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KommentarThomasMaier

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Wollte bei @thomasmaier_ / http://thomasmaier.me/blog/2011/07/25/namen-alles-klar/ kommentieren, aber er hat so ein Identitäts-faschistoides Kommentar-System, was einen nur kommentieren lässt, wenn man sich über ein externes Identitäts-Monopol einloggt. Das war mir dann zu blöd. Also schreib ich meinen Kommentar hier rein:

Dass sich Verbindungslinien zwischen zwei Identitäten ziehen lassen, heißt noch nicht, dass die eine die richtige wird und die andere die falsche, dass die eine in der anderen voll und ganz aufgeht oder dass die eine oben zu stehen hat und die andere unten.

Es liest sich bei dir ein bisschen so, als sei der Personal-Ausweis-Name halt pauschal der "richtige", als stehe er für den wahren Kern, während andere Namen nur seiner Verhüllung dienen. Aber soziale Identitäten sind nicht bestimmt durch einen geheimen inneren Kern, sondern durch Konventionen, durch den Austausch miteinander, sind außerdem: fluide. Der Personal-Ausweis ist ein möglicher Anlass für die Namens-Wahl, die Namens-Vergabe, wie ich mich selbst bezeichne und wie mich andere ansprechen; aber eben nicht der einzige. Und ich werde in meinem Austausch mit der Welt sicher sehr viel öfter "plom" oder "plomlompom" genannt als (voll ausgeschrieben statt auf eine häufigere Rufnamen-Form verkürzt) "Christian Rainer Heller".

Dass der Personal-Ausweis-Name die "wahre" Identität sei und das Autonym bloß ihrer Verschleierung diene, so liest es sich bei dir; und dieser Gedankengang ist wohl notwendig, um eine Opposition zur Post-Privacy zu konstruieren. Post-Privacy sagt nämlich nicht: Es gibt die normierte Wahrheit, und alles, was von ihr abweicht, gehört unterdrückt. Post-Privacy sagt nur: Geheimnisse lassen sich nicht mehr bewahren.

Zu sagen: Ihr dürft euch nur noch "reale", "normale" Namen geben, das ist ein Normieren und Festschreiben von Wahrheit, das ich ablehne. Ich verwehre damit niemandem das Verknüpfen von Namen. Ich wünsche mir volle Freiheit der Blicke und Deutungen. Gerade deshalb verwehre ich mich aber auch gegen Vorschriften, die die Freiheit der Blicke und Deutungen einschränken. Zu dieser Freiheit gehört, die Dinge, sich selbst eingeschlossen, frei benennen und repräsentieren zu dürfen.

Kommentare

#0

Es muss übrigens nicht sein, dass "Christian Heller" der Name ist,d er im Ausweis steht. Und es gibt sehr wohl in den Metadaten von Kontakten das Feld "Spitz-/Rufname". Dafür ist das gedacht. "plomlompom" aber in das Feld für Vor- oder Nachname zu schreiben ist schlicht falsch, ein bürokratischer Fehler sozusagen. Dieser Fehler kann aus versehen entstanden sein, wahrscheinlicher ist aber das Verbergen des Namens. Dies hat den Grund, einen anderen Teil seiner Persönlichkeit zu verheimlichen. Vielleicht ist man als Max Mustermann Chef eines IT-Sicherheitsunternehmens aber als fratzgelblöfffbumbum veröffentlicht man die Rechnungsadressen von Einkäufern von Online-Sex-Shops. Mit Borniertheit á la "Google 21" kommt man nicht weiter.

#1

"dafür ist das gedacht", "bürokratischer Fehler". Dir ist schon klar, dass du mit einem Vokabular von Herrschaft argumentierst, der gegenüber Abweichungen fehlerhaft sind? Quasi: "So hast du dich zu benehmen, denn so ist das von der Autorität vorgesehen." Aber wer schreibt das fest, warum sollte ich diese Regel akzeptieren? IMHO bleibt da als Entgegnung nur: Weil es das Hausrecht von Google ist, weil du ja auch woanders hingehen kannst.

Zur Hausrechtsthese habe ich schon in meinem PseudoFest was geschrieben. Kurz gesagt: Ich halte Google für zu groß und für zu einflussreich, als dass es sich einfach ausblenden ließe als "ist ja nur ein Akteur unter vielen". Soweit es seine Macht zur Maximierung meiner Freiheit nutzt, unterstützte ich sie gern; wenn es sie aber zur Reduzierung meiner Freiheit nutzt, wende ich mich davon ab und arbeite an Gegenprojekten.

Aber mir scheint, du argumentierst gar nicht mit der Hausrechtsthese. Du sagst ja einfach (so du denn der Thomas Maier von dem verlinkten Blog bist ;-) ): Wer sich so verhält, wie Google das will, der verhält sich "erwachsen". Wer sich anders verhält, der verhält sich "kindisch". Erwachsenheit bedeutet also: sich den Normen anpassen, die die Herrschaft vorgibt. Und das halte ich für ein, gelinde gesagt, problematisches Weltbild.

#2

Mit Herrschaft hat das rein gar nichts zu tun. Sehr wohl aber mit Zweckmäßigkeit. Wenn ich im Internet jemanden finde, dann weiß ich dass er einen Namen haben muss und ich möchte diesen Namen erfahren, denn nur darüber lassen sich weitere Punkte und Daten verknüpfen.
Wir können ja gerne gemeinsam dafür kämpfen, dass die allgemeine Namenspolitik und zwar vom Personalausweis über Amts-Formular über Onlinebestellung bis um Twitteraccount neu geregelt wird.
Genau aus diesem Grund gibt es ja beispielsweise "Verified Accounts" etc, damit die Verknüpfungen klar sind.
Ich hielte diesen Kampf aber eher für unsinnig, da es sich nur um die Art handelt wie eine Kombination aus lateinischen Zeichen dargestellt werden soll. Und die Anerkennung von Sachen wie "plomlompom" (also Spitz-/Ruf-/Nick-Namen) als vollwertige Namen empfinde ich dann schon eher als Vandalismus an der Sprache, ähnlich wie dieser lächerliche Gender_Gap-Unsinn, nur schwächer.
Es ist kindisch, weil Google niemandem seine Nicknamen wegnimmt, sondern lediglich auf die durchgesetzten Strukturen setzt.
Ich habe schon sehr früh damit begonnen, einfach meinen Namen zu verwenden. Für alles was ich sage, kann ich einstehen, mein Name ist mein Name, kein Grund die Zeichenkombination zu ändern. Und für plomlompom gibt es ja sowieso etliche Varianten, sodass man im Zweifelsfall nicht wiedergefunden wird, weil nach "pomlolplom" gesucht wurde. Das halte ich zum einen für kontraproduktiv, mit PostProvacy schon gar nicht in Einklang zu bringen wegen der Nutzbarkeit und Verknüpfbarkeit von Daten und vor allem ausweglos verrannt in einer Vorstellung, der das Internet längst gezeigt hat, dass sie nicht mehr funktioniert: Anonymität. Dort kommen diese Nicknamen her und dort werden sie immer verhaftet bleiben. Das mag bei Internetgrößen nicht so schwer wiegen, bei Internetkleinbürgern schwingt bei Necknamen immer der Verdacht mit, dass diese Person wohl etwas zu verbergen haben muss. Oder wieso sollte er seinen eigentlichen Namen, den er definitiv hat und haben muss, nicht sagen?

#3

Desweiteren, weniger wichtig, finde ich auch Profilbilder, die nicht einen selbst darstellen, in der selben Weise kritikwürdig.

Achja, und wieso hast du auf CARTA mit echtem Namen und echtem Bild geschrieben? Ich kann ja gleich die Antwort geben: Man wird erwachsen.

#4

@ Steffen Seibert:

Du willst Verknüpfungen? Nun, zu mir wirst du die besten Verknüpfungen über "plomlompom" finden, denn "Christian Heller" gibt es viele. Bloß, weil es diverse Verfahren gibt, die als Index für eine juristische Person einen Personal-Ausweis-Namen erfragen, heißt das nicht, dass dieser mehr soziale Realität besitzt; schwer zu glauben, aber die Strukturen, die der Staat vorgibt, sind nicht alles, was die soziale Welt formt.

