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Versions-Geschichte: "NaNoWriMo2009-Kapitel-5"

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2011-03-22 02:39:38 (rückgängig machen): GlobalReplace: list formatting (Admin):
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- * stellt Fallen mit sich selbst als Köder
- * Haare, Fingernägel und so werden immer wieder in den Default-Zustand regeneriert
- * erklären, dass er keine Leiche seiner selbst nach Regenerationen finden konnte]
+ *] stellt Fallen mit sich selbst als Köder
+ *] Haare, Fingernägel und so werden immer wieder in den Default-Zustand regeneriert
+ *] erklären, dass er keine Leiche seiner selbst nach Regenerationen finden konnte]
2010-03-03 21:11:12 (rückgängig machen): (plomlompom):
0a1,20
+ [RomanMenschheitsgeschichte; 50000 BC; Urfassung aus NaNoWriMo-Schreibflash]
+ 
+ In den nächsten Monaten starb Abel noch viele Male. Praktisch hatte er sich nicht vorstellen können, sich ans Sterben zu gewöhnen; und das Erlebnis schien auch nicht allzu rasch weniger unangenehm zu werden. Er ertappte sich aber immer öfter bei einer Alles-egal-Haltung, wenn er sich in gefährliche Situationen begab; gerade wenn er sich bereits körperlich unwohl fühlte, hungrig, übel, verletzt, schien ihm die Aussicht auf eine baldige totale Regeneration für den Preis einer kurzfristigen Maximalisierung der Qualen durch Tod auf perverse Weise verlockend. 
+ 
+ Er ertappte sich immer öfter dabei, sich weniger um die Vermeidung eines Sterbe-Ereignisses zu sorgen als viel mehr darum, welche Vorteile ein Tod an dieser Stelle in Zeit und Raum vielleicht gegenüber einem Tod an anderer Stelle in Zeit und Raum haben könnte. Sein Geschick widmete sich bald mit gleichen Teilen der Vermeidung von Sterbe-Ereignissen wie auch der Verkürzung und Qualen-Linderung derselbigen. Als freischaffender Sterbenskünstler konnte er seine Mörder frei wählen und entschied sich im Zweifelsfall lieber für den Tod durch Raubtiere, die einigermaßen professionell darin waren, ihn durch einige gezielte Bisse recht schnell zu töten oder doch zumindest in Bewusstlosigkeit zu versetzen. Er lernte, Schutzreflexe zu überwinden und gerade die lebenskritischsten Stellen besonders eifrig seinen Verfolgern darzubieten, wenn sie ihn denn einmal hatten.
+ 
+ Er begann, den Apparat seiner Schmerzen und Ängste zu begreifen und zu reorganisieren. Schmerzen dienten der Warnung vor Gefahren; aber Gefahren, denen er sich nicht mehr entziehen konnte, vor denen brauchten ihn auch keine Schmerzen mehr warnen. Also pflegte er, baute sogar aus: seine Empfindlichkeit gegenüber subtileren Signalen seines Körpers in der Reaktion und Antizipation von Umwelteinflüssen; dieses Blatt tat seinem gastronomischen Apparat gut und jenes nicht; diese Temperatur war erfahrungsgemäß noch eine Weile lang duldbar und jene nicht; dieses Kitzeln oder Zwicken mochte noch harmlosen Ursprungs sein, jenes dagegen ganz sicher nicht. Die Extremwerte des Schmerzes dagegen waren so oft mit Situationen verknüpft, in denen langfristig gesehen es sich kaum noch lohnte, etwas gegen die Ursachen zu tun, dass er versuchte, sich beizubringen, ihre Wirkung, ihren Eindruck zu dämpfen, in Gleichgültigkeit zu ertränken.
