezogene Erklärungen heranführt. Soziologen machen das und das finden die Philosophen lächerlich, was auch Blödsinn ist, weil darauf bauen Philosophen ihre gedanklichen Konstrukte, aber das ist selbst für Soziologen leider schwach. Deshalb tu bitte nicht so als wäre das "philosophieren". Richard David prescht ist peinlich, weil er popkulturell abgeflachte Lebensweisheiten als Philosophie verkauft. Aber was das ist weiß ich nicht. Ich will ja nicht so überkritisch sein oder so hart oder überheblich und man könnte sicherlich eine Philosophie der Post-Privacy entstehen lassen, aber dazu wäre wenigstens ein *bisschen* theoretische Grundlage ganz gut. Dieses Bucht ist gut, wenn man es als Gebrauchsanweisung für das Leben heute ansieht. Philosophie ist alles andere als das. Dazu fehlt komplett die Abstraktion. Die scheint es bei dir überhaupt nicht zu geben. Um das nochmach vielleicht etwas verständlicher darzustellen: Dein Buch beschreibt "oh, wir geben alles preis. ja, es scheint wohl keine Privatsphäre zu geben. Hm, dann schreibe ich jetzt auf dass das so ist, versuche mir die Vorteile aus der Nase zu ziehen und versuche zu belegen, dass das in der Vergangenheit schon so war." Was ist daran philosophisch? Nichts. Das wäre sogar Soziologen peinlich. Es könnte genauso heißen "Ananas-Diät. Prima leben ohne Gewicht." Und dann versuchst du allen ernstes so zu tun, als wäre das Philosophie? Was Freiheit eigentlich ist, ist wohl keinem mehr bekannt. Man erwählt als Antwort "Zu tun, was mal will." oder "Optionsmöglichkeiten". Man könnte vielleicht fragen, ob uns das Internet zu Barbaren gemacht hat. Wenn man die Streitigkeiten verfolgt, könnte man das vielleicht wirklich glauben. Gut, vielleicht erwarte ich zu viel. Man ließt die Philosophen, die versucht haben Ordnung in die alte Welt zu bringen und glaubt, das ginge nun so weiter. Ich habs auch noch nicht durch, aber wäre ja sicherlich interessant etwas über das Denken des Außen zu lesen. Eine Theorie ist das In-Ordnung-Bringen des Außen. Der Blick nach Außen. Wir blicken aber nur noch nach innen. Thorne werden zu Häusern, heute haben wir nur noch Windows, also Fenster. Könnte das ein Bild sein für den Verfall all dieser alten Paradigmen? Man tut sich heutzutage schwer mit Hegel zu argumentieren, wie man sieht. Das wäre doch eine interessante Frage. Sie wird aber von den Könnern nicht erörtert.
Die analytischen Philosophen beschäftigen sich nur noch mit der Psyche des Menschen oder hängen an schönen Texten und werden zu Philologen und die Phänomenologen werden zu Soziologen. Es gibt keine Philosophen die eine Philosophie des Netzes entwickeln. Aber vielleicht wäre das eine spekulative These, zu sagen, dass das Internet die Philosophie unmöglich macht. In welcher Ausartung auch immer.

#2

Ach, Plom. ich weiß was du meinst. Mir geht es ähnlich!

@Thomas Würg. Dein Duktus ist so ätzend. Etwas mehr Demut vor Wissen und Geist stände dir gut zu Gesicht.

Und deine Gedanken sind aufgebauscht formuliert, aber ebenso flach, wie du es anprangerst. Und kulturpessimistisch dazu! Abgesehen davon ist Plom schon länger in dem "Netz-Diskurs" und ihn lediglich auf sein Buch zu reduzieren finde ich etwas schwach.

Philosophie ist in erster Linie die Betrachtung der Betrachtung des Seins und der Welt, ist aber auch immer eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem "guten Leben" gewesen. Immer. Und das ist die Frage, mit der sich auch Plom auseinandersetzt.

Und Precht ist nicht peinlich - er erklärt die Geschichte der Philosophie in einfachen Worten. Komplexe Gedanken in einfachen Worten artikulieren ist eine Kunst, zeigt den wahren Könner.

laprintemps /
#3

Mein Duktus wird leider von Apple Autocorrect diktiert. Aber das sicherlich. Aber zumindest schreibe ich keine Bücher über Themen auf die ich mich rein erfahrungstechnisch beziehen kann und nenne es dann "philosophieren" oder "intellektuellen Diskurs". Das ist *Würg*. Spannend wäre es zu erörtern, ob Internet Diskurs überhaupt möglich macht. Die Ausartung unterscheidet sich nämlich elementar von dem Diskurs-Verständnis außerhalb des Internets.

Meine Gedanken? Welche konkret? Oder meinst du den Kommentar hier? Klar, der ist flach und polemisch. Ich habe aber auch nicht vor, den Kommentar als Buch zu veröffentlichen.