In meinem Umfeld werden die wenigsten Menschen im Alltag mit ihrem Personal-Ausweis-Namen angesprochen; die meisten entweder mit einer Kurzform ihres Personal-Ausweis-Vornamens ("Michi" ist etwas anderes als "Michael Seemann") und sehr viele gar mit einem davon unabhängigen Spitznamen bzw. einem Autonym. Was, wenn überhaupt, sollte Maßstab der Bezeichnung in einem Sozialen Netzwerk sein, wenn nicht das, was mich die meisten Leute im Alltag nennen? In meinem Fall ist das "plom" bzw. "plomlompom" bzw. in einer anderen sozialen Gruppe aus Jugendtagen "Caligari" bzw. davon abgeleitet "Kalle" bzw. mancherorts vielleicht auch noch "Yog" bzw. "Yog-Sothoth", denn verschiedene Subkulturen vergeben auch verschiedene Namen. Viele Leute kennen mich sehr viel eher unter diesen Namen als unter "Christian Heller": Auch meine Eltern sprechen mich sehr viel eher mit "Sohn" an statt mit "Christian Heller".

Verschiedene Namen zu pflegen, ist nicht unbedingt eine Verschleierungstaktik. Es bildet die Wirklichkeit ab, dass wir keine einheitliche Identität haben, sondern unser Sein und Handeln stets abhängig vom Kontext ist: Ich bin "Christian Rainer Heller" gegenüber dem Amt, "Sohn" gegenüber meinen Eltern, "Caligari" gegenüber ehemaligen Klassenkameraden, "plomlompom" an diversen Orten im Netz. Wir sind nicht nur einer, sondern viele; einen festen Persönlichkeitskern gibt es nicht, höchstens einen gemeinsamen Körper dieser zum Teil sehr ähnlichen, zum Teil sehr verschiedenen Identitäten. Es macht zur Optimierung der Kommunikation und, ja, auch der Verknüpfbarkeiten, durchaus Sinn, dieser Verschiedenheit der Identitäten durch Verschiedenheit von Namen Rechnung zu tragen. Warum sollte der Personalausweis hierauf ein Monopol anmelden? Warum sollte nur meine Personalausweis-Identität an einem Sozialen Netzwerk teilnehmen dürfen?

Dein ästhetischer Maßstab ("Vandalismus an der Sprache") ist kein brauchbares Ausschluss-Kriterium. Welchen Namen man "schön" findet ist eine extrem subjektive Frage. Und Sprache lebt und verändert sich in ihrer Benutzung.

@ Frau Mahlzahn:

Weil ich mich an dem Ort dafür entschieden habe. Was soll das mit Erwachsen-Werden zu tun haben? Dass ich vielerorts unter dem Namen "plomlompom" im Netz unterwegs bin, dieser Umstand nimmt bei Carta übrigens einen erheblichen Prozentsatz meines Profiltextes ein.

#5

Und genau da gehört er auch hin. Man kann tausend Namen haben, Spitznamen, Rufnamen, Nicknamen, ... Man kann sich von jeder einzelnen Person die man kennt anders nennen lassen. Yeah! Aber es gibt genau einen Namen mit einem besonderen Stellenwert. Dieser Name gehört in ein Schema, sodass die Namen aller Menschen vergleichbar sind, und er gehört in den Ausweis. Desweiteren gehört er an eine ausgewiesene Stelle in Profilen und vielen weiteren Dingen, die es erfordern. Das Pseudonym, der Künstlername, etc, das gehört in ein extra Feld (bei Google+ direkt unter dem Namen, das kann auch ein Satz sein, total frei), sodass man weiß dass es sich um einen Sondernamen handelt, der abgewandelt, geändert oder vervielfältigt und in Variationen verwendet wird. Man kennt das aus der Abi-Zeitung. Das einzige worüber ihr euch jetzt so s21-mäßig empört, ist, dass Google es nicht erlaubt, in das Vornamen-Feld den Spitznamen einzutragen. Genauso wenig, wie im Alters-Feld den Beipackzettel von Durchfallkapseln abzutippen. Gerade WEIL wir so viele Identitäten haben, wie du so schön aufzählst, kann es gar keinen anderen Namen im Hauptnamen-Feld geben als den offiziellen. Denn dort laufen alle Stränge zusammen. Unter Christian Heller kennt dich jeder. Als plomlompom nur die Netz-Community. Es wäre also egoistisch, den Offlinern diese Verbindung zu verweigern. Schon gar nicht als Post-Privacy-Mensch.

#6

@ Reiner Heller Schöner Weiter:

Du argumentierst mir etwas zu viel mit "das gehört sich so", ohne zu erklären, wer diese Norm festlegt und warum man seiner Autorität hörig sein sollte. Wer bestimmt, was ein "offizieller" Name ist? Wer bestimmt, dass ein Name einen "besonderen Stellenwert" haben sollte und was dieser ist?

Dass es die Verknüpfbarkeit entlang eines bestimmten Identitäts-Achse erleichtere, halte ich für ein schwaches Argument zum Zwang. Auch nach Eheschließungen werden bürgerliche Namen verändert; schadet das nach deiner Darstellung nicht ebenso der Verknüpfbarkeit und sollte also unterbunden werden? Würde es die Verknüpfbarkeit nicht noch erhöhen, wenn Menschen mit häufigen Namen gezwungen würden, eine Zahl sich als Namenszusatz anzuhängen, die sie voneinander unterscheidet? Wären nicht überhaupt Zahlen statt Namen ein sehr viel eindeutigerer, algorithmisch besser sortierbarer Index, um die Verknüpfbarkeit zu optimieren? Wer seinen Geburtsnamen "Hans Müller" behält und benutzt, ist der nach deiner Darstellung kindisch, weil er sich durch seine Verwechselbarkeit gegen die Verknüpfbarkeit sträubt?

Ich verstehe auch nicht, warum Post-Privacy eine Pflicht zur Bestätigung und Stärkung eines bestimmten Identitätsschemas ("Menschen haben eine durchgängige Schlüssel-Identität, auf die alle ihre anderen zurückgeschlossen werden können müssen") einschließen sollte. Identität ist ja kein fest vorliegendes Geheimnis, das von der Post-Privacy enthüllt wird, sondern eine soziale Konstruktion. Als solche wäre auch jedes beliebige andere Schema denkbar: Alle Angehörige derselben Religionsgruppe sollten zwecks besserer Verknüpfbarkeit denselben Namen tragen (haben die Nazis praktiziert: "Israel" bzw. "Sara" als Namenszusatz), alle im Jahr 1975 Geborenen sollten sich nach diesem Jahr benennen, alle Fans vom "Herrn der Ringe" sollten verpflichtet werden, Namen aus dem Buch zu verwenden. Was ist an diesen Schemen idiotischer als an deinem "jedes Individuum hat einen Namen über den es als stabile Person definiert werden können muss"?