+ 
+ Solcherart begegnete er dem Sterben immer gleichgültiger, betrachtete es bald nur noch als eine sehr unangenehme Lästigkeit, die aber im größeren Kontext seines Vor-Ort-Seins immer unwichtiger wurde. Gleichzeitig begann er auch tatsächlich, immer weniger zu sterben. Nicht nur roch er jetzt viel weniger nach Opfer und Furcht, ging zielstrebiger und damit weniger anfällig; er hatte jetzt tatsächlich die Freiheit, Verhaltensweisen und Risiken und etwaige Nahrungsmittel in voller Breite auszuprobieren, die Misserfolge mit nur temporären Kosten zu bezahlen und gleichzeitig die Erfolgsmodelle beizubehalten. Seine durchschnittliche Überlebensdauer stieg von einigen Stunden am Anfang recht schnell auf ganze Tage. Er bremste sie bald künstlich, weil er im Todes-lockenden Ausprobieren von Ansätzen einen großen Wert sah, dem er die Langlebigkeit seiner jeweiligen Inkarnation unterordnete. In gewisser Weise machte er aus sich seine eigene evolutionäre Auslese an einem Individuum.
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+ Er versuchte auch, den Prozess seiner regelmäßigen Regeneration an sich besser zu verstehen. Er durchlebte ihn nie bewusst; wenn er starb, bedeutete dass, das er nach mehr oder weniger langen Qualen sein Bewusstsein verlor. Er erwachte danach, als erwache er aus einem traumlosen Schlaf; tatsächlich konnte er sich nur an Träume erinnern, wenn der Schlaf nicht Ergebnis eines Sterbens war. Er erwachte meist liegend, aber nicht immer. Bald begriff er, dass er in ungefähr der selben Körperhaltung erwachte, in der er zuletzt bei Bewusstsein gewesen war. 
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+ Größere Schwierigkeiten hatte er im Nachvollzug der Regel, wann und wo er danach regeneriert würde; er erwachte stets einige Stunden später, selten weniger als vier, selten mehr als zehn; und dabei nie direkt am Ort seines Sterbens, aber stets in der Nähe. Er hatte nie große Schwierigkeiten, den Ort seines letzten Todes wiederzufinden, der üblicherweise fünfzig bis hundert Meter Luftlinie entfernt lag. Eine präzisere Regel für den Ort allerdings, etwa eine Beziehung zwischen der Himmelsrichtung und der Tageszeit oder der Ausrichtung seines Körpers im Moment des Sterbens, konnte er nicht finden. Er war ja schon froh, dass das Programm ihn bisher stets auf ebener Erde regeneriert hatte und nicht etwa vom Himmel stürzend. Nichtsdestotrotz erwachte er manchmal ungünstig. Etwa -- so vermutete er, das Ganze hatte sich viel zu schnell abgespielt -- direkt zwischen den Füßen einer Mammutherde, die ihn binnen weniger Sekunden zerstampft hatte, so dass er nach wenigen Sekunden regenerierten Lebens wieder einige Stunden tot war, bevor er andernorts gleich nochmal regenerierte. Oder einige Male in den Fluss herabsinkend, wobei es ihm nicht immer gelang, im selben Durchgang diesen auch gleich lebend zu verlassen.
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+ Ein weiteres interessantes Detail am Regenerationsprozess war, was genau an seinem Körper er betraf: seinen nackten Körper, natürlich. Aber auch alles, was er ursprünglich an diesem mitgebracht hatte und immer noch dort trug, kurzum: seine Kleidung, soweit er sie noch tragen konnte. Das, was er von ihr an sich tragen konnte, wurde allerdings immer weniger, denn jeder Gewaltakt, den sein Körper erlitt, den erlitt auch seine Kleidung. Die wurde allerdings interessanterweise nicht regeneriert wie sein Körper. Auch seinen sowieso kaum noch brauchbaren Revolver bekam er nicht wieder, nachdem er ihn noch recht nah am Anfang seiner Überlebensodyssee frustriert gegen ein Tier geworfen hatte. Er hatte zu Anfang auch noch anderen in seiner Situation völlig unnötigen Kleinkrams in seiner Hosentasche herumgetragen -- Papiere, Geld. Der verschwand nebenbei mit, als er schlussendlich sich ganz von seiner alten Kleidung, einem ekelhaften blutdurchlaufenen Bündel Fetzen, trennte.
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+ [Bemerkungen aus den NaNoWriMo-Ergänzungsnotizen:
+ * stellt Fallen mit sich selbst als Köder
+ * Haare, Fingernägel und so werden immer wieder in den Default-Zustand regeneriert
+ * erklären, dass er keine Leiche seiner selbst nach Regenerationen finden konnte]
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