Ihr mit eurem Kulturpessimismus immer. Jeder der Probleme an der heutigen Gesellschaft aufzeigt oder Kritik ist gleich ein Kulturpressimist. (Genau das ist übrigens mein Hauptproblem: Dass ihr so tut als wart ihr Fachmänner, aber Begriffe verwendet, dass sich die haar sträuben) Zum mitschreiben: Kulturpressimisten haben keinen Glauben an die Kultur sich zu ändern und dadurch zu bessern oder zu erneuern. Sie lehnen sogar teilweise konstruktive Kritik ab. Sie sind einfach nur ein Pol, genauso wie Kulturoptimisten der andere Pol sind. Dass die Post-Privacy keine Philosophie hat/ist, zeigt sich auch daran, dass sie Politik ist. Philosophie wird oft von Politik gestützt oder entwickelt Politik aus sich heraus. Aber in diesem Fall gibt es sogar eine direkte Gegenschrift, die "Datenfresser". Die in gleicher weise oberflächlich Gegebenheiten zu erklären versuchen.

Aber naja, was soll auch ein Philosoph mit 10 Semestern machen, wenn das irgendwelche Internetmenschen viel besser können. Sennett lesen reicht halt nicht.

Wow, du hältst Precht NICHT für peinlich? Habe ich das richtig verstanden? "Wer bin ich - und wenn ja wie viele?" und "Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält" sind also *keine* Küchenphilosophie für Arme? Ich frag nur.

Aber ließ mal Flusser. Das ist ein völlig anderer Abstraktionsgrad.

#4

Thomas Maier: Ich fürchte, ich bin außer Stande, nachzuvollziehen, worauf du hinaus willst / worauf du Bezug nimmst.

Wenn ich dich richtig verstehe, wirfst du mir vor, mein Buch sei keine "Philosophie". Nun sehe ich in obigem Text weder eine Behauptung, mein Buch sei eine eben solche (genau genommen erwähne ich mein Buch sogar nirgends); noch wüsste ich, warum ich mit meinem Buch überhaupt den Anspruch verfolgen sollte, deiner Definition von "Philosophie" entgegen zu kommen.

Diese Definition scheint mir in erster Linie besessen davon zu sein,"richtige", also respektable, hinreichend akademische Philosophie zu scheiden von "falscher", entlang willkürlicher Zertifikate und Ressentiments. Der Philosophie-Begriff, wie ihn @laprintemps anbringt, klingt mir da wesentlich plausibler.

#5

Der Text geht in meinen Augen direkt gegen <a href="http://www.ctrl-verlust.net/channels-statt-circles-google-reparieren/">Artikel wie diesen</a> („Wäre ich Open-Source-Programmierer, ich würde …“). Und das ist gut so.

#6

Naja du redest ja von "philosophieren" und "intellektueller Debatte" und Foucault etc. Unter diesem Aspekt wäre es ja einfach blöd, wenn du dein Buch extra für nicht-philosophisch halten würdest. Du kommunizierst es also als etwas anderes als es schlicht ist. Es ist sicherlich als Beipackzettel für das Surfen im Internet derzeit recht informativ. Darüber hinaus formuliert es aber keinen brauchbaren Gedanken. Das Problem ist, denke ich, dass du dir eine Meinung gebildet hast über die Jahre, die hauptsächlich das Ergebnis von Erlebnissen ist. Und nun versuchst du nachträglich deine Einstellungen zu begründen. Das ist schlechter Stil.
Da du ja im Kommentar zuerst behauptest, dir ginge es nicht im eine philosophische Abhandlung und kurz darauf aber trotzdem meinen Angriff abzuwehren versuchst, werte ich das mal so, dass ich wohl nicht so falsch damit lag. Sieh: Schirrmacher ist ein weitaus intellektuellerer Mensch als wir beide zusammen und trotzdem versucht er sich mit seinem Buch nicht in die intellektuelle Debatte hineinzupressen. All seine Bücher waren mehr eine Selbst-Verständigung und auch dein Buch geht in diese Richtung. Wenn auch handwerklich etwas schlechter. Aber gut, das ist ja völlig okay. Es ist ja kein schlechtes Buch an sich. Ich glaube nur, du bedienst dich einer Annahme bzw. einer Terminologie, von der du nichts verstehst. Damit lehnst du dich zu weit aus dem Fenster. Einen ähnlichen Eindruck hatte ich letztens bei einem Vortrag: Ariadne von Schirach hielt einen Vortrag zur "Würde der Distanz". Er hätte gut werden können, weil sie Ideen hat und was von dieser Thematik versteht. Am Ende des Vortrags und besonders danach in der Diskussion verwendete sie aber dann Begriffe, die sie niemals halten könnte. Einfach, weil ihr dazu die Basis fehlte. Sie ist nunmal auch keine Philosophin. Deshalb ist das sozusagen ja kein Kritikpunkt. Man macht was man kann. Das ist das eine. Das andere ist die totale Unreflektiertheit von dir. Ein blauäugiger Begriff von "Freiheit" und vieles weitere. Genau für sowas haben Heidegger und Co. ihre Bücher gschrieben: Damit man sich nicht jedes mal wieder alles erarbeiten muss, sondern die Positionen im Gegensatz stellen kann. Du führst also Argumente heran, von denen du nichts verstehst und die damit oft auch gegenteilig sein können also eigentlich gegen dein Modell der Post-Privavy stehen. "neue Freiheitsräume erkunden" - jeder Philosoph prustet bei solchen Sätzen los. Das ist total illusionistisch. Und das Buch ist mit solchen Sätzen durchzogen.