#7

Cyberspacediskrimination

#8

Der Staat legt das fest. Wer in einem/diesem Staat lebt, hat gewisse Pflichten, Angaben und Abgaben. Wer leben auch nicht in einem repressiven Regime ist selbst wenn, kann man sich immer noch einen echt klingenden Falschnamen geben. Ein bestimmter Name hatte immer einen besonderen Stellenwert, ganz schlicht des Pragmatismus wegen. Wer in eine Wohnung zieht muss seinen offiziellen Namen angeben und wer sich ein Google-Profil anlegt eben auch. Schreib mal plomlompom in den Mietvertrag. Man kann natürlich behaupten, dass es das ja dann durchzusetzen gelte, aber dann wären wir ja schon fast wieder auf einer Ebene: Dann steht halt plomlompom im Ausweis und im Mietvertrag und im Google-Profil. Die Wälle zwischen Digital und Analog gibt es nicht mehr, die es erlauben unter nicht verbundenen Namen verschiedene Identitäten und Bereiche abzudecken. Das dies sowieso nicht mehr durchsetzbar wäre, lassen wir es doch ganz. Und das ist ja auch meines Erachtens ein Anliegen der PostPrivacy: Nicht unnötig Daten schützen, die man gut verwenden könnte, nur der Paranoia wegen, weil der Staat genauso wenig wie Google wegen eines Merkel-Witzes deine Wohnung stürmt. Ich diskutiere hier ja nicht mit Frank Rieger oder Constanze Kurz.
Der Begriff Zwang ist euphemistisch, weil er eine negative Assoziation hervorruft. Wir sind auch gezwungen auf unser Auto ein Nummernschild zu machen und unseren Klarnamen in den Pass zu schreiben. Und das ist auch gut so.
Eine Eheschließung ist ja ein klarer Fall. Deshalb kann man ja auch seinen Namen jederzeit ändern. Aber dann ist er sauber und erkennbar überall geändert und man bleibt dennoch verbunden. Dass man dadurch zwischenzeitlich auf Google schlechter gefunden wird ist ein rein technisches Problem. Du musst ja auch dein Klingelschild ändern oder wenn du umziehst deine Adresse. Eine 100%ige Verknüfbarkeit aller Erdenbürger ist natürlich eine Utopie.
Du übertreibst natürlich jetzt alles ins Radikale und Absurde. Deshalb ist es unnötig darauf zu antworten.
Du verwechselst Name mit Identität. Eine Namens-Stringenz bedeutet keine Identitäts-Stringenz oder Unveränderbarkeit. Christian Heller, der IT-Nerd, der Sohn und der Fußballfan (Beispiele) sind drei Teilbereiche, die alle unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen haben, aber einem Namen. So bleibt man übergreifend vernetzt.
Nach wie vor ist der Hauptgrund zur Erstellung eines Pseudonyms das Verbergen des echten Namens. Und ich frage: Wieso? Ich will deinen Namen haben! Genauso wie ich deine Straße auf Google Streetview sehen will.
Auf Radikalisierungen kann ich nach wie vor nicht antworten, da ich sie nicht fordere. Was du aufzählst ist natürlich Unsinn. Es geht doch nicht darum den gesamten Lebenslauf in den Namen zu schreiben. Es geht schlicht darum eine Person im Netz nachzuvollziehen.
Wenn mich Google auf Latitude nach meinem Standort fragt, gebe ich auch nicht ohne Grund einen falschen Standort ein. Und wenn ich von Google nach meinem Vor- und Nachnamen gefragt werden, ebenso nicht. Denn so wird das Feld unbrauchbar, da die Information einfach falsch ist. In das Feld für das Alter gibt man ja auch keine Unsinn sein. Wenn man diese Angaben nicht machen will, sollte man sie halt einfach nicht machen. Was natürlich heißen kann, dass du nicht mitmachen darfst in diesem sozialen Netzwerk.
Ich glaube, du hast immer noch die Vorstellung, dass ich den Namen als Bild deiner Selbst verwenden möchte. Nein. Ich will nur die Verknüpfbarkeit der Person möglichst stringent halten. Namen sind natürlich schöner als Nummern. Persönlich fände ich es zum Beispiel unseriös, wenn jemand unter einem Pseudonym (deshalb diese Redewendung mit "unter") einen Artikel verfasst, denn was in aller Welt sollte ihne davon abhalten seinen eigentlichen Namen zu verwenden, den er schon immer hatte? Was in aller Welt macht eine andere Kombination lateinischer Zeichen so viel mehr wert als den schon längst vorhandenen Anker. Endlich klar? Eigentlich wäre das ja selbstverständlich. Denn mehr als das ist es eigentlich gar nicht: Nimm die Zeichenkette die du schon hast und verwende die. Gefällt sie dir nicht, dann rede mit deinen Eltern darüber und ändere sie und setze dich vielleicht für eine freiere Wahl deines Namens ein. Begründe du erst einmal wieso man initial sowas wie ein Pseudonym erst einmal braucht! Man hat Spitznamen, weil man damit besser gerufen werden kann, aber die sind ständig variabel und nicht fassbar.

#9

"Person" ist auch nur ein Konzept. Warum sollten sich Äußerungen stärker hieran ankern als beispielsweise ihren Ideengehalt? Der bürgerliche Name ist ein Tag, um eine Äußerung auffindbar zu machen entlang der Achse "bürgerliche Person". Aber vielleicht interessiert mich ja gar nicht das Auffinden entlang der Achse "bürgerliche Person"? Vielleicht interessiert mich eher, was die Imageboard-Kollektiv-Identität "Bernd" zu einer Frage sagt als "Thomas Maier aus Karlsruhe"? Oder halt alle Leute, die ihren Namen nach dem Lovecraftschen Götter-Pantheon wählen, weil ich bei denen eine Seelenverwandtschaft glaube? Warum sollte die Interessanz einer Äußerung von der bürgerlichen Person abhängen, die sich für sie als Eintipper zur Verfügung stellt?

"Ich will deinen Namen haben!" Ja, aber die Identität, die du mit "dein" erfragst, ist halt von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich habe die Koppelung verschiedener Identitäten an verschiedene Namen vorgeschlagen, weil du ja Anker wolltest, über die man Identitäten finden kann. Wenn du Äußerungen von "plomlompom" suchst, findest du die am Besten über "plomlompom", und wenn du welche von "Christian Heller" suchst, findest du die am Besten über "Christian Heller". Dass die beiden die selbe Person sein müssen, das behauptest du.

Ich verstehe sowieso nicht, warum du ständig alles an beständigen Personen fest machen willst. Äußerungen sind Text, ergeben sich aus Sprache, umherfliegenden Memen, in der Interpretation des Lesers; die Autoren-Funktion ist nur ein kleiner, oft unwichtiger, oft austauschbarer Teil davon; warum hierüber jede Äußerung zwanghaft an ein staatlich vorgegebenes Raster knüpfen?

Der deutsche Staat gibt ein Identitäts-Raster für viele Kontexte vor, wo es gesetzlich erzwungen wird. Schwierig, sich dort dagegen zu stellen. Aber warum sollte dieses Identitäts-Raster weiter getragen werden als der staatliche Zwang reicht? Was ist so gut daran, dieses eine Identitäts-Konzept aus der einen Welt in die andere zu tragen, die hier im Netz ja aus noch ganz anderen Einflüssen sich ergibt als dem deutschen Staat? Imageboards, IRC, Foren, große Teile der Weltliteratur, nicht-westliche Kulturen und und und kommen auch ganz gut auf andere Weise klar als mit dem deutschen Namensgesetz. Dass die Grenze zwischen "digital" und "analog" flüssig wird, heißt doch nicht, dass ein winziger Ausschnitt des "analog" festlegt, wie das Ergebnis dieser Vermischung auszusehen hat.

Zwang hört übrigens nicht dadurch auf, als negativ empfunden zu werden, weil jemand mit Autoritätsglauben dein "Und das ist gut so" einwirft. Da braucht es schon bessere Begründungen.

"Du übertreibst natürlich jetzt alles ins Radikale und Absurde. Deshalb ist es unnötig darauf zu antworten." Kannst du auch als absurd disqualifizieren, was du für absurd hältst? "Radikal" halte ich für keine Disqualifikation eines Arguments; wer sich einem Argument verweigert, weil es "radikal" sei, möchte offenbar nur Argumente hören, die seine Weltordnung bestätigen.

"Denn so wird das Feld unbrauchbar, da die Information einfach falsch ist." Wer bestimmt denn, ob die Information richtig oder falsch ist?

"Nimm die Zeichenkette die du schon hast und verwende die." Ok, also "plomlompom"?

Deine Argumentationsmuster: "Sich diese und jene Freiheit nehmen, dafür braucht man einen Grund. Der verbreitetste Grund ist x. x ist aber nicht legitim. Also brauchen wir diese Freiheit auch nicht." Schonmal darüber nachgedacht, dass Freiheiten gerade auch dadurch glänzen, dass man sich keine Rechtfertigung für ihre Inanspruchnahme zurecht legen muss?