#7

[Ich hoffe, das kommt nicht zu altväterlich oder selbstgefällig oder womöglich beides rüber. Falls doch: pffft.]

Deine Müdigkeit verstehe ich gut, Plom. Die war auch der Hauptgrund, warum ich mich vor Jahren einigermaßen aus dem Netz (genauer: aus den Netzblasen, in denen über dieses Thema diskutiert wird) zurückzog. Alles schon damals zigfach gehört und gelesen. Meist von Leuten, die ich nicht ganz ohne Zuneigung »Berliner Webgesocks« nenne. Menschen, die ganz viel reden und ganz viele (Un)konferenzen planen, aber nicht zum Beispiel einfach mal Ruby on Rails erfinden oder git oder 4chan.

Das Gerede ist so furchtbar irrelevant, wird von den Diskutierenden aber immer als furchtbar relevant wahrgenommen. Genau das macht es so anstrengend. Und gerade jetzt erscheint mir die Atomwelt da draußen wieder viel spannender und interessanter zu sein als die Bitwelt. (Möchte damit keine alberne Dichotomie herbeireden, mir fehlen bloß bessere Begriffe.)

Mein Rat also: ein bisschen Feynman lesen, ein bisschen Sagan vielleicht. Rausgehen, Offline-Menschen beim Offlinern beobachten, Graffiti angucken, vielleicht mal völlig verrückte Dinge machen wie Fußballgucken (ächt jetze) und richtig teuer Essen gehen. Blaue Flecken vom Sport sind übrigens auch irre gute Meditation. Für mich jedenfalls.

»Man muss nämlich auch springen, turnen, tanzen und singen können, sonst ist man mit seinem Wasserkopf voller Wissen ein Krüppel und nichts weiter.« (Erich Kästner)

#8

@ntropie: Naja, ich werde eher klettern gehen mal wieder als mir Fußball anschauen, aber danke für die Tipps und das Verständnis :-)

@thomasmaier_: Sorry, ich sehe mich außerstande, deine Ansprüche nachzuvollziehen, geschweige denn ein Interesse dafür zu entwickeln, sie zu erfüllen. Wenn du willst, sprich mir meinetwegen jede Relevanz, Tiefe, Intellektualität, Vertrautheit mit bestimmten Sprach-Regelungen usw. usf. ab; ich habe nicht den Eindruck, dass deine Begriffe davon etwas abbilden, das ich für erstrebenswert halten sollte.

#9

Ich kann dir auch reihenweise Textstellen posten, aber du kennst ja dein Buch. Dein Gebrauch von Begriffen ist wirklich haarsträubend, ist dir das bewusst? Wohl nicht. Es werden unhaltbare Kausalitäten erstellt. Allein schon die Vergleiche zwischen Mittelalter und 20. Jahrhundert.
Ok, folgendes Beispiel: Das Selbst, der Subjektbegriff ist ein extrem komplexes Gebilde. An dem sind schon ganz andere zerbrochen. Ich stelle ja nicht die Forderung, dass du das unbedingt tun musst, aber du tust es und spekulierst damit in einen Raum hinein, von dem zu keinerlei Ahnung hast.
Ich denke, dass du ein sehr gutes Buch schreiben hättest können. Es wäre sicherlich etwas kürzer als das hier. Vielleicht würde es einfach reichen, gewisse Kapitel einfach zu entfernen, am formalen Stil zu arbeiten und nicht diese extrem dilettantischen Kausalitäten aufzustellen.
Teilweise ist es ja sehr interessant. Wenn du bei deinen Leisten bleiben würdest wäre es perfekt.

#10

GANZ konkretes Beispiel:

Du schreibt "Profile sind wie Visitenkarten".
Das ist (wie vieles) natürlich kompletter Schwachsinn. Eine völlig simple Frage kann das bereits aufdecken: Beschäftigst du dich jeden Tag stundenlang mit deinen Visitenkarten? kommunizieren die Visitenkarten unter sich? Nein. Sie sind Material im engen Sinn. Profile sind Orte des ständigen sich-selbst-ausstellens. Das ist jetzt nur ein kleines Beispiel. Aber siehst du, wie fahrlässig du umgehst?

Schreibe deinen eigenen Kommentar

Dein Name:
Deine URL:

Captcha-Passwort benötigt! Schreibe "apfel":
PlomWiki-Engine lizensiert unter der AGPLv3. Quellcode verfügbar auf GitHub.