Bernd /
#10

Nach wie vor nimmst du Namen immer noch als Gleichung zur Identität war. Der Name ist lediglich eine Technik, die zur Verwendung konstruiert wurde. plomlompom und Christian Heller sind eben nicht zwei verschiedene sondern eine Person.
Schon wieder eine PostPrivacy-Parallele: Wenn Julia Schramm sagt, dass im Geheimen Kindervergewaltigung passiert, dann passieren hinter Pseudonymen auch Bombenbaupläne. Der Norwegen-Fall zeigt doch wie gut diese Transparenz arbeitet, wenn man einen Namen und damit eine Persönlichkeit vor sich hat.
Ebenfalls fasst du das mit dem Radikalen bewusst falsch auf. Aber bitte, ich erkläre es dir: Ich meine selbstredlich nicht "das radikale Denken" sondern die polemische Art, das vom Gegenüber gesagte so ins Extreme zu ziehen, dass keine richtige Diskussion funktionieren kann, also abgetötet wird (totschlägt). Beispiel: Jemand fordert ein NPD-Verbot. Jemand der dagegen ist würde dann sagen: Ach, töten wir einfach alle Nazis!
Du heißt seit jeher Christian Heller. Welchen Sinn hat "plomlompom"? Selbstverständlich nur den Sinn einer "Marke". Genauso wie die Beatles nicht einfach ihre Namen auf die Plakate schrieben, sondern einen Bandnamen. Trotzdem standen dahinter immer die Personen mit ihrem Namen. Auch in der Wikipedia werden die Klarnamen immer als zwingender Rückschluss angegeben. Der Einfachheit halber wird manchmal der Rufname der Person prominenter gezeigt, dann ist dies aber explizit gekennzeichnet. Auch gegen die Verwehung von plomlompom spricht ja nichts, nur muss immer die Referenz auf Christian Heller vorhanden sein. Das ist die juristische Person, die einen Ausweis besitzt, aus Fleisch und Blut besteht, nicht plomlompom oder sonst etwas. Dafür ist es unerheblich, wie oft der Name vorkommt.
Als nach der Jahrtausendwende die ersten begriffen, dass die Zukunft des Internets nicht in der Anonymität liegt, wie man es davor in feuchten Hacker-Träumen betrachten konnte, sondern in einem offenen Netz der Personen, die sich der Öffentlichkeit zeigen, kamen auch immer mehr die Klarnamen in den Mittelpunkt. Euer (ziemlich borniertes) Sträuben ist nur der reaktionäre Wurmfortsatz dieses alten Traums.
Wenn man sich jemandem vorstellt, sagt man seinen Namen und nicht sein pseudonym oder zählt gar all seine Spitz-/Nick- und Rufnamen auf, die man besitzt auf das sich der Gegenüber eines davon aussucht. Und so ist es überall: Man kann Identitäten und Zeitnamen haben, so viele man will. Aber am Ende fällt alles auf den Namen zurück. Die inhaltliche Auswirkung auf die Person ist gleich null, es geht um die Technik und die damit verbundene Vereinfachung und Verbesserung der Verknüpfungen.

#11

Achja, und es nervt wie der Teufel, dass man sich auf google+ schwer tut, die Leute, die man nicht schon von facebook kennt, in Kreise hinzuzufügen, weil nun alle richtigerweise auch dort ihren Namen angeben und ein Profilbild einstellen, das sie selbst zeigt. Von dem einen kennt man nur das Pseudonym, vom anderen hat sich das Profilbild geändert,.... etc. Ist das die Person wirklich? Oder: Wieso hat mich die Person hinzugefügt? Würde gleich jeder einem Schema folgen, auf das man sich längst geeinigt hat, dann wäre das tausendmal einfacher. Es behindert also nur die Kommunikation, lässt Knoten unverknüpft und ist ineffektiv.

#12

@ Thomas Maier:

Noch einmal. "Person" ist nicht mehr als eine Idee und soziale Konvention. Es gibt keine stabile Person als natürlichen Fakt.

Es gibt Tier-Körper der Spezies /homo sapiens sapiens/, und denen weisen wir Identitäten zu. Mal mehr, mal weniger stabile. Mal nur eine Identität, mal mehrere gleichzeitig. Und manchmal auch gar keine: Wenn wir eine unbekannte Leiche vor uns sehen, vielleicht, oder wenn wir Menschen nur noch als namenlosen und Individualitäts-losen Teil einer Masse wahrnehmen.

Es gibt das Konzept der "Person". Das fällt für viele, vor allem staatliche Identitätsraster in eins mit: eine Identität, die ein bestimmter Körper spätestens ab Geburt bis frühestens zu seinem Tod trägt. Ist eine interessante Idee. Ist sicher auch für viele soziale und kulturelle Zusammenhänge praktisch. Performe ich auch gerne in vielen dieser Zusammenhänge.

Ist aber nicht zwingend.

Warum sollte mein Körper denn heute die selbe Person sein wie vor zwanzig Jahren? Alle Atome haben sich ausgewechselt, der Charakter ist ein ganz anderer, die Erinnerungen, das soziale Umfeld. Das Einzige, was gleich geblieben ist: die (damals mangels Ausweis noch nicht, heute im Personalausweis verzeichnete) staatliche Behauptung darüber, dieser Körper sei identisch mit der Akte "Christian Rainer Heller", geboren dann und dann dort und dort, Sohn von x und y ... Also, nichts weiter als Buchstaben.

So ist die "Person" nichts weiter als eine weitere kulturell konstruierte Identität, die diesem Körper hier aufgepappt wurde. Sie ist nicht per se wahrer oder falscher als andere. Sie funktioniert nur vielleicht in bestimmten Kontexten besser. Das ist aber noch kein Grund, sie automatisch für neue Kontexte vorzuschreiben. Denn wie schon dargelegt, in der Verschiedenheit kultureller und sozialer Räumen wechseln auch die Identitäten.

Medien wie das Netz treiben diese Auflösbarkeit noch weiter: Sie entkörperlichen einen Großteil der sozialen und kulturellen Abläufe. D.h. sie lösen die Kommunikations-Akte, die im Namen der Identitäten geschehen, ab von der Bindung an einen bestimmten /homo-sapiens-sapiens/-Tier-Körper.

Hier in diesem Thread allein kommuniziert nur Buchstaben-Text mit Buchstaben-Text. Größtenteils zwischen zwei Identitäten, die halbwegs stabil zu sein scheinen; stabil weniger durch stabile Namenswahl im Kommentar-Eingabe-Feld "Dein Name" als durch die jeweils gleichbleibende darunter verlinkte URL; sowie durch den rhythmischen Wechsel von Pro und Contra im Diskussionsverlauf. Dabei ist es ziemlich unerheblich, ob dieser Text hier von der "Person" eingetippt wird, die in ihrem Personal-Ausweis "Christian Rainer Heller" genannt wird, oder die Texte mit Link auf thomasmaier.me von einer "Person", die tatsächlich "Thomas Maier" in ihrem Perso stehen hat. Das Hin und Her der Argumente, Polemiken usw. funktioniert auch so. Wo brauchen wir hier eine "Person"?

Ganz im Gegenteil flottiert im Netz ja ein Hin und Her von Identitäten, die mal zu mehrt von einer einzigen "Person" eingetippt werden, oder aber als einzelne Identität von mehreren "Personen" ausgefüllt werden; oder beides. Zum Beispiel pflegt der Körper, der das hier tippt, zwei verschiedene Twitter-Accounts mit zwei verschiedenen politischen Einstellungen (@plomlompom & @zrolaps); außerdem gibt es noch zwei weitere Twitter-Accounts, die "plomlompom" in der einen oder anderen Weise duplizieren oder weitererfinden (@plomlombot, @plomlolpom), aber dabei von Bots bestückt werden, also gar keinen menschlichen Eintipper hinter sich haben. Und dann gibt es noch Kollektiv-Identitäten wie Luther Blissett, Anonymous, Bernd; mit welchem Personal-Ausweis-Namen sollen die denn deines Erachtens auftreten?

Hast du dich eigentlich schonmal mit Subjekt-Dekonstruktion und Tod des Autors beschäftigt? (Ich nämlich nicht, hihi!)

"Würde gleich jeder einem Schema folgen, auf das man sich längst geeinigt hat, dann wäre das tausendmal einfacher." Der klassische Slogan totalitärer Ideologien :->

#13

Wie oft soll ich mich noch wiederholen? Es geht nicht darum, jemanden in einer Identität für immer gefangen zu halten, sondern darum eine bestimmte Zeichenkette als für alle Menschen erkennbares und wiederfindbares Schema festzulegen, beziehungsweise diese festgelegte Zeichenkette bestehend aus Vor- und Nachnamen anzuerkennen.

Und selbstverständlich gibt es "die Person". Ich kann dir sogar verraten wie viele Chromosoms sie zum Löwenanteil besitzt (also neben Gendefekten).

Du wirst, falls du deinen Namen nicht aus bestimmten Gründen ändern lässt, für immer Christian Heller bleiben. plomlompom und Co. sind Subidentitäten, die partikular nützlicher sein können. Die Referenz (zum x-ten mal) auf den Namen muss aber immer bestehen bleiben.

Und du sagst es ja selber: Die Fakten haben sich nicht geändert (die Eltern etc.) sondern nur dein Wesen, also dein Inhalt. Da aber dein Name keinen inhaltlichen Schluss zulässt, kann er mit dir mitwachsen. Tatsächlich gäbe es also keine Auswirkung auf deine Person, hättest du statt plomlompom stets Christian Heller als Bezeichnung verwendet. Und das verlange ich noch nicht einmal. IMMER NOCH denkst, du Name und Identität kleben untrennbar aneinander. Was aber völliger Quatsch ist. das würde heißen, dass es keine Täter-Rehabilitierung bei Straftaten geben kann, sondern man ändert einfach den Namen.

Und diese Konstruktion des Ausweis-Namens ist nicht nur in der alten Welt hilfreich sondern such im Digitalen. Zuwiderhandlung nervt mich tagtäglich. Klarnamen-Paranoiker nerven mich genauso wie mich StreetView-Kläger nerven.

Die Personen braucht man natürlich weiterhin. Es kommt IMMER darauf an WER etwas sagt. Wir interpretieren Gesagtes und Geschiebenes immer auf Basis dessen, wie wir den Gegenüber einschätzen und kennen. Die Diskussion würde selbstverständlich total anders laufen, wenn keiner von uns beiden wüsste wer der andere ist. Man kann eben nicht verkennen, dass hinter einem Text immer eine Person aus Fleisch und Blut steht. Und mit dieser präferiere ich zu diskutieren.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Ha! Also es ist so: In der DDR oder in Libyen müsste man ganz anders damit umgehen. Noch. Wir in Deutschland haben dieses Privileg unsere Kommunikation so zu gestalten. Wenn es keinen Anonymous geben müsste, gäbe es ihn auch nicht. Diese Sonderformen verwendet man auch nicht zum direkten Diskurs und erwartet dabei eine Person. Nach wie vor spreche ich nicht von Identitätssingularismus aller Lebensformen. Anonymous ist genauso wenig eine Person wie kein Tischkicker. Von beiden erwarte ich keinen Klarnamen.

Mann oh man. Leben wir dann jetzt in einem totalitären Regime, weil wir ein "@" in unsere E-mail-Adressen machen müssen? Das ist auch eine Schema auf das man sich geeinigt hat. Würdest du dies nun angreifen, ohne eine Verbesserung der Kommunikation zu erhalten, würde ich das selbe sagen. Deshalb ist das noch lange nicht was mit totalitär zu tun hat. *facepalm*

#14

Ich fand die Möglichkeit, von StreetView gebannte Häuser eigenmächtig zu fotografieren super!

Das gleiche fordere ich jetzt auch für Google+-Namen. Auch andere können deinen Namen in die richtige Version editieren. Das wird dann noch geprüft, und fertig!

#15

@ Thomas Maier:

"Wie oft soll ich mich noch wiederholen? Es geht nicht darum, jemanden in einer Identität für immer gefangen zu halten, sondern darum eine bestimmte Zeichenkette als für alle Menschen erkennbares und wiederfindbares Schema festzulegen, beziehungsweise diese festgelegte Zeichenkette bestehend aus Vor- und Nachnamen anzuerkennen."

Niemand spricht dir ab, eine bestimmte Zeichenkette festzulegen und beliebig lange anzuerkennen. Dass ich sie nicht ins Namensfeld bei Google eintrage, tut der Existenz der Zeichenkette "Christian Heller" doch keinen Abbruch. Die Frage ist, ob diese Zeichenkette durchgängig dasselbe bezeichnen soll. *Das* wäre dann nämlich, ja, tatsächlich: Identität.

Du verwechselst "Person" mit biologischem Körper. Sie sind nicht das Gleiche. "Person" ist eine sozial konstruierte Identität, die mit dem biologischen Körper nicht zusammenfallen muss. Wenn ich mir einen Finger abschneide, bin ich dann weniger Person? Wenn ich mir Beine und Arme amputiere, sind die dann noch Person oder nicht mehr? Was, wenn ich nur den Kopf amputiere, oder nur das Gehirn? Wo genau soll denn die Person verortet sein im biologischen Körper? Was, wenn ich meine Erinnerungen und Instinkte in ein Computerprogramm hochlade, das sich algorithmisch in verschiedene Richtungen entwickeln lasse, und die Ergebnis-Persönlichkeiten ins Internet jage? Wo ist deine Person jetzt?

"Und du sagst es ja selber: Die Fakten haben sich nicht geändert (die Eltern etc.) sondern nur dein Wesen, also dein Inhalt." Nein, ich sage: Die Akte hat sich nicht geändert. Das ist ein wesentlicher Unterschied. In der Akte stehen Buchstaben drin, Behauptungen. Die können auch falsch sein. Die lassen sich sogar ändern, wenn z.B. der Staat nachträglich mich zur Unperson erklärt und meine bürgerliche Identität aus seinen Akten auslöscht. Wenn meine Eltern mich A nennen und das Amt B einträgt, ist die Person dann A oder B? Wenn ich mit Amnesie in einem fremden Land aufwache und dort ein neues Leben anfange, bin ich dann noch dieselbe Person? Schließlich stellt man mir dort einen neuen Personalausweis aus, wenn ich es schaffe, mich zu integrieren.

"Da aber dein Name keinen inhaltlichen Schluss zulässt, kann er mit dir mitwachsen." Natürlich lässt der Name inhaltliche Schlüsse zu: auf kulturellen Hintergrund, auf Sprache, auf Wertschätzung durch die Eltern (nennen sie ihr Kind "Arschloch" oder "Jesus"?). Namen sind in ihrer kulturellen Benutzung eben keine neutralen, objektiven Ziffernfolgen, sondern kulturelle Artefakte. Und je nachdem, welchen Namen man wählt, trifft man damit auch eine kulturelle, eine literarische, eine identitäre Wahl.

"Die Personen braucht man natürlich weiterhin. Es kommt IMMER darauf an WER etwas sagt." 2 + 2 = 4. An wessen Person ist der Wahrheitsgehalt dieser Aussage gekoppelt?

"Man kann eben nicht verkennen, dass hinter einem Text immer eine Person aus Fleisch und Blut steht." Ok. Welche Person aus Fleisch und Blut steht hinter der Bibel? Welche steht hinter diesem Bild? http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/37/Mandel_zoom_14_satellite_julia_island.jpg Welche steht hinter den Höhlenmalereien von Lascaux?

"Das gleiche fordere ich jetzt auch für Google+-Namen. Auch andere können deinen Namen in die richtige Version editieren." Können sie gerne für sich machen, ist ja ihre FilterSouveränität. So lange es um das geht, was sie sich anzeigen lassen, und nicht darum, wie ich mich selbst repräsentieren soll. "Das wird dann noch geprüft, und fertig!" Ach so, du willst, dass Google das autoritär dann mir und allen Anderen aufzwingt. Nö. Du verwechselst FilterSouveränität mit dem Zwang, sich nur auf eine bestimmte Weise mitzuteilen. Wo du aber einschränkst, was gesagt werden darf, schränkst du auch ein, was gelesen werden kann.

apfel /
#16

Also nochmal: Es kommt nicht darauf an was welche Identitäten beinhalten oder welche Bezeichnung auf welche zutrifft oder richtig ist. Es kommt darauf an, dass es neben oder über all den Identitäten, die eine fleischliche Person beinhaltet, eine Sammelidentität gibt auf die die Identitäten im Falle zurückfallen (wie ich schon mehrfach erklärte). Google+ ist plomlompom, plomlolpom etc aber über allem steht die Referenz auf Christian Heller, denn all diese Identitäten haben untereinander vielleicht wenig miteinander zu tun oder gar nichts oder dürfen sich vielleicht sogar gar nicht berühren. Aber alle zusammen haben Christian Heller gemeinsam. Genau das macht ja G+ so einfach: Man kann verschiedenen Leuten verschiedene Dinge sharen. Deine Mutter interessiert sich für die verlinkten Kochrezepte, der Michael Seemann (in diesem Kontext wahlweise auch als mspro zu bezeichnen) für deine Überlegungen und wieder jemand anderes für deine Lolkatzenbilder. Und da Google+ dein Profil ist in einem Social Network, musst du dort Christian Heller sein, der Identität mit der dich jeder kennt. Anderes Beispiel: Ennomane ist nur ein Teil von Enno Park. Und auf Google+ will ich wählen, ob ich mit der juristischen Person, dem Twitterer, dem Blogger oder irgendeiner sonstigen Identität kommuniziere. Diese Wahlmöglichkeit wird mir versperrt damit, dass er sich als Ennomane angemeldet ist. Enno Park ist neutral, da die biologische Person all diese Identitäten erst produzieren kann. Es kann auch sein dass Enno Park innerhalb von Enno Park wiederum eine Sub-Identität ist. Aber das Problem, das auftritt, wenn man nicht meiner geforderten Stringent folgt, ist, dass sich total schwer Leute zuordnen lassen. Profanes Beispiel: Ich habe bei Google+ oft Probleme, manche Leute in Circles einzuordnen, weil ich erst einmal hinterher suchen muss, der das ist. Und ich will auf Google+ mit Michael Seemann, Christian Heller und Enno Park reden, nicht mit mspro, plomlompom und ennomane oder sonst irgendeiner Sub-Identität. Der Bezug zum Lebewesen muss ebensoo klar sein, wie die Angabe der Basis-Identität. Denn Enno Park kann ennomane sein, aber nicht umgekehrt.
Wenn du dich verstümmelst bist du nicht weniger Person. Du bist einfach die selbe Person wie vorher. Das Grundgerüst deiner Identitäten. Dein Klarname ist sozusagen dessen Verknüpfung. "Pseudonym" ist einfach das neue "Datenschutz". Funktioniert sowieso nicht mehr, daher nicht nur irrelevant sondern sogar hinderlich. Nochmals: Es geht NICHT um die Abschaffung des Pseudonyms, sondern nur um die Positionierung.
Und Menschen nach ihren Namen zu beurteilen machen nur Nationalisten und Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass Menschen außerhalb ihres Charakters gleich sind. Der Name sagt, und da behauptest du fälschlicherweise das Gegenteil, NICHTS über die Person aus. Ich kenne eine Koreanerin mit einem urdeutschen Namen und finde sicherlich viele weitere Beispiele. Diese Vernietung zu ziehen halte ich auch für biologistisch und ideologisch missbrauchbar. Der Name lässt KEINEN inhaltlichen Schluss zu.
Ich will wissen, mit WEM ich rede und dass dieser ein Mensch ist. Das meine ich mit Person. Und da diese Person sowieso einen Namen hat, soll sie diesen auch benutzen! Aus oben genannten (und wiederholten) Gründen.
Hinter den Beispielen sehen sicherlich etliche. Deshalb wäre eine individuelle Person uninteressant. Es geht darum was DU publizierst oder WER kommuniziert. Wichtig ist, dass Menschen dahinter stehen. Dass partiell manchmal uninteressant ist, wer genau was gemacht hat, heißt ja nicht, dass man deshalb Pseudonyme in die Profile schreiben muss, willkürlich, um alle unnötig zu verwirren und die Kommunikation aktiv zu behindern indem man zum Beispiel bei Google+ jemanden nicht einkreist, weil man denkt man kennt ihn nicht, nur weil er aus kindischem Trotz einen Neckname eingetragen hat, dort wo der Vorname hinkommen muss.
Doch, wenn jemand seinen Namen nicht einträgt behindert er meinen Datenfluss weil er sich vorfiltert. Das ist so. Und du unterliegst NICHT dem zwang dich auf eine bestimmte weise mitzuteilen!! Wodurch kommst du auf den Unsinn? Wirst du bei Google+ dazu gezwungen, andere Dinge reinzuschreiben, nur weil du Christian Heller sein musst? Ich bitte dich! Und ich finde es eine Zumutung, wie du mir unterstellst uch würde "einschränken, was gesagt werden darf"! Das zeigt wohl, dass du überhaupt noch nicht verstanden hast um was es geht.

Vielmehr denke ich, dass euch immer noch der reaktionäre Wunsch nachhängt, ein anonymes Netz zu haben, in dem man im Geheimen agieren kann. Das mag unterbewusst sein oder bewusst. Das zeigt sich auch dadurch, dass du das Propagieren des Klarnamens mit der Einschränkung von Meinungsfreiheit gleichsetzt, was absolut lächerlich ist. Da fällt mir ja gar nichts mehr ein. Das Internet ist extrem schnelllebig und selbst die fortschrittlichen und progressiven werden sehr schnell zu Konservativen die ihre süßen Pseudonyme trotzig in die Vornamen-Felder eintragen wollen. Das erste Opfer ist der CCC mit seinem Datenschutz-Fanatismus. Die nächste Mauer die fällt sind die Anonymitäts-Ressentiments: Post-Pseudonymity.

#17

22.45h

Du behauptest, dass es eine personale Kern-Identität gebe ("Christian Heller"), von der sich notwendig alle anderen Identitäten ("plomlompom", "zrolaps" usw.) ableiten ließen. Sozusagen einen festen Anker, der das Umherschwirren der wechselnden und beweglichen Identitäten an einen unverrückbaren Punkt festbinde.

Das bestreite ich.

Mag sein, dass jede autonyme oder pseudonyme Identität an der einen oder anderen Stelle mal mit einem bürgerlichen Namen koppelbar ist. Aber warum sollte es dauerhaft derselbe sein? Leuten mal den eigenen Account ausleihen, damit die die Identität für eine Weile befüllen, ist ein verbreitetes Spiel. Namen für Andere als Autoren-Unterschrift freigeben, ebenso. Und was ist mit den Text-Resimulationen Verstorbener, die aus deren Textkörper eine eigene Konversations-Intelligenz aufbauen und ihren Namen annehmen?

Was ist denn jetzt nun eigentlich die Identität von "plomlombot"? "Ich" als Person aus Fleisch und Blut hab jedenfalls noch nie was in sein Eingabefeld getippt. Trotzdem haben Leute ihm schon reply'd, sich von ihm angesprochen gefühlt, mit ihm sozialisiert.

In deiner Weltsicht scheint es eine schön klare, saubere, Oben-nach-Unten-Hierarchie von Identitäten zu geben. Es gibt den einen Schlüssel, und an den lässt sich restlos alles Andere zurückbinden, muss sich in die so geschaffenen Kanäle einordnen. Das totale Autoren-Subjekt. Eine Welt aus unverrückbaren Pyramiden und Ordnungen. Eine ziemlich tote Welt, in der ich jedenfalls nicht leben möchte.

Dein alter fader Punkt mit "es fällt schwer, Leute zuzuordnen, wenn sie sich nicht mit bürgerlichen Namen ..." Wie gesagt. Mir fällt es vor allem schwer, bei G+ Leute zuzuordnen, weil die dort alle mit ihrem bürgerlichen Namen auftreten. Folge ich deiner Argumentationsweise, müsste ich schreiben: "Das gehört sich so nicht! Tretet gefälligst mit dem Namen auf, mit dem ich euch kenne -- also eurem Twitter-Nick! Denn so hat es das Gesetz zu sein, die Ordnung, die Natur!" Ich bin aber eher dafür, den Leuten die Freiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, wie sie sich nennen.

Gerade in deiner Logik, in der ständig schicksalshaft bestimmt zu sein scheint, mit welchem Anker ich identisch zu sein, welchen Namen ich zu tragen habe, greift dein Argument, der Name sage nichts über einen Menschen aus, *nicht*. Denn wenn der Name so fest gebunden ist an die eine Identität, die man nie los wird, dann zwängt er ja alle anderen unter diese. Und diese eine Identität, die man laut dir nie los wird, der Körper, die Nachkunft der Eltern, die Staatsbürgerschaft -- eben das wid dann von diesem Namen verkündet. Er ist also nicht leer. Er ist sehr redselig.

"Wichtig ist, dass Menschen dahinter stehen." Nö. Wichtig ist nur, dass der Text für mich interessant ist, mir was gibt, mich in irgendwas weiterbringt. Dazu ist es völlig egal, ob er von einem Computer generiert wurde, von Goethe geschrieben wurde, von einem Affen, von einem Zufallsgenerator. Dass ein Text einen bestimmten Autoren aus Fleisch und Blut hat, das *kann* ein Zertifikat für seine Interessanz sein, muss es aber nicht. Es gibt auch viele andere mögliche solcher Zertifikate. Zum Beispiel, wieviele Leute ihn hoch-gevoted haben, oder dass ihn ein Suchalgorithmus als Antwort auf meine Frage ausspuckt. Diesen seltsamen Biologismus von dir, ständig für alles eine Rückbindung an die Autorenschaft durch einen Vertreter der Spezies /homo sapiens sapiens/ zu fordern, kann ich nicht nachvollziehen.

Deine Versuche, alles, was nicht deiner Denkweise und deinem Ordnungswunsch entspricht, als konservativ, reaktionär, feige, Feind des Fortschritts zu brandmarken, finde ich putzig.

Ach ja: Natürlich willst du einschränken, was gesagt werden darf. Denn der Name, den man angibt, ist auch etwas, das man sagt. Ein Kommunikations-Akt. Und wenn da nur ein bestimmter Text stehen darf, schließt das anderen Texte aus. Also: Einschränkung dessen, was gesagt werden darf.

#18

- Accounts, die von mehreren Personen bespielt werden, stellen ein Kollektiv dar. Und wer die Identität gut kennt, erkennt sofort wann eine andere Person diesen Account bedient. Ein Klarname würde also keinen Sinn machen. Und wenn es partiell zu einem Ausnahmefall kommt, ist das kein Abbruch. Die Regel muss aber der Klarname sein, dort wo er hingehört. Und der Spitzname auch dort, wo er hingehört.

- Dass sich Menschen mit Dingen sozialisieren ist nichts neues. Auch bei Plüschtieren soll das vorkommen. Plüschtiere haben keinen Klarnamen. Auch ein Bot hat logischerweise keinen Klarnamen. Was soll die Frage?

- Wiederum denkst du, dass ein Name irgend einen Zwang oder Einengung ausübt. Ich sehe ich keiner Weise wieso das so sein sollte. Es geht nicht um die Tötung oder Ersetzung von Identitäten (zum hunderttausendsten Mal) sondern nur darum, dass du deinen Klarnamen angibt, dort wo er hingehört. Wird nach keinem gefragt, ändert sich schlicht nichts. Und ansonsten steht nur ein zusätzlicher Zeichenstring da. Wie die Datenschutz-Fanatiker schüttest du mit dem Bade gleich alles aus.

- Nein, denn der Klarname hat Vorrang. Denn dein Twittername steht nicht im Ausweis und deine Mutter kennt ihn vielleicht auch nicht. Deinen echten Namen kennt aber jeder. Denn auch Twitter hat dafür zwei Felder. Wenn jetzt zwei Seiten streiten, über welches Konzept man die Verknüpfbarkeit erhält, kommt man nie auf einen grünen Zweig. Also nimmt man eben der Einfachheit halber die Zeichenkette, die man schon hat.

- Es IST eines der Indizien für einen Artikel den ich aufgrund der Autorschaft bewerten und filtern kann. Ebenso wie die anderen Kriterien die du aufzählst. Ein von einem Computer generierter Text wurde schon einmal geschrieben. Bisher können Computer noch nicht denken, sondern einfach Textpassagen zufällig zusammenkleben, die ihnen auf Basis menschlicher Texte sinnvoll erscheinen. Was es oft nicht ist. Ich liebe diese Textform als Kunst.

- Ich lassen ebenfalls den Menschen die Freiheit, wie sie sich nennen möchten. Der Zustand, dass die Eltern einem den Namen aufdrücken ist nicht optimal. Aber bis man selbst in der Lage ist, sich für einen Namen zu entscheiden ist schon sehr viel Leben um. Man denke nur an die etlichen Spitznamen in Kindergarten bis Schule. Und eine Namensänderung ist ja jederzeit möglich. Man sollte sie jedoch freier gestalten.

- Zum hunderttausendsten Mal: Der Name ist ein Verknüpfungspunkt (oder eben Anker) und kein Gefängnis in dem eine einzelne Identität gefangen ist. Was ist das denn für eine Vorstellung? Ich habe dir auch mehrere tausend Male erklärt, dass ich nichts gegen mehrere Identitäten habe. Ich selbst kann wahrscheinlich mehr aufzählen als du. Aber sie alle gehören zu mir. Genauso wie deine zu dir gehören. Es STEHT immer ein Mensch dahinter. "Matrix" ist ein Kinofilm. Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, Affen, Computer oder Steine hätten Intelligenz. Diese Diskussion ist inzwischen endlich abgeschlossen. Aber du kannst dir gerne nochmal David Gelernter zu Gemüte führen. Oder abstrakter ausgedrückt: Hinter einem Klarnamen, und damit einer Fülle von Identitäten und Sub-Namen steht immer ein komplexes Wesen, jedoch kein kompliziertes. Ein Computer ist "kompliziert", ein Mensch "komplex". Deshalb benehmen sich die Soldaten in COD immer noch so bescheuert.

- Falsch. Es wird nichts eingeschränkt. Du kannst deinen Spitznamen gerne bei Google+ eintragen. Nach Herzenslust! Nur eben nicht in das Vornamen-Nachnamen-Feld, wenn wieso dann das und nicht das "Interessen"-Feld oder das "Beruf"-Feld. :D
In einer Gesellschaft müssen manche Dinge einheitlich sein. Dazu gehört die Größe von Bierflaschen, die Menge von Verpackungen, die Preise von Briefen und das Schema des Namens. Das mag einer Sozialismus schimpfen, ich finde aber es ist zweckmäßig. Einfach tun, es wird zu keiner Behinderung kommen. Wo und wie auch.

#19

Enno Park gibt es übrigens zweimal. Wir stehen seit kurzem sogar in E-Mail-Kontakt. Ich weiß das aber schon sehr lange und nicht wenige Leute geben große Stücke auf mich, weil ich es schaffe, mich nebenher noch so intensiv beim Roten Kreuz zu engagieren und der andere Enno Park dürfte auch schon das eine oder andere mal darauf angesprochen worden sein, wie toll das sei, dass er sich im hohen Alter noch so intensiv mit dem Internet auseinander setzt und bloggt...

#20

Dass der Name einem Text einen Kontext verleiht ist ja gerade der Grund, Pseudonyme zu verwenden. Es ist ein Rollenspiel. Als "Die Ennomane" trage ich quasi eine Maske und verhalte mich anders als als "Enno Park". Gplussen unter "Enno Park" wäre nicht dasselbe, es sei denn, man sieht in G+ nur ein verxingtes Business-Netzwerk mit fachlichen Selbstvermarktungshäppchen (wozu es sich übrigens ach heftig entwickelt gerade). Schonmal versucht, dich deinem Chef gegenüber EXAKT so zu verhalten wie deiner Frau? Also wirklich bis in jede Konsequenz? Das geht gar nicht - da sind Hemmungen und Sicherungen eingebaut. Dasselbe passiert auch der Öffentlichkeit gegenüber. Es ist keine verheimlichende Maske, sondern es ist Kleidung und "Kleider machen Leute". Im Anzug wird man nicht nur anders wahrgenommen als im Hoodie, man fühlt sich auch anders und agiert anders. Genauso ist es mit dem Pseudonym. Kürzlich wurde ich nicht in einen bekannten Berliner Club gelassen, weil ich Sneakers trug. Google benimmt sich, wie dieser Club, nur dass Promis selbstverständlich trotz der Sneakers eingelassen werden. Will Google ein soziales Register sein wie Xing, wo man Lebensläufe hinterlegt und all das, kann man das gerne machen. Ich hätte dann wohl auch meine seriöse Enno-Park-Fassade dort einmal installiert und gut ist. Google will aber ein soziales Netzwerk sein. Das ist so etwas wie eine Kneipe oder ein Marktplatz. Noch dazu ermöglicht Google es, sich über die Circles Zielgruppen zurecht zu schneiden und verwendet das asynchrone Follow-Prinzip, drängt sich also als Broadcasting-Medium (Antisocial Media, wie Twitter...) geradezu auf. Und genau dazu passt der Klarnamenszwang überhaupt nicht. Besonders arm finde ich aber, dass Google diesen Zwang weiterhin kommuniniziert, intern aber gleichzeitig immer mehr Pseudonym-Nutzer freischaltet. Auf diese Weise wird der Anwende in subtiler Unsicherheit gewogen. Ja, auf einer Plattform mit 20 Millionen Usern *ist* das ein Problem.

Zum anderen, auch wenn Christian mit da widerspricht, halte ich nichts vom Transparenzgebot des Klarnamens. Die Aussage, *hierzulande* hätten wir gar keinen Bedarf für Anonymität, weil wir hier in einer freiheitlichen Demokratie leben, ist auf erstaunlich viele Arten dumm. Sie zeugt von einem Mangel an Lebenserfahrung, verschließt die Augen davor, dass andere Menschen trotz ihrer nominalen Freiheit hier gestalkt, gemobbt oder gar verfolgt werden, ignoriert die Möglichkeit, dass es eines Tages auch wieder vorbei sein könnte mit Demokratie und Rechtstaat und ignoriert außerdem, dass es Google+ nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gibt, es also sehr wohl auch "Schwule im Iran" betrifft und genau für die Leiste ich meinen kleinen, bescheidenen Beitrag, wenn ich selber ein Pseudonym verwende, lautstark die Tolerierung von Pseudonymen fordere und nicht mal eben Ruhe gebe, bloß weil man mir die Nutzung unter Pseudonym gestattet. Vermutlich forderst du diese Leute dann auf, ihr Pseudonym im Zusatzfeld einzutragen, um jegliche Anonymität entgültig zu verwischen? Wie ich in meinem Blog schon schrieb: Auch wenn absolute Anonymität unmöglich ist, gibt es so etwas wie "hinreichende" Anonymität.

#21

- Klarnamen-Pflicht schränkt die Verwendung von Pseudonymen nicht ein
- Das Pseudonym-Dogma schränkt vielmehr andere Identitätskonzepte ein, in dem der Idee von "Kreisen" der Zweck vorweggenommen wird. Man kann aber auch durch verschiedene Kreise verschiedene Identitäten haben. Nicht nur durch verschiedene Pseudonyme.
- Twitterer, die überall mit Klarnamen unterwegs sind (ich, Ute Weber, tausend andere, ...) besitzen ebenfalls verschiedene Identitäten. KAUM ZU GLAUBEN!!!

#22

@Thomas Maier

Das Fotografieren von nicht-menschlichen Bestandteilen des öffentlichen Raumes, wie z.B. gepixelte Häuser hat überhaupt nichts mit einem Recht des Menschen auf Verwendung von Namen nach eigener Entscheidung zu tun.

Die sich nach Epochen und Kulturkreisen vehement unterscheidenden Prinzipien der mehr oder weniger nachhaltigen Namensgebung durch eine Gesellschaft ist in letzter Konsequenz so willkürlich wie jede andere Methode.

Wenn im Rahmen des Zusammenwachsen digitaler und analoger Sphären die Namensnormierung nach westlichem Modell von einem aktuell leider alles durchdringenden kommerziellen Player als absolut gesetzt wird, sollte es eine grundsätzliche Diskussion darüber geben.

Allerdings bist du in einigen Punkten extrem starrsinnig, da du die Willkürlichkeit des Vorname,Nachname-Diktums einfach nicht erkennen willst. Dein Anspruchsdenken, jemanden "erkennen" zu können, finde ich bedenklich bis anmaßend. Du solltest mal deinen Blick weiten, bevor du hier weiter so penetrant repetetiv deine kulturellen Forderungen aufstellst.

Jens Best /
#23

Jens:

- Ein Haus ist genauso sehr ein "nicht-menschlicher" Bestandteil wie ein Name. Ein haus kann sogar mehr über jemanden aussagen als ein Name.

- Sie ist willkürlich, genau, und daher nicht vorbestimmt oder mit Vorurteilen belastbar. Man muss sich also nur auf ein Schema einigen. Was man bereits längst getan hat.

- Google setzt den Namen nicht absolut, sie verwenden die Konvention einfach nur. Absolut wurde der Name durch den Staat bzw. die Staaten gesetzt. Dafür kann Google nichts.

- Ich erkläre ständig diese Willkürlichkeit. Es geht mir nicht so sehr um das aussehen von klarkamen als viel mehr um die Verknüpfbarkeit. Außerdem ist dies keine kulturelle Forderung sondern eine Einforderung. Viel sturer ist euer Sträuben dagegen, und dabei würde sich eigentlich nichts ändern. Es werden eure Namen in euren Profilen stehen. so what! besser benutzbar. sonstiger Effekt - keiner.

#24

Ich halte mich dieser Tage gerade raus, WEIL ICH VERFICKT NOCHMAL EIN BUCH ZUENDE SCHREIBEN MUSS IN GEFÜHLT DEN NÄCHSTEN FÜNF MINUTEN ;-)

Aber der Punkt ist einfach zu reizvoll:

"Sie ist willkürlich, genau, und daher nicht vorbestimmt oder mit Vorurteilen belastbar. Man muss sich also nur auf ein Schema einigen. Was man bereits längst getan hat."

Wer ist "man"? Entweder, wir alle haben uns auf das Schema geeinigt und setzen es überall ein. Oder halt offensichtlich nicht, wenn es Leute gibt, die sich dem Schema zumindest mancherorts verweigern. Du kannst nicht mit einem Konsens argumentieren, den es nicht gibt.

Mir scheint, du verwechelst dein subjektives Empfinden, wie sich die Dinge im Netz entwickeln (das vielleicht richtig und vielleicht falsch liegt), mit einem normativen Anspruch, dass sie sich so entwickeln *sollen*.

#25

Es gibt wohl selten etwas was mehr Konsens besitzt. Ob man in Deutschland oder Indien ist: Jeder hat 1+x Vornamen und 1 Nachnamen. Punkt. Das macht jeder, akzeptiert jeder, hat jeder. Mit "man" meine ich so ziemlich alle Menschen auf der Welt, glaube ich. Gibt es irgendwo Länder die dieses Schema noch nicht haben? Sagen wir mal es sind 6 Milliarden. Aber das ist trivial. Es ist nur ein Schema.

Meine Vorstellung, wie es für mein egoistisches Empfinden am besten ist, kommt der Realität größtenteils sehr nahe. Niemand, der nicht ein Digital Native im engeren Sinne war oder ist, hat überhaupt solche Pseudonyme sondern meldet sich einfach mit seinem Namen bei facebook an und gut isses. Das ist die Realität. Leute, die willkürlich sich manchmal so nennen und manchmal so sind mit dieser Entwicklung immer schwerer kompatibel.

#26

"Es gibt wohl selten etwas was mehr Konsens besitzt."

Dazu: http://www.antipope.org/charlie/blog-static/2011/08/why-im-not-on-google-plus.html

Ich find deine "Alle Menschen oder zumindest 99% davon, denken, handeln, sind wie ich"-Annahmen immer wieder putzig.

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